„Nun probier doch mal!“ – warum zwanghaftes Essen schädlich ist.

Oft lese ich von aufgebrachten Eltern, die nicht wissen, was sie noch alles mit ihren Kindern machen sollen, weil diese nicht mehr Essen bzw Essen probieren wollen.

Kinder , die die Arme vor der Brust verschränken und heftig mit dem Kopf schütteln und einfach nicht das Stück Lebertran probieren wollen – wie können sie bloß?!

Doch ich sage: Gebt den Kindern Zeit! Sie werden sicher nicht dem Hungerstod verfallen, weil sie nur das essen wollen, was sie kennen bzw das was ihnen zur Zeit schmeckt und gut tut!

Urinstinkt: Süß = Ungefährlich!

Der Urinstinkt eines Mensches ist, dass bitter schmeckende Sachen (meistens) giftig und daher gefährlich sind – gut sehen kann man das an Medikamenten, welche sehr bitter schmecken und daher nur auf ärztlichen Rat zu nehmen sind.

Von Natur aus greifen wir – und vor allem Kinder – daher zu süßen Speisen, wie Bananen, Äpfel etc. 

Einige schreien hier sicherlich auf : Mein Kind würde sich dann aber den ganzen Tag von Süßigkeiten ernähren, würde ich es lassen!

Und ich sage: SELBST SCHULD! Wenn ich Zuhause Süßigkeiten habe, dann sind sie da um gegessen zu werden und nicht um angestarrt zu werden bis der Speichel den Fußboden berührt hat. Wenn ich nicht möchte, dass meine Kinder jegliche Süßigkeiten essen, dann habe ich dafür die Verantwortung, dass es keinerlei Süßigkeiten zuhause habe und es das auch sonst nirgendswo bekommt – und ich muss für mich selbst abklären: möchte ich gänzlich ohne Süßigkeiten leben? Kann ich das mit mir und meinem Gewissen vereinbaren oder will ich selber schon noch Süßigkeiten essen , aber mein Kind soll es erst mit Alter XY ? Warum erlaube ich es mir selbst und meinem Kind erst, wenn es Alter XY erreicht hat?

Also: IHR tragt die Verantwortung für ALLES was euch und eure Kinder betrifft – wenn ihr Süßigkeiten zu Hause habt, dann fragt euch wirklich, ob diese Sachen nur dazu da sind um an bestimmten Tagen gegessen zu werden, nur zu Deko zwecken gekauft werden oder ob sie da sind um gegessen zu werden.

Der Mensch holt sich, was er braucht

Der Mensch holt sich das, was er gerade braucht.

Besteht irgendwo ein Mangel, dann sendet der Körper ‚Signale‘ und der Mensch isst ganz intuitiv das, wonach der Körper gerade verlangt. 

Ich hatte nach meiner zweiten Geburt einen Eisenmangel, nichts dramatisches und dieser Mangel tritt sicherlich bei vielen Menschen (unbemerkt) auf.
Auch ich wusste nichts von diesem Mangel, verspürte aber den Dran nach (rotem) Fleisch – dabei bin ich kein großartiger Fleischesser. Nur hin und wieder, wenn mein Körper danach verlangt – und das ist ziemlich selten geworden.

Nachdem ich mein ‚merkwürdiges‘ Essverhalten bemerkt hatte, ging ich zum Arzt, wo ziemlich schnell feststand, dass ich einen Eisenmangel hatte – mein Körper signalisierte mir also, dass ich meinen Eisenvorrat aufbessern musste, da ich einen Mangel hatte.

Und auch Kinder wissen schon ganz genau was sie brauchen – gerade brauchen sie vielleicht einfach nur Salami, Gurke und Bananen. Auch das wird sich ändern , aber es ist in Ordnung, da wir nun wissen, dass ihr Körper wahrscheinlich in einem bemerkenswertem Schub steckt, wo er genau diese Sachen mit den ‚besonderen‘ Nährstoffen braucht. 

Akzeptanz & Toleranz

Immer wieder lese ich in (Mütter-)Gruppen, in denen gerade diskutiert wird, dass sie doch bitte andere Meinungen akzeptieren sollen.

Schön und gut – sehe ich genau so.

Doch wieso sind wir dann der Annahme, dass es in Ordnung ist, unseren eigenen Kindern unsere Meinung aufzudrücken? Das wir ihnen sagen: DAS isst du jetzt, DAS schmeckt gut.

Wenn unser Kind den Anblick des Essens widerlich findet, dann ist das so, daran wird sich auch nichts ändern, nur weil wir wissen, dass es eventuell lecker ist.

Ich esse keine Wurst und auch Käse nur in sehr geringen Mengen – ich mag es nicht und mochte es noch nie. Es riecht für mich nicht sehr lecker , sieht auch nicht sehr ansprechend aus.

Meine Kinder essen trotzdem diese Sachen – ich habe weder gesagt „Bah, das schmeckt doch nicht“ noch „Mhmmm ist das aber leeeeecker!“ . Wir haben es auf den Tisch gestellt und jeder darf sich das nehmen, was er/sie möchte.

Unsere Kinder haben das Recht, sich ganz selbstbestimmt und selbständig eine eigene Meinung zu bilden – und das ohne jeglichen Zwang zum probieren, „weil sie es ja erst probieren müssen um sich eine Meinung zu bilden“ – so ein Quatsch!

Essstörungen durch zwanghaftes Essen

„Du isst das gefälligst auf“

„Probier doch mal“

„Nur noch dieser Löffel!“

„Du hast dir das auf den Teller getan, also isst du das auch auf!“

Ich habe noch unendlich viele solcher ähnlichen Sätze – und all diese tagtäglichen Floskeln, die unsere Kinder hören und zu spüren bekommen, wirken sich auf ihr Essverhalten und somit auch auf ihre Zukunft aus.

Viele nun Erwachsene-Kinder leiden unter einer Essstörung – sie haben kein richtiges Sättigungsgefühl, da ihnen dieses abtrainiert wurde, indem sie zum aufessen gezwungen wurden.

Oder sie essen nur ‚ausgewähltes‘ Essen und meiden jegliche Sachen, zu denen sie gezwungen worden sind, sie zu essen.

Ich kann jeden verstehen, der sagt „Ich möchte aber kein Essen verschwenden.“ – aber wirklich? Auf diese Weise?

Es gibt die Alternative es selbst zu essen oder später am Tag oder sogar am nächsten Tag noch zu essen.

Fazit

Niemand isst gerne das, wozu er gezwungen wird. Wir essen am liebsten das, was uns schmeckt und respektieren auch die Geschmäcker von anderen – uns nahe stehenden – Personen. Fangen wir an, unseren Kindern dieses Recht auch einzugestehen.

Geschmäcker sind anders und das nicht nur unter Erwachsenen. 

Zwingen ist Gewalt und Gewalt ist abartig, seien wir mal ganz ehrlich.

Abschlussfrage an euch:

Würdet ihr Känguru Hoden oder Froschschenkel probieren, nur weil es andere es als Delikatesse finden? Und würdet ihr dann zu euren Kinder sagen ‚Hmmm lecker‘ , nur damit sie auch mal probieren? Oder möchtet ihr doch gerne selbst entscheiden, was ihr probiert? 🙂

 

Eure Lisa

 

 

 

10 Kommentare

  1. Oft muss man gar nicht warten, bis die Kinder erwachsen sind. Ich sehe schon im Alter meines Sohnes (15 Monate) Kinder, die „schlechte Esser“ sind, weil die Mütter sie so stressen mit diesem Thema.

    Ich denke wie du, dass es das Beste ist, den Kindern einfach Zeit zu geben und selbst entscheiden zu lassen, wann sie wieviel wovon essen möchten.

    1. Meine Tochter ist auch eine schlechte Esserin und das ganz ohne Druck – das sind halt auch alles Phasen, natürlich wird sowas verstärkt durch die Reaktion der Eltern.

      Doch vor allem im Jugendlichem und erwachsenen Alter zeigen sich die Auswirkungen dieses Zwangs.

    2. Ja, toll, man ist natürlich als Mutter selbst schuld, wenn das Kind schlecht isst, danke das tut gut! Ich hab solche Artikel schon gelesen als wir noch lange nicht mit Beikost angefangen haben und hab mich an alles gehalten: Stillen nach Bedarf, kein Zwang, kein hier kommt das Flugzeug o.Ä., Fingerfood, freie Auswahl, kein Ziel Mahlzeiten zu ersetzen… Und was habe ich? Eine sehr dünne Eineinhalbjährige, die immer noch zum grössten Teil gestillt wird, kaum Interesse hat, richtig zu essen und nur sehr wenige Lebensmittel überhaupt isst. Hier und da mal an was rumknabbern ist ok, ansonsten will sie Tag und Nacht an die Brust. Und bei uns gibt es immer frisch Gekochtes und viel Obst und Gemüse. Aber irgendeinen Fehler muss ich wohl gemacht haben und dass ich nach 17 Monaten Dauerstillen etwas fertig bin und mir wünsche, dass mein Kind mehr isst – so ein furchtbarer Stress.

  2. Liebe Lisa, im Großen und Ganzen gebe ich dir absolut Recht, möchte aber anmerken, dass es nicht zwangsläufig so ist, dass „der Mensch sich holt, was er braucht“.
    Denn man muss die Signale des Körpers auch wahrnehmen KÖNNEN und das ist gerade bei unserem permanenten Überangebot von Nahrungsmitteln für viele nicht (mehr) so leicht.
    Viele Grüße,
    Britta

  3. Liebe Lisa, ich stimme Deinem Artikel größtenteils zu. Sehe aber heutzutage ein wenig das Problem, dass die Geschmäcker der Menschen (nicht nur der Kinder) „versaut“ werden durch Süßkram mit Aroma und diversen Inhaltsstoffen, die kein Mensch aussprechen kann (und somit auch nicht essen sollte). Den meisten ist doch der natürliche Geschmack abhanden gekommen und je mehr dann Weissmehlprodukte in sich reingestopft werden, desto mehr verlangt der Körper danach wieder nach Zucker. Obwohl er den sicherlich in dem Moment nicht braucht.
    Süßigkeiten gibts bei uns daheim zum Beispiel einfach nicht und ich esse auch keine. Wir essen mal welche, wenn wir irgendwo eingeladen sind und dann darf es mein Kind selbstverständlich auch essen. Ansonsten versuche ich daheim mit gesunden Alternativen zu arbeiten. Habe letztens selber Nuss-Nougat-Creme hergestellt aus gesunden natürlichen Zutaten und meine Kleine liebt die. Und die darf Sie auch essen. Das ganze andere Zeug, was nur den natürlichen Geschmack verdirbt, kommt mir nicht mehr ins Haus.

    1. Ja darum geht es auch eigentlich gar nicht. Ich finde , dass Kinder halt die Chance haben dürfen, zu entscheiden ob sie nun die Avocado oder die Nutella essen wollen. Und nichts probieren müssen.

      Was derjenige Zuhause hat, geht mich ja nichts an – natürlich bin ich für eine gesunde und ausgewogene Ernährung , aber ich bin auch dafür, das Kinder nicht probieren müssen, denn das tun sie irgendwann von selbst .

  4. Liebe Lisa, du sprichst mir aus der Seele. Leider wird das in der Kita anders gesehen. „probier doch mal. Jeder muss zumindest ein Mal probieren.“Ich habe dort ausdrücklich drauf bestanden, dass meine Tochter nicht probieren und nicht essen muss, wenn sie nicht möchte. Ich hoffe, dass sich alle dran halten. Sicher bin ich mir aber nicht. Druck ist immer schlecht. Und ein „probier doch mal“ ist für mich ein latenter zwang. In diesem Sinne…frohe weihnachten 🙂

    1. Hallo liebe Grit,
      Kann dir deine Tochter sagen, ob sie probieren muss? Ich finde es auch sehr schade, dass Kinder in Kitas dem Essenszwang ausgeliefert sind. Hoffentlich bessert es sich!

      Liebe Grüße
      Lisa

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