„Nimm mich ernst!“ Und warum es wichtig ist, dass du dein Kind IMMER ernst nimmst.

Jeder hat mal Streit , denke ich. Mal mehr , mal weniger. Mal ruhiger , mal richtig laut.
Letzte Woche hatte ich Streit – und daraufhin totalen Kontakt Abbruch meinerseits.

Ich konnte es nicht mehr ertragen – bei jedem Besuch wurden meine Kinder erzogen. Und das nicht von mir – wir leben ja Unerzogen.

Das viele (vor allem in meiner Familie/Umgebung) diese Art mit Kindern zu leben nicht kennen und sich vielleicht schwer tun dies zu akzeptieren, finde ich in Ordnung – dennoch hat bisher niemand , bis auf diese Person, versucht sich dauerhaft über mich zu stellen und meine Kinder zu erziehen.

Als es dann letzten Endes so kam, dass schon nach zwei Minuten meine Tochter angeschnauzt wurde, weil diese bei Regen lieber ihre Crocs anziehen wollte als „wettergerechte Schuhe“ und ihre Strumpfhose doch nicht tragen wollte – da bin ich dann dezent (okay, es war eher Explosionsartig) ausgerastet.

Ja, ich bin eine junge Mutter – und ja , ich mache es anders, aber trotzdem wurde ich bisher von allen ernst genommen und es wurde akzeptiert!

Nimm dein Kind von Anfang an ernst – denn es gibt kein FSK ab wann dein Kind es verdient hat so zu behandelt werden!

Wenn ich höre, dass das Schreien eines Kindes runter gespielt wird, ignoriert wird, lächerlich gemacht oder mit den Worten „Der trotzt nur!“ schlecht gemacht wird – da stellen sich mir die Nackenhaare auf.

Auch mir schleichen sich manchmal Gedanken ein wie „Ist doch nichts los – können sie nicht mal aufhören zu heulen jetzt?!“ – doch es gibt immer einen Grund, und sei es der nicht-erfüllte Wille.

Und da braucht es keinen unempathischen Erwachsenen , der sich dann noch lächerlich über mich macht und sein eigenes Gewissen vor anderen reinwaschen will. (Nein, es ist nicht cool, und die Erziehung schlägt auch nicht an, wenn das Kind in einem völlig verzweifelten Wutanfall steckt und ich es komplett ignoriere oder meine Machtkeule raushole und mein Kind dann noch zusätzlich kränke und das Vertrauen zu ihm schädige!)

Es ist anstrengend, ja. Verdammt anstrengend sogar.

Als Mutter zweier Kleinkinder weiß ich, dass es echt anstrengend sein kann, bei jedem Wehwehchen oder bei jeder Unstimmigkeit die Nerven zu bewahren und bedürfnisorientiert zu handeln. Achtsamkeit muss gelernt werden – ist natürlich schwer, wenn man selbst in der eigenen Kindheit nicht achtsam behandelt wurde.

Warum ich ausgerastet bin

Diese ganze angestaute Wut kam in mir hoch.
Die Löwin , die ihre Kinder verteidigen will.

Das Kind, welches nicht gehört und nicht ernst genommen wurde.
Das Kind, welches der Macht der Eltern unterworfen war.
Das Kind, welches nicht entscheiden durfte.

Die ganze Wut aus meiner Kindheit, die ich nicht ausleben durfte, bei der ich nicht begleitet wurde kam hoch.
Ich sah mich , als schutzloses , zweijähriges Mädchen vor mir. Die keine Wahl hat. Die weinend und völlig verzweifelt da vor mir sitzt – meine Kindheit zu durchlaufen hat.

Ich bin ausgerastet – weil ich es konnte. Und weil ich es wollte.
Weil ich nicht wollte, dass jemand so mit meinem kleinen-Ich redet.

Niemand, der mir als erwachsene Frau zu sagen hat, dass ich mich nicht so anstellen soll – und selbst wenn, das wäre mir egal gewesen.

Weil es egal ist was andere denken

Es ist völlig egal was andere denken könnten. Sie denken es doch sowieso. Vielleicht denken sie ja auch was völlig anderes.

Es geht hier nicht um dich, deine Erziehung oder die Gedanken oder das Getuschel von fremden Leuten.
Es geht um einen Menschen, der es verdient hat ernst genommen zu werden. Der Begleitung in seiner Trauer oder Wut möchte – genauso wie du mitlachst, wenn dein Kind lacht.
Es geht darum, dass jeder Mensch es verdient hat ernst genommen und akzeptiert zu werden – egal ob du sein Verhalten gerade lächerlich findest oder nicht. Denn nicht das Verhalten ist lächerlich, sondern dein Gedanke, dass es lächerlich sei. 

Niemand in Not ist lächerlich, sondern dass wir nur daran denken, was andere von uns und unserer Erziehungsfähigkeit halten.

Das Kind in mir ist immer noch verletzt

Das wird auch kein Ausraster ändern können – auch wenn es wirklich gut tat.
Ich grenze mich ab von Leuten, die mich nicht wertschätzen und akzeptieren, dass ich nicht zu so einer -sorry- scheiß autoritären Mutter werde, die ihre eigenen Kinder nicht achtsam aufwachsen lassen kann, weil sie von ihrer eigenen Kindheit immer noch verletzt ist und so davon überzeugt ist, dass Gewalt und Macht das Nonplusultra seien.

Ich habe meine Kinder bekommen um sie bedingungslos zu lieben – und nicht um unsere Liebe an Bedingungen (Gehorsamkeit, etc) zu knüpfen. 
Ich habe sie bekommen, weil ich weiß, dass sie perfekt sind , so wie sie sind – und nicht erst perfekt sind, wenn ich sie so forme, wie ich sie haben will.

„Eure Kinder sind nicht eure Kinder.
Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber.
Sie kommen durch euch, aber nicht von euch,
Und obwohl sie mit euch sind, gehören sie euch doch nicht.
Ihr dürft ihnen eure Liebe geben, aber nicht eure Gedanken,
Denn sie haben ihre eigenen Gedanken.
Ihr dürft ihren Körpern ein Haus geben, aber nicht ihren Seelen,
Denn ihre Seelen wohnen im Haus von morgen, das ihr nicht besuchen könnt, nicht einmal in euren Träumen.
Ihr dürft euch bemühen, wie sie zu sein, aber versucht nicht, sie euch ähnlich zu machen.
Denn das Leben läuft nicht rückwärts, noch verweilt es im Gestern.
Ihr seid die Bogen, von denen eure Kinder als lebende Pfeile ausgeschickt werden.
Der Schütze sieht das Ziel auf dem Pfad der Unendlichkeit,
und Er spannt euch mit Seiner Macht, damit seine Pfeile schnell und weit fliegen.
Laßt euren Bogen von der Hand des Schützen auf Freude gerichtet sein;
Denn so wie Er den Pfeil liebt, der fliegt, so liebt er auch den Bogen, der fest ist.

Khalil Gibran, arabischer Dichter, 1883-1931″ (Quelle)

Nehmt euer inneres Kind ernst

Ihr hättet euch sicher gewünscht, dass eure Eltern achtsam und empathisch reagiert hätten, als ihr in Not wart – dann seht euer eigenes inneres Kind neben eurem wütendem Kind sitzen.
Es spricht ganz leise und einfühlsam mit eurem Kind, sagt, dass es in Ordnung ist wütend zu sein.
Und das Mama und Papa es gleich trösten und beruhigen werden und ihnen egal ist was andere denken, denn das was wirklich zählt, ist dass euer Kind die nötige Begleitung bekommt und nicht, was andere von euch und eurem Kind halten.

Ich habe kein Kind bekommen um dann von Fremden beurteilt zu werden, als wären sie die „Jury of Life„.

2 Kommentare

  1. Danke für diesen Text! Nach meiner gestrigen heftigen Auseinandersetzung mit der Schwiegermutter zu genau diesem Thema tut es richtig gut dass was ich fühle in geschriebenen Worten zu lesen. Normalerweise kann ich sehr gut mit den „angriffen“ auf unsere Art zu leben umgehen, nach dem satz „du musst aber jetzt schon mal deine Wutausbrüche unter Kontrolle bringen und dich zusammenreißen“ in Richtung meiner 3-jährigen Tochter ist mir der geduldsfaden gerissen. Ich finde mich in dem Text „leider“ komplett wider, ganz schön traurig dass es so viele unempathische Menschen gibt!

  2. Liebe Lisa,

    ein sehr schöner Text! Ich musste mich Gott sei Dank noch nie streiten, kurze Kommentare meinerseits reichen meist, um Diskussionen zu beenden, wenn es darum geht ob überhaupt und wie ich die Kinder erziehe oder warum es denn jetzt keine Konsequenzen gibt für dies und jenes … na ja, geht mir auch sozusagen am Popsch vorbei… Am meisten disskutiere ich wenn überhaupt mit meinem Mann, der dazu neigt, zusammenhanglose Konsequenzen auszusprechen. Dass Kinder das überhaupt nicht verstehen merkt man dann daran, wenn sie solche „wenn – dann“ Aussagen auch mir gegenüber verwenden. Und ich gebe dir recht – ich lerne es gerade erst und es ist schwer udn anstrengend. Viel schwerer, als auszurasten (ausrasten ist so einfach).
    Ich wollte noch etwas anmerken zu deinem letzten Absatz, weil mich das beschäftigt: ich bin mir ziemlich sicher, meine Mama hat nicht unbedingt in erster Linie bedürfnisorientiert gehandelt (natürlich schon ein bisschen, aber sicher nicht in dem Sinn, wie wir es jetzt verstehen) und definitiv nicht unerzogen. Trotzdem hatte ich niemals das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden oder nicht verstanden zu sein. Ich würde das deshalb nicht unbedingt über einen Kamm scheren. Sie kannte es nur so und man muß auch sagen, die Generation meiner Eltern hat sich nicht so viel mit der Beziehung zu Kindern beschäftigt wie wir heute. Sie haben es einfach gemacht, wie sie es kannten und für gut befunden haben und so lange es mir als Kind damit gut gegangen ist … weißt du, worauf ich hinaus will? Ich denke nicht daran, dass ich mir gewünscht hätte, besser verstanden zu werden, ich hab mich verstanden gefühlt, auch wenn ich erzogen wurde. Es hat mir nicht geschadet, so weit ich das jetzt beurteilen kann, versuche es aber mit meinen Kindern trotzdem anders zu machen. Es ist einfach ein anderer Weg und ich würde meiner Mama nicht sagen. Hättest es mal besser so gemacht …“

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