Über das Müssen & Sollen und warum Mögen viel wichtiger ist.

In den letzten Tagen (und auch durch ein langes Gespräch mit einer Freundin) habe ich viel über das ‚müssen‚ und ‚sollen‚ in unserer Kommunikation und unseren Anforderungen und Erwartungen an andere Menschen nachgedacht.

Wer hat denn nicht schon einmal den Satz „Ja, da muss man dann halt mal durch.“ oder auch „Weil man das halt muss.“ gehört?

Noch immer bin ich auf der Suche nach ‚man‚ – wer soll das denn sein? Die Gesellschaft?

Aber ist nicht jeder Mensch individuell und somit sollte doch gar nicht verallgemeinert werden. Was für den einen gut ist, ist für einen anderen vielleicht sehr schädlich.

Lernen ist ein Muss?!

Kinder lernen von Natur aus gerne – und sehr viel.

Kinder lernen sitzen, krabbeln, laufen, sprechen. Und wisst ihr was? Das ganz ohne unsere Hilfe – niemand der sagt „Mensch, du mit deinen zwei Monaten sollst jetzt endlich laufen!

Aber wieso sagt das niemand? Weil wir wissen, dass dieser kleine Mensch es in einiger Zeit von selbst lernen wird. Weil ein Mensch sich weiterentwickelt.

Letztens wurde gesagt, dass meine Kinder doch lernen müssen, dass sie keine Angst vor Hunden haben brauchen.

Nur so unter uns – meine Kinder sind beide unter einem Meter groß, nun stellt euch mal vor, es kommt ein zwei Meter Hund bellend auf euch zu gerannt. Hättet ihr Angst? ICH JA!

Und genau so ist es natürlich auch für Kinder – und durch diese negative Erfahrung (bzw die Angst vor bellenden, großen Hunden) bezieht sich dann auf jegliche bellende Hunde. Lautes Bellen soll ja auch gefährlich klingen. Also ist die Reaktion unserer Kinder doch genau richtig!

Es scheint gefährlich zu sein/werden, also fangen sie an zu weinen und laufen zu uns Eltern – denn sie vertrauen uns, dass wir sie beschützen.

Natürlich gibt es die bravsten Hunde – doch muss mein Kind von vornherein wissen, dass Hund 1 friedlich ist und Hund 2 gerne kleine Kinder beißt?

Geduld und Vertrauen – irgendwann werden meine Kinder Hunde mögen. Irgendwann, wenn sie durch all mein Vertrauen , selbst Vertrauen aufbauen können – nämlich zu einem Tier. (Wahlweise könnt ihr hier auch eine andere Person einfügen – denn ist es nicht auch oft in Familien so , dass gesagt wird „XY muss nun aber auch mal lernen, bei jemand anderem auf dem Arm zu sein!“ ?)

Kinder lernen gerne

Eigentlich ist die Überschrift nur die halbe Wahrheit.

‚Menschen lernen gerne‘ – ist doch so, oder nicht?

Erinnert ihr euch noch an eure Schulzeit? Meistens gab es vier bis fünf absolute Hassfächer, doch ein kleines Fach hat sich zu eurem Lieblingsfach entpuppt.

Ihr hattet Spaß in diesem Fach, konntet euch zu diesen Themen Sachen wie durch Zauberhand merken und brauchtet einfach nie dafür lernen.

Seht ihr nun eine Verbindung dazwischen, dass vieles vergessen wird, weil der Mensch lernen musste und das ein Mensch mit viel Spaß, Freude, Leichtigkeit und Engagement freiwillig lernt?

Warum muss ich, wenn ich nicht will?

Viele schreien jetzt „einige Sachen müssen halt sein!“ – Ja zum Beispiel ‚muss‚ ich auf die Toilette , doch könnte ich genauso sagen, dass ich auf die Toilette möchte, weil ich mich entleeren möchte.

Solche Beispiele lese ich immer und immer wieder in hitzigen Diskussionen zwischen erziehenden und unerzogenen Eltern.

Die Sache mit dem Muss.

Es gibt unglaublich viele Dinge, die (vor allem) Kinder angeblich machen müssen und sollen :

  • Früh durchschlafen
  • Ordentlich sein
  • Immer ‚ordnungsgemäß‘ angezogen sein 
  • Gehorchen
  • Nicht widersprechen 
  • Am besten keinen eigenen Willen haben
  • Leise sein
  • Es gibt noch unendlich viele Sachen ..

Was muss ich wirklich und was kann ich eigentlich in meinem Leben alles selbstbestimmt machen, wenn doch eigentlich alles ein muss ist?

Ich kann mir doch mein Leben so gestalten , wie ich es möchte – solange ich dafür keine anderen Menschen bzw Lebewesen gefährde.

Es gibt zu allem eine Alternative um sich das Leben zu schaffen, dass man gerne führen möchte und nicht, welches man führen soll.

Ich möchte ein Leben führen, welches sich für mich lohnt zu leben. Welches mich glücklich macht (und meine Kinder natürlich auch). Ich lebe nicht dafür, um andere glücklich zu machen . Ich lebe nicht, um mich allen und allem anzupassen. Ich lebe um der Mensch zu sein, der ich sein möchte. 

Und genauso wie ich nicht möchte, dass mir jemand sagt , was ich machen soll und muss , versuche ich genauso zu anderen zu sein. 

Es ist ein langer Prozess , viele alte Glaubenssätze und eine Menge Selbstreflexion. Doch dieser Prozess verschafft meinen Kindern und mir ein Leben, mit welchem wir glücklich sind. Frei. Ohne müssen und sollen – sondern leben wollen.
Wie seht ihr das? 

Eure Lisa

 

 

4 Kommentare

  1. Liebe Lisa, muss ist tatsächlich ein sehr negativ belastetes Wort und gerade im Hinblick auf die Entwicklung eines Kindes völlig fehl am Platz. Jedes Kind entwickelt sich in seinem Tempo und auf seine Weise und das ist auch gut so.
    Ein paar schöne Gedanken hast du dir da gemacht.
    Liebe Grüße, Sabrina

  2. Liebe Lisa,

    Danke! Dieser Beitrag von dir hat mich mal wieder sehr zum Nachdenken angeregt und spontan fällt mir dazu ein wichtiger Grundsatz im Wicca ein: „Solange es niemandem schadet, tu was du willst“ (An ye harm none do as ye will).

    Liebe Grüß
    Ella

  3. Ich lese mich gerade quer durch deinen Blog und er erinnert mich an all die Sachen, die ich so gerne mit meinen Kindern genauso machen würde. Leider schaffe ich es nur bei einem Bruchteil das zu leben, wovon ich wirklich überzeugt bin. Die eigene Erziehung ist vermutlich der Grund, warum ich so oft nicht aus meiner Haut kann, gepaart mit fehlender Unterstützung durch den Partner. Ich bin froh, erinnern mich deine Beiträge daran, wo ich gern hin möchte mit meinen Kindern. 🙂

  4. Hi ich habe nun deine vielend Artikel gelesen und bin wieder auf dem Weg zu meiner inneren Stärke.
    Man muss dazu sagen, dass man nicht immer „korrekt“ dem Kind gegenüber handeln kann. Es gibt Situationen, da bricht gelerntes Verhalten durch. Und gerade, wenn man als Mutter von zwei kleinen Kindern in einer Situation ist, die ein paar Tage Reflektion braucht, während Kind 1 eine große Phase durchlebt und Kind 2 einen immensen Stilldurst hat…dann kommt man vielleicht nicht umhin, auch mal Grenzen durchzusetzen. Wir werden daran wachsen und nicht kaputt gehen. Die Basis sollte bestenfalls immer bedürfnisorientiert und Respektvoll sein. Und man sollte bestenfalls dem Kind kommunizieren, warum das jetzt alles gerade so schwierig ist.
    Und als Mutter sollte man unbedingt immer in sich hineinhören und hinterfragen und an dem Weg festhalten. Aber nicht jeder Trotztag ist vermeidbar. Und auch ich musste meine große schon mal fest am Arm packen…Sonst wäre sie in ihrer Phase über die Straße gesaust und womöglich nicht mehr hier.

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