Warum wir auf Tischmanieren verzichten

Bei der lieben Sonnenshyn.de läuft gerade eine Blogparade unter dem Titel „Müssen Kinder Tischmanieren lernen“ – als ich den Beitrag der Rabenmutter gesehen habe, dachte ich mir, dass ich direkt mal mitmachen muss – denn ich sehe dieses Thema so ziemlich anders als sie.

Bei uns kommt auf den Tisch, was gegessen werden will

 

Ja , tatsächlich bin ich diejenige, die Pizza, Lasgane oder sonst was vom Vortag gerne mal zum Frühstück esse. Warum? Weil es lecker ist. Und weil es gegessen werden muss, damit es nicht im Müll landet.

Natürlich könnte ich es auch zum Mittag essen, aber da ich meistens sowieso nochmal kochen muss, da es nicht für uns alle reicht, gibt es das halt dann, wenn jemand Bock drauf hat. Dieses Recht zu bestimmen, wer was wann isst, hat jeder in unserer Familie. Nur der Hund nicht *hust*

Aber unsere Kinder dürfen es entscheiden ob sie zum Frühstück Kekse, Müsli, Brot, Nudeln oder sonst was essen möchten. Auch vor dem ‚eigentlichen‘ Mittagessen dürfen meine Kinder Eis oder sonstiges essen. Alles was wir an Lebensmitteln zuhause haben, haben wir aus einem Grund: um gegessen zu werden. Um uns satt zu machen. Um uns letzen Endes am Leben zu halten. Und weil es uns schmeckt.

Daher ist dem Essen und mir so ziemlich egal, zu welchem Zeitpunkt dies ist.

Natürlich mag es immer Lebensmittel geben, die zu bestimmter Tageszeit ‚gesünder‘ erscheinen – ich denke aber, dass es bei einem normal gebauten, gesunden Menschen mit ausreichend Bewegung ziemlich egal ist, wann es was isst.

Müssen meine Kinder mit Besteck essen?

Nö. Meine Kinder sind jetzt drei und fast zwei Jahre alt und sie werden sicherlich noch ihr ganzes Leben lang mit Besteck essen.
Ich gebe ihnen immer Gabel/Löffel und Messer, aber ob sie es nutzen oder nicht, ist mir egal. Sie essen so, dass auch etwas in ihrem Magen landet – und wenn ihnen die Erbsen immer wieder von der Gabel fallen, dann funktioniert es mit den Fingern viel besser.

Mir ist es ebenso wenig wichtig, dass sie „ordentlich“ essen – soll heißen, ohne zu kleckern – denn ehrlich, was fordern wir denn noch alles von unseren Kindern?! Uns unerzogene ermahnt man, dass wir unsere Kinder wie ‚kleine Erwachsene‘ behandeln – doch was ist mit den Kindern, die perfekte Tischmanieren mit 2,5 Jahren beherrschen? Genau sie sind es, die sich wie kleine Erwachsene verhalten sollen.

Im übrigen lernen Menschen mit den Händen viel ’sauberer‘ zu essen – zu sehen ist dies in Afrika und Indien, wo es ganz normal ist mit den Händen zu essen (sicherlich gibt es auch dort Regionen, in denen mit Besteck oder anderen Hilfsmitteln, gegessen wird.).

Feste Mahlzeiten

Feste Mahlzeiten halte ich nur für Menschen mit einer Essstörung für sinnvoll.

Bei allen anderen Menschen – vor allem aber bei Babys und Kindern – empfinde ich es als viel besser, wenn der Mensch auf sein Hungergefühl achtet und zu den Zeiten isst, wann er/sie Hunger verspürt.

Ich bin sehr froh, dass es langsam aber sicher beim Stillen und des Fütterns per Fläschchen erkannt wird, dass das Füttern nach Bedarf, der Entwicklung des Babys zugutekommt. Denn ein Baby hat nicht pünktlich alle 3-4 Stunden hunger (ja, auch hier gibt es sicherlich Ausnahmen, aber auch da wird sich der Rhythmus bzw das Hungergefühl mit der Zeit ändern), sondern zu ganz unterschiedlichen Zeiten. Ebenso Clustern Stillbabys, womit sowieso nicht ganz gesagt werden kann, ob es nun Hunger hat oder die Milch für den nächsten Tag bestellt – aber hier wieder: Clustern ist unglaublich wichtig , daher nicht denken „Ach, du hast bestimmt keinen Hunger“, sondern anlegen! Denn nur so kann dann der ‚richtige‘ Hunger bei der nächsten Stillmahlzeit gestillt werden.

Nun ist das Kind kein Baby mehr, sondern ein Kleinkind. Stillt vielleicht noch mehrmals am Tag (bzw bekommt ein Fläschchen) und den Rest des Tages isst das Kind feste Nahrung. Die allermeisten Menschen bringen dem Kind direkt einen Rhythmus bei: Morgens 8 Uhr Müsli, Mittags 12 Uhr warmes Essen, Abends 18 Uhr Brot. Dazwischen (auch zu festen Zeiten) Obst/Gemüse.

Und wenn es dann zu einer festen Zeit keinen Hunger hat? Pech gehabt – dann muss es bis zur nächsten (Zwischen-)Mahlzeit eben warten. Das Kind lernt dadurch, sein Hungergefühl zu übergehen – und das ist es, was ich für meine Kinder (und auch mich persönlich) nicht möchte!

Sie sollen ihre Bedürfnisse ganz genau selbst erkennen und nicht auf eine Uhr hören, die sagt , wann es Zeit ist, das Bedürfnis zu stillen.

Zusammen essen und aufstehen obwohl noch gegessen wird

Da wir meistens alle essen wenn wir hunger haben, essen wir häufig auch nicht zusammen. Mich stört es ehrlich gesagt nicht so sehr, da wir den ganzen Tag zusammen sind und ich daher nicht sehe, dass wir unbedingt alle zusammen am Tisch sitzen müssen – wie man es halt macht, so als Familie.

Ebenso wenig müssen meine Kinder am Tisch essen, oft machen wir es uns auf der Couch gemütlich und essen dort. Oder auch im Bett. Da, wo wir halt gerade hunger bekommen.

Tischmanieren

Sie dürfen auch mit Essen in der Hand in der Wohnung rumlaufen – gut, hier gibt es tatsächlich Ausnahmen, denn ich möchte nicht die komplette Wohnung sauber machen müssen, weil Joghurt oder sonst was aus Versehen verschüttet worden ist oder zu Dekorationszwecken irgendwo rangeschmiert wurde. Das ist so meine persönliche (Ekel)Grenze, aber das akzeptieren meine Herzenmenschen sehr gut.

Wie is(s)t es denn bei euch? Habt ihr klare Regeln, und dürfen eure Kinder (und auch ihr selbst) essen, was da ist und wann sie Hunger haben? Schreibt es mir mal in die Kommentare! 🙂

Eure Lisa

P.S.: Bevor ausufernde Kommentare kommen , dass sich meine Kinder im vollen Restaurant wie Neanderthaler auf der Jagd verhalten: nein. Sie können tatsächlich sehr gut mit Besteck umgehen und ‚benehmen‘ sich tatsächlich wie ganz normale Menschen beim Essen. Sollten sie trotzallem im Restaurant mit den Fingern essen wollen, so habe ich immer Feuchttücher mit, um Tisch, Hände und Gesicht sauber zu machen – dies sollte aber denke ich sowieso vorhanden sein bei Kleinkindern. 🙂

8 Kommentare

  1. MamaBear_mit_BabyBear

    Bei uns ist es genauso. Beim Thema mit dem Besteck essen sehe ich es oft anders als die anderen. Meiner kann znd möcjte mit dem Besteck essen (gerade zwei geworden). Er hat es bei mir gesehen und möchte es daher auch können. Andererseits ist es aber auch sehr wichtig, dass Kinder lange und ausgiebig mit den Fingern essen bzw nachhelfen dürfen. Denn dadurch lernen sie unsere Speisen kennen, ihre Konsistenz und bekommen ein anderes/ besseres Verhältnis zum Essen. Sie lernen genug zu essen um satt zu sein und dann aufzuhören. Mein größtes Problem heute noch ist, dass meine Mutter magersüchtig war. Daher waren wir immer zu dick oder sie beschwerte sich, weil sie gekocht hatte und niemand aß. Mein Sohn soll ein gesundes Verhältnis zum Essen mitnehmen.
    Weiter so Lisa!👍😊

    • Hallo MamaBear 🙂
      Ja, meine Kinder möchten auch IMMER mit Besteck essen! 🙂 Aber die Finger ‚helfen‘ trotz allem sehr oft noch mit, was für mich absolut kein Problem darstellt, da sie es ja einfach noch üben müssen. Und Pommes oä wird oft mit den Händen gegessen – da bin ich aber auch einfach das super Vorbild für, da ich es genauso mache 😀 🙂

      Liebe Grüße, und danke für deinen Kommentar! 🙂

  2. ich bin wahrhaft eine relaxte Mutter und keine, die penibel auf alles achtet und nicht mal Ausnahmen macht. dennoch halte ich einen Rhythmus für Kinder als sehr sinnvoll, es dient zur Orientierung und gibt Sicherheit. Nicht weil man Kindern etwas aufdiktieren möchte, sondern genau aus dem genannten Grund ist es so, das viele Eltern darauf achten, dass es Tagesablauf Punkte gibt, die Routine geben. Um Punkt 12 und Punkt 18 Uhr nicht, aber auch nicht so, dass es immer zu unterschiedlichen zeigen ist und dann, wenn die Kinder sich das aussuchen. Denn auch das Hungergefühl pendelt sich ein dadurch, dass man grob feste Zeiten zum Essen hat. Wenn meine Tochter um 5 Uhr kommt und Hunger hat, zwinge ich sie bestimmt nicht, bis 6 Uhr zu warten. Und doch biete ich zu den „grob festen“ Zeiten Frühstück, Mittag und Abendessen hat, wie gesagt, es gibt Kindern Sicherheit, Sie können sich so auf etwas verlassen. Was ich persönlich schwierig finde, aber so hat eben jeder seinen Lebens,-bzw Erziehungsstil, ist das die Kinder essen können, wo sie wollen.
    Da das immer an einem anderen Ort ist, fehlt auch hier wieder der Punkt der Struktur, der für viele Kinder einfach wichtig ist. Ich halte aber auch nichts von einer absolut laissez fairen Erziehungsweise, die garkein Regeln vorgibt. Ich denke, es macht es für Kinder einfach leichter, sich später in einer Gesellschaft zurechtzufinden, die nunmal (oft) Regeln vorgibt. Mit Besteck zu essen, würde ich jetzt auch nicht als so wichtig empfinden, aber es schadet doch nicht, es rechtzeitig zu üben. Sie würden nicht wirklich verstehen, warum das im Restaurant jetzt sein muss. Und auch hier wäre dann wieder der Punkt des Hin und Hers, zuhause so und draußen/in der Schule/woauchimmer ganz anders? Hm.

    • Meine Kinder können sich auch drauf verlassen, dass es immer essen gibt, wenn sie Hunger haben – was also ein Rhythmus mit Sicherheit zu tun hat ist mir etwas Schleierhaft. Ich bin sogar davon überzeugt, dass viele einfach immer nur denken, dass es in irgendeiner Weise Sicherheit gibt. Ein Rhythmus, eine feste Routine kann sicherlich Sicherheit geben – nämlich Menschen, die instabil sind. Zum Beispiel depressive. Denn ja, da kenne ich mich leider sehr gut selbst aus und da hilft einem eine Routine den Tag zu überstehen. Aber gesunde Menschen brauchen als Sicherheitsanker keine feste Routine.

      Sicherheit und Vertrauen basieren nicht auf Routinen, sondern darauf, dass es einfach IMMER, egal wann, ein Sicherheitsnetz gibt und nicht nur grob um die festen Zeiten rum. Und so unterschiedlich Menschen sind, so unterschiedlich sind dann auch deren Rhythmen, daher ist es MEIN Rhythmus, den ich meinen Kindern aufdrängen würde, wenn ich relativ feste Essenszeiten haben würde.

      Aber um es noch kurz zu sagen: wir haben einfach von Natur aus einen Rhythmus. Es ist nicht so, dass meine Kinder alle 3ß Minuten Hunger haben oder Stundenlang ‚vergessen‘ etwas zu essen oder sie ‚hungern‘ müssen, weil wir zB gerade unterwegs sind. wir essen Morgens, Mittags und Abends was und zwischendurch wenn hunger kommt. Aber halt nicht um 13 Uhr +/- eine Stunde, sondern dann halt mal um 11 Uhr oder mal um 16 Uhr erst. Und das akzeptiere ich. 🙂

      Außerdem denke ich, dass es den Eltern wichtig ist um die Kontrolle zu behalten, wer was wo isst. Übrigens bedeutet Laissez-faire nicht ohne Regeln, und ich möchte ebenso wenig, dass mir Laissez-faire insgeheim vorgeworfen wird, wir leben Unerzogen und nicht Laissez-faire. 🙂

      Meine Kinder fordern ihr Besteck ein. Aber sie dürfen auch mit Finger essen, wenn sie es nicht auf die Gabel/den Löffel bekommen – Zuhause genauso wie im Restaurant. Es sind Kleinkinder und keine „vollausgebildeten Erwachsenen“ , dass sie motorisch noch nicht so weit sind , wie zehnjährige, sollte einem klar sein. Wie gesagt, sie wollen ihr Besteck, da ich es vorlebe. Kinder ahmen nach. Wir sind ihr Vorbild.

    • Es heißt auch, dass Kinder Erziehung brauchen. Kinder brauchen Lob und Strafe. Gewalt sei in manchen Situationen absolut angebracht.

      Was will uns das nun sagen?

      Ich höre darauf, was mir mein Herz und Instinkt (nicht der anerzogene) sagt und nicht wir die Gesellschaft möchte, wie unsere Kinder zu leben haben – nach struktur und Ordnung. Da bleibt dann natürlich auch nicht viel Platz für Individuen.

  3. mhm ja. Essen wenn man Hunger hat, worauf man Hunger hat. Das Problem ist, dann würde sich mein Sohn zb ausschließlich von Süßkram ernähren. Ich lasse ihn essen wie er will, kleckern is nich schlimm. Er war schon immer ein sehr „handerlebnis-affinies“ Kind. Aber er schmiert gerade mit dem Essen den ganzen Raum voll. Auch weil er weiß, dass das nicht gewünscht ist. Da ich aber weiß, dass er ein Etappenesser (d.h. er isst etwas und muss wieder los rennen, um minutenspäter weiter zu essen) und vorallem Kaltesser (wo auch immer er das her hat – ich bin da das genaue Gegenteil) kann ich ihn nicht zu einer bestimmten Zeit an das Essen „binden“. Ist in der Kita auch ein Problem, er macht in ihren Augen dann nur Faxen, weil sie in gefühlte x mal wieder auf den Stuhl setzen müssen und er hat als immer-Mittagskind dann zwei Stunden später wieder Hunger, weil er sich dort nicht sättigen konnte. (Es verhält sich übrigens auch mit windelfrei bei ihm so…es ihm schlichtweg wurscht ob er in seinen hinterlassenschaften sitzt) Was mich wiederrum dazu bringt, zu sagen, ja die Grundsätze find ich toll, gehe ich mit, aber individuell muss jeder für sich und das Kind eine Lösung oder einen Weg finden.

    • Hallo Kate,
      tatsächlich denkst du da nicht ganz falsch, was das Süßigkeiten essen betrifft. Denn ja, zu Anfang wäre sich dein Sohn nicht sicher ob er wirklich IMMER Süßigkeiten essen kann/darf, wenn er es möchte. Und das würde er erstmal ausnutzen – absolut normales, menschliches Verhalten. Und auch das geht vorbei, wenn das Vertrauen dazu gefestigt ist – dauert meist so ein-zwei Wochen. Meinen Kinder steht es frei zu , was sie wann essen. Morgens das Eis, Abends Kekse.. ist für mich in Ordnung- über Tag Apfel, Gurke, Paprika,…
      Meine Kinder sind auch so, dass sie meist viel in Bewegung sind, sich dann wieder mal was zu Essen nehmen und weg sind sie wieder – es sind Kinder. Das dürfen wir nicht vergessen. Ich könnte wetten, dass sie mit 18 nicht auf dem Fußballfeld rumlaufen, kurz angerannt kommen um vom Brot abzubeißen.
      Es ist einfach in der Gesellschaft verankert, wie sich ein Kind zu verhalten hat – nämlich so, wie sich ein Erwachsener verhalt. Ruhig, still sitzend am Tisch, zu regelmäßigen Zeiten und dann bitte auch so viel essen, dass es satt ist. Das ist halt auch der einfachste Weg. Der schwere ist da, dem Kind zu vertrauen und sein Hunger- und Sättigungsgefühl selbst zu finden und zu kontrollieren – denn letzten Endes hat es das fürs ganze restliche Leben.

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