Kleinigkeiten, die einen aus der Fassung bringen

Über meinen Blog und auch Twitter und Facebook, lerne ich viele neue, wunderbare Menschen kennen.
Und was ich dazu gelernt habe: Jeder hat so sein Päckchen zu tragen.
So auch Sophia. Sie ist Zweifach Mama, doch ihren ersten Sohn, trägt sie tief im Herzen.

Sie ist Mutter eines Sternenkindes. 

Ungerechtigkeit, Ohnmacht, Trauer, Wut, Fassungslosigkeit – ich könnte noch viele weitere Gefühle aufschreiben, die sie erlebt hat.

Sophia hat mir viel erzählt, auch , wie sie mit der ganzen Situation umgegangen ist. Wie sie jetzt fühlt.
Sie hat einen tollen Text geschrieben, über eine Begegnung . Einer Begegnung, in der eigentlich sie diejenige sein wollte, die hilft.

Liebe Sophia – ich danke dir von ganzem Herzen für deinen Text. <3


Kleinigkeiten, die einen aus der Fassung bringen

Neulich unterhielt ich mich mit einer Mama vom Friedhof. Unsere Babies sind auf demselben Grabfeld beerdigt.

Bei ihr ist es noch nicht lange her, dass sie ihre Tochter gehen lassen musste, während mein Sohn nun schon seit 3 1⁄2 Jahren tot ist. Ich wollte ihr helfen, wollte mir ihre Geschichte anhören. Es ist so wohltuend, wenn jemand einfach nur zuhört. Sie wollte auch wissen, wie es bei uns damals war.

Kleinigkeiten

Am Anfang, kurz nachdem mein Sohn gestorben ist, konnte ich seinen Namen nicht sagen, ohne in Tränen auszubrechen.
Es tat so gut, unsere Geschichte erzählen zu dürfen, aber gleichzeitig so weh.
Ich musste sie immer wieder erzählen, mir alles von der Seele reden. Hunderte Male habe ich unsere Geschichte erzählt.
So oft, dass nun schon lange keine Tränen mehr kommen.

Das muss auf Menschen, die mich noch nicht so gut kennen, sicher befremdlich wirken. Früher hätte ich das selbst nicht von mir gedacht. Doch heute denke ich meist an die Zeit, die schön war.

Ich rede viel mit ihm und über ihn und er ist ein fester Teil unserer Familie. Ich würde sagen, dass ich einen guten Weg gefunden habe, mit seinem Tod umzugehen.
Stabil ist das Wort, mit dem ich mich heute die meiste Zeit beschreiben würde. Ich finde es schön, wenn ich anderen betroffenen Eltern eine Stütze in dieser schweren Zeit sein kann.

Die „neue“ Mama und ich unterhielten uns nun also schon eine ganze Weile und dann völlig unvorbereitet traf es mich doch. Wir sprachen gerade über die Sachen, die unsere Babies bei der Beerdigung trugen und auf einmal war ich wieder mittendrin in diesem Albtraum.

Ich stehe in der Kapelle vor dem Sarg meines Sohnes und fühle mich, als würde sich direkt unter meinen Füßen die Hölle auftun. Ich weinte und schluchzte und musste mich setzen, bevor mir die Knie versagten. Nach 5 Minuten ging es wieder.

Von wegen „stabil“ .
Ich fühlte mich fürchterlich. Ich wollte ihr Trost spenden und nun musste sie mich trösten.

Es ist merkwürdig, was „Kleinigkeiten“ auslösen kennen.
Viele meiner Trigger kenne ich natürlich, bestimmte Lieder zum Beispiel. Wenn plötzlich beim einkaufen ein Lied im Radio läuft, das ich während der Schwangerschaft mit ihm häufig gehört habe, fange ich jedes Mal an zu weinen.
Dann gibt es natürlich noch diese bestimmten Tage im Jahr. Muttertag, Weihnachten, sein Geburtstag oder der Tag der Beerdigung. Dann holt mich alles wieder ein und das ist auch okay. Doch so vorhersehbar ist es eben nicht immer…

Liebe Sternenmama, wenn du dich hier im Text wieder erkennst, ich wollte dir keine Angst machen.
Ja, diese Momente tiefer Traurigkeit und Verzweiflung gibt es und wird es vermutlich für den Rest deines Lebens geben, das hört nicht einfach irgendwann auf. Aber die Abstände zwischen diesen Momenten werden größer werden, versprochen. Auch wenn dein Leben ein anderes sein wird als zuvor, wird es doch wieder lebenswert werden.

 

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