„Du brauchst doch gar keinen Schnuller mehr!“ – warum ich meiner Tochter die Entscheidung lasse.

„Du brauchst doch gar keinen Schnuller mehr!“ – warum ich meiner Tochter die Entscheidung lasse.

3. November 2017 10 Von Lisa

Meine Tochter ist etwas über drei Jahre alt und hat noch einen Schnuller. Naja, eigentlich sind es zwischen vier und sechs Schnuller. Und ja, sie braucht jeden einzelnen davon. Einen bestimmten hat sie immer im Mund und die restlichen in den Händen. Sie liebt sie abgöttisch. Sie will die Schnuller. Sie braucht sie.

Und doch sprechen uns vermehrt VerkäuferInnen an der Kasse an mit „Du brauchst den Schnuller doch gar nicht mehr. Du bist schon groß“ WHAT THE HELL interessiert es dich überhaupt?!

Es steht weder ein Maßband neben meiner Tochter, noch steht ihr Alter auf ihrer Stirn. Aber ja – Schnuller ist was für Babys, das ist doch klar.
Dass auch größere Kinder noch ein absolut natürliches Saugbedürfnis haben, wissen leider die wenigsten, denn woher auch, wenn ab ca sechs Monaten versucht wird, dem Baby der antrainierte Schnuller wieder abzutrainieren?

Das Saugbedürfnis ist eines der Grundbedürfnisse eines kleinen Menschens – es gibt Sicherheit, manchmal auch Trost und Vertrauen. Es ist einfach völlig natürlich, dass ein Baby saugt. An der Brust saugt es, um Milch zu bekommen, die es sättigt. Es saugt, um sich zu beruhigen, um Sicherheit zu gewinnen.

An der Flasche saugt ein Baby um gesättigt zu werden – und dann bleibt da das ungestillte einfache Saugbedürfnis, welches dann durch den Schnuller (oder einen Finger) gestillt wird.

Wenn das biologische Abstillalter zwischen 2,5 und 7 Jahren liegt, bedeutet das nicht, dass in dieser Zeit ein Kind nur an der Brust (oder aus der Flasche) Milch trinkt, sondern eben auch das einfache Saugbedürfnis gestillt wird. Und ich kann ehrlich nicht sagen, dass meine zweijährige Tochter mehrmals am Tag ‚richtig‘ Stillt, sondern eben nur nuckelt. Statt eines Schnullers hat sie eben meine Brust. Und das ist genauso in Ordnung für mich, wie der Schnuller meiner dreijährigen.

Doch das sehen die lieben VerkäuferInnen und andere Menschen eben nicht: das meine zweite – doch auch schon aus dem Babyalter – Tochter sich an meiner Brust Sicherheit holt.

Sollte ein Kind in diesem Alter solch eine Entscheidung selbst tragen?

Äh, ja! Natürlich. Alles – wirklich alles – was den Körper eines Menschen betrifft, sollte eben dieser Mensch auch selbst Entscheiden dürfen. (ausgenommen sind für mich Piercings und Tattoos oder andere ‚größere Eingriffe‘)

Egal, ob es der Junge ist, der pinke Schuhe haben will oder das kleine Mädchen mit den niedlichen Zöpfen, die ab jetzt nur noch schwarz tragen will – oder eben ein Kind von drei bis sechs/sieben Jahren, das den Schnuller noch möchte.

Käme jemand auf die Idee mir etwas wegzunehmen „,weil ich jetzt mal alt genug dafür bin“? Nein. Warum? Weil ich erwachsen bin und ich eigene Entscheidungen treffe und treffen kann (meistens 😉 ). Doch ein Kind kann es genauso – es erfüllt eben nur nicht immer unsere Erwartungen/Wünsche oder die der Gesellschaft und das muss es auch nicht. 

Ich kenne viele Erwachsene , die durch Supermärkte schlendern und sich Babybrei kaufen ohne ein Baby (oder überhaupt ein Kind) zu haben. Sie essen es selbst. Und finden es lecker. So what? Verbieten, weil das für Babys ist? (Jaja, Brei und Schnuller vergleichen *aufschrei*)

Mein Kind (nicht nur meins. Jedes!) ist kompetent genug um zu wissen, was es braucht und was es haben will oder behalten will. Weder ich noch irgendjemand anderes hat da reinzureden, ob mein Kind noch einen Schnuller, eine Windel, ein Schnuffeltuch, ein Kuscheltier oder sonst irgendwas heißgeliebtes braucht – denn das ist es ja: heißgeliebt!

Und irgendwann, da nabeln sie sich ab. Stück für Stück. 

Erst wird die Hand von Mama losgelassen, in einer Umgebung, wo es sich sicher fühlt.
Dann wird die Windel weggelassen, weil es bereit ist diesen Schritt zu gehen und loszulassen.
Das Schnuffeltuch wird öfter zuhause gelassen.
Der Schnuller nur noch Nachts genutzt.

Und irgendwann sind sie so groß geworden, dass sie unser Nest verlassen und immer wieder gerne zu Besuch kommen und es so sehr schätzen, dass wir ihnen genau die Zeit gegeben haben, die sie gebraucht haben. Sie können uns vertrauen und wir ihnen. Und das ist viel mehr wert als von einer Erinnerung zu sprechen als der Nikolaus mit der Rute drohte und die Schnuller daraufhin weggenommen wurden und das Kind nicht nur traurig sondern auch voller Angst war.

Lasst ihnen Zeit. Nicht nur das, sondern vertraut ihnen. 

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