Selbstbestimmung ist kein Feind!

Selbstbestimmung ist kein Feind!

9. Februar 2017 9 Von Lisa

Mein Artikel über Selbstbestimmung, AP und Unerzogen macht gerade die Runde – Danke Ruth fürs teilen. ❤

Und immer und über all ist dieses große Wort „Selbstbestimmung“ – der Feind aller Eltern.

Wie viel Selbstbestimmung ist gut? Wie viel Fremdbestimmung muss es sein? Und ab wann muss mehr Selbstbestimmung und weniger Fremdbestimmung sein?

Und laufen unsere Kinder wirklich mit der Bierflasche und Kippe in der Hand über eine viel befahrene Straße , weil sie von der Glotze viereckige Augen haben?

Ein Mensch hat Grundbedürfnisse – Essen, Trinken, Schlafen, Nähe, Toilette/Hygiene..

Alles andere ist sozusagen Luxus – braucht kein Mensch, haben wir trotzdem.

Streitthemen sind immer wieder Fernsehen, Schlafen, Stillen, Essen.

Ich hoffe , dass mittlerweile viele oder am besten jeder, weiß, dass gezwungene Mahlzeiten absolut ungesund sind. Das Recht Nahrung aufzunehmen , sollte jeder zu jeder Zeit haben. Hungern lassen oder Essen aufzwingen weil „Essenszeit“ ist, oder halt auch nicht, ist absolut Menschenunwürdig. Darauf gehe ich hier auch nicht weiter ein , denn ich denke ihr stimmt mir zu.

Beim Schlafen ist es wieder ein sehr kritisches Thema – können Kinder selbstbestimmt schlafen gehen? Sind sie kompetent genug um zu verstehen, dass jetzt Schlafenszeit ist? Wissen sie, dass sie eigentlich schon müde sein sollten?

Lustigerweise lassen wir Babys auch selbstbestimmt schlafen – die schlafen ja sowieso sehr viel , die könnten wir nicht wachhalten.

Doch sobald sie aktiver werden, krabbeln, laufen usw – da muss dann ja die Notbremse gezogen werden und dem Kind wird ein Rhythmus aufgezwungen – und meistens nur, damit ich als Elternteil Zeit für mich habe. Oder weil ich ja weiß, das mein Kind müde ist – nur es selber erkennt es einfach nicht.

Genauso wie ein Baby sich den Schlaf holt, den es braucht und auch dann schläft , wenn es müde ist , so machen es auch ältere Kinder. Oder sogar auch Erwachsene.

Dann das Streitthema schlechthin : Fernsehen.

Es gibt absolut nichts was so schlimm ist für unter Dreijährige wie der Fernseher. Es ist, als würden Aliens in dem Teil hausen, die nach und nach die Kinderseele durch den Bildschirm in ihr UFO ziehen. Und was übrig bleibt ist eine leere Körperhülle, die Tagelang nichts anderes macht als vor der Glotze zu hängen – sogar wenn das Teil ausgeschaltet ist!

Mal ehrlich – ernsthaft?

„Kinder brauchen keinen Fernseher“

Dem stimme ich zu. Genauso wie niemand einen Fernseher braucht. Oder ein Handy. Bücher, Zeitschriften, Schokolade, Kaffee, Deko, Stühle, Toiletten, Möbel, Spielzeug…

Das sind alles Luxusartikel. Kein Mensch braucht sowas. Wieso besitzen wir sie dann?

Weil wir es können – und weil wir es wollen.

Wenn ich nicht möchte, dass mein Kind irgendwelche Strahlen abbekommt – dann kaufe ich solche Sachen nicht. Denn eigentlich ist es ziemlich egal ob ich mein Kind mit 2 Jahren Fernsehen lasse oder mit 15. die Strahlen oder die Kinderseelen-stehlenden-Aliens werden so oder so auf den Menschen treffen.

Was also tun? Fernseher steht nun also im Wohnzimmer, darf aber nicht benutzt werden – ziemlich beknackt eigentlich. Wieso kaufe ich Sachen, die niemand – außer natürlich die Erwachsenen – benutzen darf?

Klar, es gibt Sachen, die dürfen auch meine Kinder nicht haben. Rasierer zum Beispiel.

Auch selbstbestimmtes Fernseh gucken klappt bei unter Dreijährigen (ich weiß ehrlich nicht mal wieso die Zahl drei?! Ist das Kind ab da urplötzlich irgendwie fähiger ? Mehr Mensch?)

Es ist jedem selbst zu überlassen ob man dem Kind Selbstbestimmtheit zugesteht oder nicht. Aber seht das Kind doch nicht als inkompetent und „auf jeden Fall verdummt“ wenn es Fernsehen schauen darf!

Ein Kind hat einen Bewegungsdrang und will Sachen erforschen und will ganz sicher nicht nur vor der „Glotze“ hängen. Natürlich gibt es Menschen , die ‚parken‘ ihre Kinder vor den Tv damit sie ihre Ruhe haben und auch nichts unternehmen müssen – aber dass das nicht damit zu vergleichen ist, dass ein Kind sich selbstregulieren kann und neben dem Tv schauen noch zig andere Aktivitäten hat, ist doch hoffentlich klar.

Nicht die Selbstbestimmung ist unser Feind – sondern das mangelnde Vertrauen in unsere Kinder, weil wir (wahrscheinlich) selbst auch zu wenig Vertrauen von unseren Eltern bekommen haben.

Dies ist jetzt eher ein kleiner Rant gewesen – aber dennoch auch ein Appell an Eltern. Fernsehen ist genau der Luxus wie ein Bilderbuch oder (Plastik) Spielsachen – jeder muss für sich entscheiden, was er seinen Kindern geben oder nicht geben möchte.

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