Wieso es bei uns keine Schlafenszeit gibt

Vor einiger Zeit habe ich schon über selbstbestimmtes Schlafen gehen geschrieben (hier und hier Gastbeitrag lesen).

Wir bringen also unsere Kinder ins (Familien-)Bett und begleiten sie in den Schlaf – manchmal möchte die Große noch gar nicht schlafen und steht dann öfters auf, vor allem dann, wenn ich noch im Badezimmer bin o.ä. .

Einmal sagte dann der Papa zur Großen „Es ist jetzt aber Schlafenszeit!“ – Hmm, Schlafenszeit? Was genau ist das bzw wann ist das?

Müsste dann nicht jeder Mensch , über all auf der Welt, um diese Uhrzeit ins Bett gehen? Gilt das nur für Kinder von X-Y Jahren? Wozu dient diese ‚Schlafenszeit‘? Will es uns Eltern den Rest des Tages erleichtern ?

Fragen über Fragen kamen in meinen Kopf.

Zuerst die Frage: Wann ist ‚Schlafenszeit‘?
Der Papa hat es zu einer unbestimmten Zeit gesagt. Es war nicht Punkt 18/19/20 Uhr.
Aufgefallen ist mir allerdings, dass in Familien wohl die gängige ‚Schlafenszeit‘ um 18 oder 19 Uhr liegt. Humane Zeit ist es auf jeden Fall – selbstbestimmt für das Kind , wenn es zu der Zeit jeden Tag ins Bett muss , eher nicht.

Muss nicht jeder Mensch zur ‚Schlafenszeit‘ schlafen oder nur Kinder?

Erstmal vorab: Nicht alle Menschen sind Kinder, aber alle Kinder sind Menschen. Partizipation sollte doch auch zwischen Kindern und Jugendlichen und Erwachsenen herrschen.
Wenn ich sage , dass um XY Schlafenszeit ist, wie kann mein Kind mir das glauben , wenn ich selber aber nicht ins Bett gehe und schlafe? Fühlt es sich in dem Moment nicht Untergeordnet und „klein“?

Bis wie viel Jahre geht die ‚Schlafenszeit‘?
Bisher habe ich nur mitbekommen , wie Eltern ihren Kleinkindern sagen , dass um XY Schlafenszeit ist. Je älter die Kinder werden, desto länger dürfen sie wachbleiben.
Aber noch nie habe ich ein Elternteil zum 16-jährigen Teenager sagen hören „Du gehst um 19 Uhr ins Bett, da ist Schlafenszeit.“ .
Wieso nicht? Wieso gelten Schlafenszeiten nur für Kleinkinder? Sind Kleinkinder immer zur selben Zeit müde und Teenager/Erwachsene nicht und die dürfen deshalb selbst entscheiden wann sie schlafen?

Was ist denn, wenn das Kind zwar im Bett liegt zur gewünschten Schlafenszeit, aber es trotzdem nicht schläft?
Ich kenne es von mir selber – wenn ich im Bett liege ohne wirklich müde zu sein, ist das einfach langweilig und ich möchte mich beschäftigen. Oftmals bekomme ich sogar nochmal Hunger , wenn ich einfach nur so da liege und darauf warte müde zu werden.
Was bringt es mir also als Elternteil, wenn ich mein Kind ins Bett schicke , obwohl es nicht müde ist und nicht einschlafen wird ?

Bei uns gibt es nicht diese festen Schlafenszeiten – Schlafenszeit bedeutet dann eher, wenn wir müde sind und uns schlafen legen und nicht wenn wir uns ins Bett legen, wach bleiben und eigentlich auch noch nicht schlafen können/möchten.

Seht Ihr das genauso oder gibt es bei Euch feste Schlafenszeiten?

7 Kommentare

  1. Hallo Lisa,

    ich finde es schon gut wenn die Kinder abends einen geregelten Ablauf haben. Aber Ausnahmen bestätigen die Regel. Ich lasse da schon mit mir verhandeln. „Mama ich will das noch fertig malen…“ – „Können wir heute zwei Bücher lesen…“ oder wenn wir noch Besuch haben oder irgendwo zu Besuch sind, dann gehts auch mal später ins Bett.

    Und meine Mädels fast 3 und fast 5 müssen auch nicht alleine, gelangweilt im Bett liegen. Wir hören meistens noch ein Höspiel und Kuscheln noch. Bei der kleinen muss jemand Hädchen halten, bis sie eingeschlafen ist. Das klappt eigentlich ganz gut.

    Schwieriger ist für mich der Mittagsschlaf der Kleinen. Die Große macht keinen mehr und die Kleine schafft es zwar schon oft ohne Mittagsschlaf aber manchmal braucht sie doch noch einen und dann wird es schwierig sie hinzulegen, weil sie denkt, sie könnte was verpassen.

    Wenn ihre Schwester da ist bitte ich sie, sich kurz mit uns zusammen hinzulegen, weil die kleine sonst garnicht will. Ich merke aber halt immer wenn sie noch einen Mittagsschlaf braucht, dann wird sie nämlich sehr weinerlich und motzig, reibt sich die Augen, gähnt.

    Genauso kann ich es aber auch Abends einschätzen wann sie ins Bett müssen. Bin aber auch nicht sauer, wenn jemand nochmal aufsteht. Das kommt in den besten Familien vor.

    Ich kann mich noch gut erinnern wie meine Schwester und ich uns abends aus unseren Zimmern geschlichen haben und von der Treppe aus heimlich bei unseren Eltern Fernsehn mitgeguckt haben 😉 aber irggendwann sind wir dann auch ins Bett gegangen.

    1. Huhu Ella,

      Was genau ist denn für dich ein geregelter Ablauf am Abend?

      Wir werden ruhiger zum Abend hin, meine Große zeigt ganz gut , wenn sie ins Bett will. Zur Zeit möchte sie noch Bücher im Bett anschauen, manchmal nur ihre Milch trinken und schon schläft sie.

      Manchmal ist sie um 17 Uhr müde , manchmal erst um 19/20 Uhr. Aber daher jeden Tag um 18 Uhr ins Schlafzimmer gehen obwohl sie das so nicht möchte – das gibt’s hier eher nicht.

      Manchmal bringe ich die kleine auch schon ins bett, in derzeit tobt die große sich nochmal richtig aus und kommt danach langsam zur Ruhe und ist dann bereit für das Schlafen gehen.

  2. Wir haben abends einen immer recht ähnlichen Ablauf, aber Schlafenszeit ist erst, wenn Klein R. Sich deutlich die Augen reibt und sehr kuschelig wird. Dann räumen wir gemeinsam auf und machen sie bettfertig und ich lege mich mit ihr ins Bett, bis sie eingeschlafen ist. Das klappt dann meist innerhalb von 5-20 Minuten.

    Wenn wir einen festen Zeitpunkt auswählen und sie noch nicht müde ist, führt das nur dazu, dass sie Ewigkeiten im Bett rumturnt. Das haben wir ein paar Mal gemacht und ziemlich schnell gemerkt, dass das nichts bringt.

    Mit dem Essen machen wir es auch so: wenn sie Hunger hat, bekommt sie was und wenn wir essen und sie mag gerade nicht, dann darf sie auch weiter spielen. Sie ist aber auch erst ein Jahr alt, da fänd ich zu strenge Regeln auch eher unnötig.

    Liebe Grüße!
    Marike von
    http://www.babyohbaby.de

    1. Auch für später finde ich es eher unnütz diese ‚Regeln‘ einzuführen. Wenn’s Kind nicht müde oder hungrig ist, kann ich es doch nicht dazu zwingen. Man findet mit der Zeit einen guten Rhythmus , denke ich 🙂

      Danke für deine Erfahrungen!
      Liebe Grüße,
      Lisa

  3. Habe deinen Blog gerade gefunden und daher erst jetzt diesen Beitrag, aber ich kommentiere trotzdem mal. Bei uns gibt es feste Schlafenszeiten, weil es auch feste Aufwachzeiten gibt und jetzt, wo die Lütte 3 Jahre alt ist, sie in der Kita nur noch sehr selten Mittagsschlaf macht. Das funktioniert sehr gut bei ihr, länger als 15 Minuten braucht sie nie zum Einschlafen, daher gehe ich davon aus, dass es ihrem Rhythmus entspricht und sie dann auch müde ist. Den habe ich daran abgeleitet, wie lange sie am Wochenende „ausschläft“, und dass sie dann ziemlich genau immer 11,75 Stunden schläft (nein, ich bin gar nicht neurotisch…!)
    Ich brauche das auch für mich, das Wissen: so, jetzt ist gleich Feierabend. Wie sagte meine Hebamme damals: nicht die Kinder brauchen Rhythmus und Rituale, das ist eher für die Eltern. Da hatte sie sicher recht, aber es ist ja auch wichtig, dass alle damit zufrieden sind, wie es geregelt wird.

  4. Ich habe Deinen Blog gerade erst gefunden; deswegen schreibe ich erst jetzt. Das ist nämlich ein Thema, bei dem ich im Moment etwas ratlos bin. Mein Sohn ist 19 Monate alt. Im Moment ist es schwierig, ihn abends ins Bett zu bringen. Mittags ist gar kein Problem, de merke ich gut, wenn er müde ist, manchmal wird es dann aber doch später, weil ich erst noch kochen oder wir erst noch essen müssen. Er geht mittags zwischen halb 12 und spätestens halb 2 schlafen. Ich stille noch und stille ihn in den Schlaf. Abends ist es i Moment so, dass, wenn wir ins Familienbett gegangen sind, und ich ihn gestillt habe, er immer nochmal aufstehen möchte. Es fängt so an, dass es seinen Schlafsack wieder ausziehen möchte, im Bett rumturnt und dann aufstehen will. Ein paar Mal haben wir das auch gemacht, wir sind ins Wohnzimmer gegangen und haben nochmal mit ihm gespielt und sind dann erst später ins Bett, da war es häufiger schon halb 10. Das Problem ist nur, dass er dann nicht morgens länger schläft, sondern im Gegenteil, sogar kürzer. Deswegen versuchen wir jetzt wieder, dass er früher schläft. Wenn er also wieder aufstehen will, gehen wir nicht mehr mit ihm spielen. Dann weint er natürlich. Ich bleibe dann bei ihn und tröste ihn und er schläft dann auch bald ein. Aber ich möchte eigentlich nicht, dass er das Schlafen mit etwas negativem verbindet. Deswegen bin ich da im Moment etwas ratlos.

    1. Hallo Judith! Ich kann dir genau sagen warum dein kleiner so lange aufbleibt. Er bleibt so lange wach, weil er es ausreizen will – eben weil er das nicht kennt, dass er das darf. Und bevor er es wieder nicht ‚darf‘ bleibt er solange wach, wie es eben möglich ist. Die Anfangszeit des selbstbestimmten Schlafens ist hart – das weiß ich.

      Und mal umgekehrt: was erhoffst du dir davon, wenn er früher schläft? Mit großer Wahrscheinlichkeit wird er dann noch viel früher wach, er wird ja noch 2-3 Stunden länger schlafen wenn er 2-3 Stunden früher ins bett geht 🙂

      Ich denke, du kannst ihm da einfach vertrauen. Ihm die Zeit geben die er braucht. Abends vielleicht nochmal an die frische Luft zum auspowern. Und dann einfach durchhalten – das legt sich wieder 🙂

      Ganz liebe Grüße !

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