Was tun, wenn das Kind nicht in die Kita möchte?

Es ist 7:50 und ich sage meiner 6-jährigen Tochter, dass wir uns jetzt die Schuhe anziehen müssen, da wir jetzt zum Kindergarten gehen wollen.
Sie trödelt und ich werde genervter.

Mittlerweile ist es 8:05 – zum Glück haben wir an diesem Tag bis 9 Uhr Zeit um am Kindergarten anzukommen. Der Weg ist nur ca 10-15 Min Fußmarsch. Doch die Zeit verfliegt nur so und wir sind immer noch nicht aus dem Haus.
Endlich sind wir mal im Flur angelangt um uns die Schuhe anzuziehen, da sagt sie es plötzlich. “Mama, ich will aber gar nicht in den Kindergarten.“

Bestimmt kennt jedes Elternteil diesen Satz und nicht immer reagieren wir darauf, wie wir es gerne hätten. Mit Empathie und irgendwelchen Lösungen, mit denen wir alle zufrieden sind. Denn da sitzt vielleicht der Chef im Nacken, oder vielleicht hast du dich auch einfach auf etwas freie Zeit ohne Kind gefreut (was absolut legitim ist, möchte ich an dieser Stelle nochmal betonen!).

Wieso will mein Kind nicht in den Kindergarten?

Zuerst schaue genau hin. Ist im Kindergarten etwas geschehen, wodurch dein Kind gerade keine Lust hat hinzugehen?
Das kann etwas super ‚banales‘ in unseren Augen sein, ein Streit mit einem anderen Kind, das Essen dort, die Aktivitäten machen keinen Spaß derzeit usw.

Befindet sich dein Kind vielleicht in einem Schub?

Gerade im 6 Jahres Schub, in dem sich so unglaublich viel für dein Kind ändert, kommt es öfters vor, dass das Kind lieber bei Mama und/oder Papa bleiben möchte.
Denn in dieser Zeit (oft auch Wackelzahnpubertät genannt) verlieren sie die ersten Zähne, kommen (bald) in die Schule, sind so klein und doch so groß wie nie zuvor.

Meine Tochter hatte Anfang des Jahres eine ganz schwere Phase (also zu gleichen Teilen schwer für sie wie auch für mich), in der sie von jetzt auf gleich nicht mehr in den Kindergarten wollte. So überhaupt nicht. Es war ihr egal, dass ihre Freunde dort sind oder sie sonst ja auch viel Spaß dort hatte. Ich ließ sie also einige Tage zuhause (dank meiner Situation ging es – ist natürlich nicht bei jedem möglich), wenn nicht sogar ca 2 Wochen. All meine Motivationsversuche scheiterten. Es gab mehrere Gespräche mit ihrer Erzieherin, auch in ihrem Beisein, da uns wichtig war, dass sie sagen konnte, was sie möchte oder auch nicht möchte.

Abgemacht wurde dann mit ihr, dass sie jeden zweiten Tag hingeht, damit sie , da sie Vorschülerin ist, und ohnehin auch sehr viel alleine spielt, nicht den Kontakt zu ihren möglichen baldigen Klassenkameraden verliert.
Nach ca 1,5 Wochen ist sie dann von alleine wieder täglich hingegangen, hat neue, stärkere Freundschaften mit Kindern in ihrem Alter geschlossen und geht wieder gerne hin.

Das klingt jetzt so einfach, es war aber extrem anstrengend und ging gefühlt eine Ewigkeit. Es ist auch eher sehr knapp geschrieben, was alles in der Zeit passiert ist, doch ja, manchmal hat sie mich echt in den Wahnsinn getrieben – komplette Hilflosigkeit bei uns beiden. Boar, ich dachte ihre Autonomiephase war anstrengend. Aber das war krasser als ich es je erlebt habe. So ein typischer “Sowas seh ich nur bei anderen, aber meeeein Kind…..“
Sie hatte in dieser Zeit viele “Kleinkind Phasen“, in denen sie sich kleiner verhalten hat , als sie ist. Zum Ende hin (in dieser Zeit hat sie 3! Zähne verloren 😉 ) wurde sie immer ‘größer‘ von ihrem Verhalten her. Sie wollte vieles alleine machen, wollte Rechnen lernen, freut sich auf die Schule und freute sich plötzlich wieder auf den Kindergarten um ihre Freunde zu sehen.

Was also tun in solchen Phasen?

Definitiv zuhören und viel miteinander sprechen. Wenn es geht, das Kind auch mal zuhause lassen. Laut den Erzieherinnen in unserem (und auch in anderen) Kindergarten ist dies eine schlechte Methode („Wenn sie bald in die Schule geht, kann sie ja auch nicht einfach zuhause bleiben!“), aber das sehe ich anders. Nur weil ein Kind auch später arbeiten ‘muss‘ , bedeutet es nicht, dass ich es von Anfang an zu allem zwingen muss, nur weil es später auch keine andere Wahl haben wird. Der Besuch eines Kindergartens ist keine Pflicht! Auch wenn Erzieher/innen es gerne so darstellen wollen, um den Übergang in die Schule zu ‘erleichtern‘(?)

Natürlich habe ich mit meinem Kind darüber gesprochen, dass sie ab der Schulzeit nicht mehr einfach so Zuhause bleiben kann, da es eine Schulpflicht gibt. Da sie ja auch eine große Schwester hat, weiß sie das ohnehin schon. Und da es meist nur eine Phase ist, dass ein Kind nicht in den Kindergarten gehen möchte, sehe ich auch da keine Probleme für die spätere Zeit in der Schule.

Was, wenn es keine Phase ist?

Ganz wichtig ist genau hinzuschauen und sich zu fragen, ob das Kind vielleicht nicht nur in einer doofen Phase steckt, sondern ob mehr dahinter steckt. Gegebenenfalls gab es einen Vorfall im Kindergarten, der nicht besprochen wurde und dein Kind es auch nicht erzählt hat (Scham oder Angst kann dahinter stecken), aber es kann auch einfach sein, dass dein Kind kein ‘Kindergartenkind‘ sein möchte. Eventuell ist es Hochsensibel und kommt nicht mit der Lautstärke und den vielen Persönlichkeiten, die im Kindergarten zusammen kommen, zurecht. So oder so würde ich ein Gespräch mit den Bezugspersonen im Kindergarten sprechen und gemeinsam an einer Lösung arbeiten.

Wenn es die Möglichkeit gibt das Kind aus dem Kindergarten rauszuholen und zuhause zu betreuen: perfekt! Das lässt sich in den meisten Fällen sicher nicht so einfach gestalten. Beide Eltern sind ggf berufstätig und Oma und Opa nicht in der Lage zu helfen.

Vielleicht findet sich aber ein geeigneter Kindergarten für dein Kind und nicht der ‘Konventionelle‘. Waldkindergärten bringen mehr Ruhe rein oder vielleicht gibt es eine tolle Tagesmutter in der Nähe, die nur eine Handvoll Kinder betreut und genug Ruhemöglichkeiten bietet.

Zusammenfassung

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass es eine individuelle Lösung geben muss. Zu sagen, dass das Kind ohne wenn und aber in den Kindergarten gehen muss, führt nicht nur beim Elternteil zu Bauchschmerzen, sondern kann sich (langfristig gesehen) negativ auf das Selbstwertgefühl des Kindes auswirken („Anderen ist es egal wie ich mich fühle. Ich muss mich anpassen um andere glücklich zu machen.“).

Leider ist es nicht immer leicht eine Lösung zu finden, die in die jeweilige Lebenssituation der Familie passt oder es lässt sich nicht einfach so ein neuer Kindergartenplatz (falls nötig) aus dem Ärmel schütteln.

Falls du darüber nachdenkst, dein Kind aus dem Kindergarten zu nehmen, weil es für dein Kind und dich die bestmögliche Lösung ist, dann tue dies! Ich habe schon oft von anderen gehört, und auch selbst zu hören bekommen, dass es das schlechteste/schlimmste ist, was man einem Kind antun kann („zur Arbeit/Schule muss es ja auch“ Augen verdreh), doch solange ihr soziale Kontakte (Freunde treffen oder auch Hobbies) habt, sehe ich da überhaupt kein Problem!

Wenn es ‚nur‘ eine Phase ist, helfen die oben genannten Dinge, wie z.B. mal ein paar Tage zuhause lassen und die gemeinsame Zeit genießen (falls möglich natürlich), oder besprechen warum das Kind in den Kindergarten ‘muss‘ („Mama und Papa müssen arbeiten, aber schau mal, wenn ich dich nachher wieder abhole, könnten wir doch was tolles zusammen machen, fällt dir etwas ein, was du gerne machen würdest?“)

Ansonsten durchhalten, öfters mal in den Arm nehmen, Gefühle benennen und besprechen, Ernst nehmen, in ein Kissen schreien (beide). (Die Gefühle in dieser Phase sind sehr überwältigend für‘s Kind und anstrengend für beide Parteien)

Ich hoffe, dass dir der Beitrag gefallen hat – würde mich natürlich freuen, wenn du ihn teilst.

Lisa

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