Wir sind nicht nur Eltern sondern auch Vorbilder

Und es liegt in unserer Verantwortung (wie eigentlich so ziemlich alles , was unser Kind betrifft) , welche Werte wir unseren Kindern vorleben. Was uns wichtig ist. Was wir möchten, wie oder womit unser Kind aufwächst und es nachahmt – denn das tun Kinder, nachahmen.

Wenn ich mein Kind also anschreie (und ja, das kommt vor, ist scheisse und versuche ich durch Geduld, Nachdenken und Vernunft zu ersetzen) brauche ich mich nicht wundern, weshalb mein Kind zum Geschwisterchen oder Kind auf dem Spielplatz genauso ist.

Die meisten Eltern fragen dann „Warum/Wieso hast du das gemacht?!“ – naja, warum denn nicht?! Es hat genau DAS ja von uns gelernt. Es hat gelernt bei unangenehmen Situationen einfach mal zu brüllen und den Frust so am anderen rauszulassen.

WIR wissen, dass es scheisse ist. Unser Kind weiß es in der Situation sicherlich auch, aber es findet es trotzdem normal und ahmt uns nach.

Und es weiß gar nicht, wie es stattdessen reagieren kann – denn wir haben die Alternative nicht gezeigt. Wir haben nicht gezeigt, dass wir empathisch und ruhig auf absolut nervige und anstrengende Situationen reagieren können , denn ein „Boar, kannst du es jetzt mal sein lassen!!“ Ist viel schneller gesagt, als der Verstand und die Vernunft da einmal kurz ‚Stop‘ rufen kann.

Und das ist nur eines von sehr vielen Beispielen , wir können es auf so viele weitere Sachen beziehen, aber gerade in der Erziehung sehe ich immer wieder , wie Kinder andere Kinder versuchen zu erpressen, manipulieren etc.

Da sprachen die Eltern aus ihm

Als K2 zwei Jahre alt wurde, waren wir im Zoo. Wir waren gerade auf dem Spielplatz und K2 ging in ein Spielhäusschen – bis auf eine Bank war dort nichts drin. Ein etwas älterer Junge (ich schätze ihn auf 4-5) gesellte sich zu ihr. Und so wie sie ist, redete sie fröhlich und versuchte irgendwie Kontakt aufzunehmen.

Und nur ein ‚falsches‘ Wort löste bei ihm einen Trigger aus. Die Worte seiner Eltern/Großeltern/Erzieher sprachen aus ihm :

“ ‚Aber , aber, aber‘ es gibt kein ‚ aber‘ , wenn du noch einmal ‚aber‘ sagt, dann raste ich aus! Dann Schubs ich dich richtig doll! Hör auf ‚aber‘ zu sagen!!!“

Puh, harte Kost, ich stand direkt daneben und war wütend. Wie konnte er es wagen so etwas zu ihr zu sagen? Sie so zu bedrohen.

Und doch – er kannte es sicherlich nicht anders. Es waren nicht ’seine‘ Worte. Es waren die Worte, die er gelernt hatte. Die er zu hören bekam. Und er spielte das gleiche Machtspiel, welches mit ihm gespielt wurde.

Es ist also nicht mit dem „ich (nicht-)erziehe meine Kinder ganz fürsorglich“ getan, sondern es ist verdammt wichtig welche Worte, Mimik, Gestik etc. ich gebrauche. Vor allem ‚gegen‘ mein Kind. Mir muss bewusst werden, dass meine Worte und meine Handlungen die Welt meines Kindes nicht nur beeinflussen sondern auch bilden.

Mir muss bewusst werden, dass Gewalt nicht mit derselben Gewalt (oder Gewalt im Allgemeinen) gelöst werden kann. Dass Druck immer Gegendruck erzeugt.

Und natürlich verteilen Kinder hier und da mal Schläge, Bisse etc. ohne dass sie es vorgelebt bekommen haben – hier bedarf es ganz enge Begleitung, Erklärungen und kein erhobener Zeigefinger (oder erhobene Hand) mit „das macht man nicht“.

Das macht man nicht“ ist so unpersönlich wie es nur geht.

„Ich möchte nicht, dass du XY haust, dass tut ihm/ihr weh. Wolltest du mit XY spielen ?“ Denn Schlagen, Beißen, Schubsen ist nicht nur ein Zeichen von „Hey , lass mich in Ruhe “ (weil es sich nicht anders zu helfen wusste zB) sondern auch „hey, ich möchte mit dir spielen, kann es aber nicht ausdrücken“.

Auch Sand/kleine Steine werfen kann ein Spiel sein. Wir waren auf einem Spielplatz und es waren kleine Kieselsteine dort und meine Töchter waren dabei, diese Steinchen auf eine Rutsche zu machen und dann durch zu rutschen. Ein Mädchen in K2’s Alter kam dazu und machte es ihnen gleich – „das macht man nicht!“ Kam direkt vom Opa. Die Kleine hörte auf. Meine Töchter natürlich nicht – warum auch, es gehörte zum Spiel, tat niemandem weh und machte Spaß. Als der Opa sich dann öfters einmischte, gingen sie alle ein Spielgerät weiter und K2 fing wieder an darauf die Steinchen zu packen und wieder runter zu wischen. Das Mädchen machte es ihr gleich und ratet was geschah. Genau. Der Opa kam wieder an und sagte, dass man das nicht mache. Das Mädchen warf mit den Steinchen – und wieder „Das macht man nicht! Das tut weh, siehst du (wirft sie etwas mit Steinchen ab)“ What?! Wer lernen will muss fühlen , oder was ? Meine Töchter machten trotz allem mit ihrem Spiel weiter , daraufhin kam das Mädchen zu ihnen, Strecke den Zeigefinger nach oben und sagte „Du, Du , Du!!“ . Nun könnte ich meinen, dass das ja ganz süß ist, wenn ein kleines Kind von 1,5-2 Jahren sowas sagt und macht, doch ehrlich sind es auch nur die Erfahrungen , die das Mädchen gemacht hat. Und tatsächlich , kurz darauf machte der Opa genau das Gleiche zum Mädchen. Ich frage mich bei all den Sachen, ob ich mit meinem Mann auch so sprechen würde. Oder mit Freunden. Mit meinem Chef. Mit Menschen im Allgemeinen. Kinder sind nicht dumm. Kinder lernen nicht durch selbst mal spüren – sondern durch Empathie und dem richtigen Alter. Ein Kind braucht kein „Du, Du, Du “ und andere entwürdigende Maßnahmen , weil es zB einen eigenen Willen hat und nicht gehorchen will, wie der Polizeihund auf dem Revier. Die Situation auf dem Spielplatz hat mir nochmals verdeutlich, wie wichtig meine Vorbildfunktion ist. Denn ich bin Vorbild. Als Erwachsener habe ich immer eine Vorbildfunktion. Egal ob ich eigene Kinder habe oder nicht. Mit meinen Worten und Handlungen präge ich immer jemanden – ich kann also überlegen was ich möchte:

  • diese Macht als Erwachsene ausnutzen, damit meine Kinder gehorchen
  • an mir arbeiten, dass meine Gefühle und Glaubenssätze nicht ungefiltert an mein Kind gelangen.

Denn tatsächlich sind das meiste Glaubenssätze, die wir in uns tragen, Gefühle, die wir als Kind unterdrücken sollten und die jetzt hochkommen , wenn die Situation mit dem eigenen Kind ähnlich ist. Und es ist auch nicht egal wie wir mit unseren Kindern oder anderen Kindern reden. Jeder Satz, jedes Wort kann verletzten. Es kann prägen . Und es kann nachgeahmt werden. Und genau da können wir handeln. Wir können nachdenken, bevor wir ungefiltert unser Kind anschreien. Wir können nachdenken, bevor wir ungefiltert unser Kind Maßregeln.Achtsamkeit ist wichtig. Achtsam in der Wortwahl sein. Achtsam mit unseren Kindern umgehen. Auf Augenhöhe begeben. Wertschätzend reden. Als würden wir mit einem guten Freund reden – denn unser Kinder, sind nicht unsere Kinder – sie sind unsere besten Freunde, die zu uns aufschauen, erwarten dass wir Ihnen auf ehrliche Weise die Welt erklären, sie behandeln , wie Menschen behalten werden sollten – gut, wertschätzend, auf Augenhöhe, achtsam, empathisch.Nimm dein Kind an die Hand und es zeigt dir die Welt.

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