Kita oder Selbstbetreuung?

Ich bin schon lange am überlegen ob ich meine Kinder (mit drei Jahren) in die Kita bzw in den Kindergarten geben soll.

Nun als Alleinerziehende bleibt mir wahrscheinlich kaum was anderes übrig, außer ich schaffe es innerhalb von zwei Jahren mich selbstständig zu machen und uns alle damit versorgen zu können.

Das wäre natürlich ‚das Beste‘ und das, was ich mir wünschen würde – aber geht das ? Vor allem ’so schnell‘? Vielleicht hat da ja jemand Erfahrungen und mag mir dazu was berichten?

Selbst betreuen statt bereuen

Zur Zeit lese ich auch kaum positive Sachen über die Kita – vor allem der letzte Artikel bei Zeit.de hat mir Gänsehaut verpasst. Natürlich kann ich nicht von einer Kita auf alle schließen. Natürlich kann ich nicht sagen, dass alle Erzieher streng sind und sich nicht liebevoll um die dort zu betreuenden Kinder kümmern.

Doch, genau davor habe ich Angst. Ich selbst war Außenseiterin im Kindergarten , und nein, dass wünsche ich keinen (und insbesondere meinen) Kindern!

Ich möchte es nicht bereuen, ihren Alltag nicht mitzuerleben. Sie selbst zu betreuen scheint mir einfach am Besten schließlich müssen sie sich schon früh genug ‚abnarbeln‘ und zur Schule gehen und später ausziehen, ihr eigenes Leben führen und irgendwann stehen sie wahrscheinlich vor der selben schweren Entscheidung wie ich es jetzt tue.

Wo bleibt die Vereinbarkeit ?

Die habe ich zur Zeit nämlich nicht. Ich kann es nicht mit meinem Gewissen vereinbaren, meine Kinder abzugeben und Fremdbetreuen zu lassen.

Ich weiß, dass einige es nicht mögen, wenn man dazu -Fremd-betreuung sagt, denn das Kind hat dort Bezugspersonen und die Leute dem Kind nicht fremd – doch für mich bleibt die Erzieherin fremd. Ich kenne ihren Namen und ihren Beruf (und wenn ich Glück habe, dann weiß ich auch wie sie arbeitet) doch mehr bleibt mir verschlossen. 

Kita
Quelle pixabay.com

Ich gebe mein Kind also zu einer für mich fremden Person. Ich habe eine Blockade in meinem Kopf.

„Das geht einfach nicht!“ – denke ich mir.

Auch beruflich habe ich die Befürchtung , dass es nicht klappen wird. Also habe ich letzten Endes gar keine andere Wahl als sie ‚gegen meinen Willen‘ abzugeben und anderweitig betreuen zu lassen? Bei dem Gedanken daran wird mir schon schlecht. Wieso gibt es dafür keine andere Lösung? Wieso gibt es nur zwei Möglichkeiten – Fremdbetreuung oder Selbstständigkeit. Ja, aber Zweiteres ist ja eher heikel?

Ich komme nicht vor noch zurück – und doch rennt die Zeit weiter. Der erste und der zweite Geburtstag stehen an und ich habe noch keine Lösung für mein Dilemma gefunden.

Die Sache mit dem Sozialverhalten

Dann wird ja noch immer gesagt, dass das Sozialverhalten nur in einer Gruppe gestärkt wird – oder noch besser, ein Kind ohne Fremdbetreuung bekommt erst gar kein Sozialverhalten.

Sperren diese Leute ihre Kinder in dunkle räume ein und sehen niemals andere Menschen? Kann Sozialverhalten nur ‚erlernt‘ werden, wenn man sich in großen Gruppen von gleichaltrigen aufhält?

Was ist, wenn doch der Fall auftritt und man wird zum Außenseiter? Ist man dann unsozial, oder sind es die anderen Kinder?

Diese Gedanken lasse ich nicht zu! Denn ich weiß , dass ein Kind , welches im normalen Alltag Leute trifft, ein genauso gutes Sozialverhalten hat wie ein Kind, welches die Kita besucht.

Sonst wären ja alle Kinder unter drei Jahren – welche noch nicht die Kita besuchen – unsozial. Äh.. bitte?! Nein, definitiv nicht!

Auch meine Tochter spielt mit anderen Kindern – und das nicht gerade unsozial, sondern ganz normal!

Wie seht ihr das? Habt ihr auch solche Gedanken wie ich ? 

Eure Lisa

14 Kommentare

  1. Ich sehe das sehr ähnlich und habe fürchterliche Bauchschmerzen dabei, meine Kinder in eine Einrichtung zu geben. Aus sehr vielen unterschiedlichen Gründen. Zum Einen ist Bubba ja Hochsensibel und ohne dem Erzieherberuf zu nahe treten zu wollen, weiß ich, dass im alltäglichen Kita/Kiga-Trubel gar nicht die Zeit da ist, um auf seine Bedürfnisse einzugehen. Eine 45 Std Betreuung wird er niemals mitmachen (können), das würde ihm mehr schaden als alles andere. Bei D-Von habe ich ja direkt 2 Jahre Elternzeit genommen, werde also per se schon mal länger zuhause bleiben als bei Bubba damals. Und dann? Wir haben eine Tagesmutter, die wirklich wirklich ein absoluter Glücksfall ist. Sie ist sehr bedürfnisorientiert eingestellt. Aktuell geht Bubba einen Vormittag die Woche, optional einen zweiten. Wenn er Lust hat. Bis zum Ende der Elternzeit wird es dabei bleiben, dann ist er ja fast 3. Und eigentlich würde ich ihn am liebsten noch länger bei ihr lassen, aber sie hat Bedenken geäußert, da sie ja nur viel kleinere Kinder hat und sorge, er könne sich langweilen. So gehen die Kinder zwar einige Monate gemeinsam zur Tagesmutter, dann muss Bubba aber in einen Kiga, denn ich habe einen 20-Std-Vertrag und muss arbeiten gehen, das Gehalt meines Mannes trägt uns nicht alle. Ich weiß noch nicht wie das wird. Ich werde es sehen und reagieren. Jedenfalls ist klar, dass es keine Option sein wird, meine Kinder von irgendwem außer mir selbst betreuen zu lassen, wenn auch nur ein winziges Kriterium nicht th uns passt. Dann beantrage ich eher Sozialhilfe und gebe alles auf!

    1. Danke für diesen Kommentar ❤ Sozialhilfe ist halt so eine Sache… Die wollen dich auch schnell wieder loswerden. 🙁 hatte am Dienstag ein Gespräch , kann zwar jetzt noch bis August 2018 Zuhause bleiben, aber danach muss ich wohl wieder zu beratungsgesprächen und Jobs annehmen etc. Ich werde aber sowieso noch versuchen Fernschule zu machen. Vielleicht übernehmen die das ja und dann hab ich nochmal mehr Chancen auf irgendwas anderes. Keine Ahnung..

  2. Ich verstehe deine Gedanken gut und da ich Pädagogik studiert habe kenne ich beide Seiten. Es ist einfach eine sehr individuelle Frage. Fakt ist, wenn Kinder Zuhause gefördert werden (auch im Bereich Sozialkontakte knüpfen) kann diese intensive Betreuung natürlich durch keine Einrichtung gewährleistet werden. Für Kinder aus schwierigen familiären Verhältnissen sind Kita&Co. dagegen ein wahrer Segen. Aber auch zwischen diesen Extremen gibt es viel zu bedenken. Wenn ich in der PEKiP-Gruppe sehe wie begeistert mein Kind ist und wieviel die Kinder voneinander lernen, weiß ich, dass das gut für es ist. Wenn ich finanziell nicht abgesichert bin und mein Kind diese Sorgen und den Druck unter dem man steht spürt, ist auch das nicht ideal-ganz abgesehen vom wirtschaftlichen Aspekt.

    Ich habe Management studiert und kann dir definitiv sagen, dass eine Selbstständigkeit kein Zuckerschlecken ist-vor allem am Anfang. Wenn alles erstmal gut läuft kann man flexibel sein, aber am Anfang steht ein enormer Arbeitsaufwand und es ist mehr als schwierig nebenher ohne Unterstützung die Kinder zu betreuen. Außerdem muss dir klar sein, dass man nicht abgesichert ist – bist du länger krank und kannst nicht arbeiten bleibt das Geld aus. Selbstständigkeit kann genau das Richtige sein, aber auch der wirtschaftliche und organisatorische Todesstoß um es mal drastisch zu sagen.

    Ich werde arbeiten müssen wenn Julia zweieinhalb Jahre alt ist, dann kommt sie hier ins Kinderhaus. Das orientiert sich am Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplan, den ich aus pädagogischer Sicht sehr wertvoll finde und die Erzieherinnen sind sympathisch. Mir fällt der Gedanke schwer, aber ich weiß, dass meine Tochter in Gesellschaft anderer Kinder aufblüht und da ist wichtig zu sehen, dass sie nicht wir sind sondern eigene Persönlichkeiten. Versuche sie deine Unsicherheit nicht spüren zu lassen und mach dir klar, dass sich deine Geschichte nicht wiederholen muss. Vielleicht haben sie eine Menge Spaß! Und wenn nicht, kannst du immer noch einen anderen Weg gehen.

    Liebe Grüße!

  3. Hey Lisa 🙂

    Das mit dem Sozialverhalten sehe ich mittlerweile komplett anders als der Mainstream. Kennst du Gordon Neufeld? Von seinem Konzept bin ich absolut überzeugt. Sein Buch „Unsere Kinder brauchen uns“ hat mir echt die Augen geöffnet. Falls du ihn nicht kennst, schau mal auf you Tube, da gibt es ein paar Vorträge von ihm. Er sagt, das grundlegende Problem in unserer Gesellschaft ist die Gleichaltrigenorientierung, also dass die Kinder sich an ihre Peers mehr binden als die Eltern. Das kommt u.a. durch die frühe Frembetreuung und mangelnde Elternbindung (und weil die Elternbindung immer gefährdet wird durch Druck den man mit angedrohtem Entzug ausübt). Wir bereuen mittlerweile unsere Kids mit 1 Jahr in die KiTa gegeben zu haben.

    Wieso sollen Kinder in einer Gruppe von gleich alten und gleich (un)reifen Kindern reifes Verhalten lernen? Dazu brauchen sie ihnen zugewandte Erwachsene zu denen sie eine starke Bindung haben. Eine gute ErzieherIn kann das leisten, aber die Eltern sind sicher meistens besser als die besten Erzieher.

    Ich wünsche dir so sehr dass du deine Kids so lange wie möglich zu Hause betreuen kannst. Und wenn du in Irland wohnst kannst du ja auch Homeschoolen ;))

    Liebe Grüße aus Dublin

  4. Ich kann deine Gedanken sehr gut nachvollziehen, muss aber doch noch mal etwas zu dem Wort Fremdbetreut sagen.
    Ob du die Erzieher als Fremde ansiehst oder als jemanden den du kennst, liegt zum größten Teil an der Art der Einrichtung, die du wählst. Natürlich kann man nicht von Freunden sprechen, aber von Bekannten. Ich wage es durchaus zu behaupten, dass ich die Erzieherinnen von Carli kenne. Nicht so gut wie mich, meine Mama oder ihre Babysitterin, aber gut genug in ihrer Rolle als Erzieher. Das liegt aber auch daran, dass wir nun im 4. Monat der Eingewöhnung sind und sehr viel Zeit mit diesen Menschen bei ihrer Arbeit verbracht haben. Ich bin auch nicht immer mit allem d’accord, aber ich weiß, dass sie dort gut aufgehoben ist und ihre Bedürfnisse beachtet, geachtet und erfüllt werden.
    Ja. In einer Eingewöhnung in der die Eltern an Tag 3 nicht mehr in der Kita dabei sind, kann ich das gut verstehen. Aber! es gibt Ausnahmen bei denen man im Rahmen der Möglichkeiten das Optimum – auch an Kennenlernen – erreichen kann.
    Also nur Mut, die Suche kann sich auch lohnen. (Und unsere Kita ist keine ElternIni sondern eine von der Stadt mit besonderem Konzept)
    <3 Juli

    1. Ja, und hier gibt es wohl (soweit Ich es mitbekommen habe) sogar welche, da gibt’s keine eingewöhnung. Und dann gibt’s da auch kein Vertrauen von mir. Und dann kommen meine Kinder da sowieso nicht hin ? Teufelskreis 😀 aber danke für deinen Mutmacher :*

      1. Ohne Eingewöhnung würde ich keinen Fuß darein setzen. Das schreit ja nur danach, dass die was verbergen wollen!
        Und was wäre mit einer Tagesmutter? (Auch als Job für dich? )

        1. Ja, zurZeit bin ich voll ausgelastet mit meinen beiden – aber daran habe ich auch schon gedacht . Ich habe einfach kein Vertrauen 🙁 ICH brauche eine lange Eingewöhnung 😀

  5. Ich verstehe deine Gedanken. Ich bin selber Erzieherin und habe gesehen wie in Einrichtungen mit den Kindern umgegangen wird … Meines Erachtens habe ichvorallem in den Krippen erschreckende Dinge gesehen. Die Kinder standen durch die frühe Fremdbetreuung wahrnehmbar unter anhaltendem Stress.MancheKinder kamen damit besser klar, andere weniger. Die Gruppengrößen in Kindergärten und Krippen sind viel zu hoch ….
    Das war dann auch ein Grund warum ich als Tagesmutter anfing. Ich konnte mit meinem Sohn daheim bleiben und ihn in einer kleinen Gruppen mit 3 anderenKindern betreuen.

    Bald wird er 3 und dann geht er in den Kindergarten. Aber nicht mehr wie 4 bis 5 h am Tag …

  6. Hallo!
    Unsere kleine Tochter ist zwar noch nicht im Kindergartenalter, aber schon jetzt ist für uns klar, dass wir Femdbetreuung ablehnen. Allerdings verstehe ich deine finanziellen Sorgen sehr gut!
    Eine herkömmliche Form der Selbstständigkeit bedeutet einen enormen Arbeitsaufwand – aös Alleinerziehende kaum zu stemmen.
    Allerdings habe ich die wahrscheinlich familienkompatibelste Form der Selbstständigkeit die es gibt, wenn du magst kann ich dir ein paar Infos per Email o.ä zukommen lassen?

    Liebe Grüße,
    Rose

  7. Ja, so ist es nunmal in den meisten Familien – wir leben gerade das Prinzip „freiwillig arm“. 🙂 Es ist zwar nicht so leicht auf ein Minimum zurückzuschrauben, aber: die Zeit ist der Luxus der Kinder heutzutage… und den dürfen viele leider nicht mehr erleben. (Ob nun fremdbetreut oder nicht) An der familienkompatibelsten Form der Selbstständigkeit wäre ich daher auch durchaus interessiert! 🙂 ennaskcorb@web.de
    Liebe Grüße
    Anne

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