Zähne putzen sollte niemals Zwang sein (& unser erster Zahnarztbesuch)

Zähne putzen

In einer Apotheken Zeitschrift kursiert ein Artikel , in dem dazu geraten wird, (Klein-)Kinder ‚liebevoll‘ zu fixieren und gegen den Willen die Zähne zu putzen – denn: „Zähne putzen ist ein absolutes MUSS“, so sagen es die „Expertinnen“ in diesem Artikel.

Warum ich davon absolut nichts halte, wie unsere Zahnputz-Routine ist und wie unser erster Zahnarztbesuch vor einigen Wochen war, möchte ich euch heute erzählen.

Zähne putzen

Zahnpasta mit Xylit. Lavera ohne und Nenedent mit Fluorid.

Muss Zähne putzen – ohne wenn und aber – wirklich sein?

Nein!

Wenn ein Kind deutlich zeigt , dass es dies nicht möchte (und jegliche spielerische Überredungskünste haben versagt), dann ist dies zu akzeptieren.
Ein Nein eines Kindes sollte immer ernst genommen werden!

Viele sagen immer „Es ist aber wichtig, dass die Zähne gesund bleiben, daher benötigt es die Zahnpflege!“

An sich ein ganz logischer Einwand – aber, was ist , wenn das Kind trotz täglichem Zähne putzens Karies oder anderes bekommt?

Gehen wir also mal davon aus, dass ein Mensch schon zu kariogenen Zähnen neigt, nun kommen die Eltern und fixieren das Kind (Kind hat dadurch natürlich schon Angst, versteift, schreit, weint, versucht sich zu wehren) und putzen gegen den Willen des Kindes die ohnehin schon kaputten Zähne (damit möchte ich nicht sagen, dass erkrankte Zähne nicht geputzt werden sollten!).

Was wird dabei dem Kind signalisiert?

  • Dein Nein ist nichts wert
  • Wir sind immer stärker als du
  • Du darfst dich nicht wehren

Wer jetzt einen Schritt weiter geht, wird die Konsequenzen dieser Handlung sehen können:

  • Das Kind wird sich nicht mehr (oder weniger) wehren, wenn es das sollte (Gefahrensituation)
  • Dem Kind wird signalisiert, dass es weniger wert ist und hat dadurch für das weitere Leben mit dem Selbstwertgefühl zu kämpfen
  • Dem Kind wird vorgelebt, dass es in Ordnung ist, gegen den Willen, Gegenstände in den Mund (oder auch andere Körperöffnungen) zu stecken (und wird ggf sich nicht zur Wehr setzen, da es gelernt hat, dass die Anderen stärker sind)

Es sind alles Möglichkeiten und keine in Stein gemeißelte Fakten, die auf jeden einzelnen Menschen genau so zutreffen werden – aber(!) , alleine diese Möglichkeiten sind so ernst zu nehmen, um sie nicht erst herauszufordern.

Kein Mensch der Welt, sollte so etwas erfahren müssen (Gegenstände in den Mund oä gesteckt bekommen) „nur“ weil jemand anderes meint, die Zähne könnten etwas sauberer sein.
Kein Mensch der Welt, sollte sich so ausgeliefert , Machtlos, Wertlos und Schwach fühlen, weil jemand anderes meint, er könne die Macht über einen anderen Körper erlangen!

Die heutige (Zahn)Medizin ist so weit, dass es „ein Klacks“ ist, die Zähne zu heilen – dies wird mit Sicherheit auch günstiger, als eine Therapie , die meist erst später im Erwachsenenalter in Anspruch genommen wird, da der Mensch erst dann merkt, dass diese Handlungen nicht „normal“ waren und tiefe Wunden in der Psyche hinterlassen haben. (Auch hier wieder: ein kann, kein muss. Viele Erwachsene merken auch gar nicht, dass es nicht richtig war, was ihnen geschehen ist, da ihnen ja etwas anderes eingetrichtert wurde. Ich möchte hiermit sagen: NEIN! Es ist niemals normal, einen anderen Menschen zu irgendetwas zu zwingen, ihn gewaltsam festzuhalten, ihm irgendwas in Körperöffnungen zu stecken!)

Können Menschen Karies oder ähnliches nur bekommen, wenn unregelmäßig , oder gar nie, geputzt wird?

Nein!

Ich kenne sehr viele Menschen, die absolut regelmäßig putzen, auf ihre Ernährung achten, Zahnseide, Zahnspülung und sonst was nutzen, und immer wieder Probleme mit Zahn und Zahnfleisch haben.
Es ist auch eine Sache der genetischen Veranlagung, und kann auch einfach durch einen kleineren Unfall geschehen.

Meine Tochter hat einen Zahnschmelzdefekt und hat dadurch ein erhöhtes Risiko Karies zu bekommen.

Dieser Zahnschmelzdefekt kam nicht nur zu weniges putzen, zu säurehaltige Lebensmittel, sondern ganz simpel: sie fiel hin, auf ihre gerade herauskommenden Schneidezähne. Zahnschmelz kaputt, Schneide Zähne bröckeln ab.

Ist scheiße, ist passiert, wir versuchen das Beste draus zu machen.

Und das ist: sie putzen zu lassen, nachputzen lassen will sie nicht (unangenehm) und wenn sie keinen Bock hat, dann bekommt sie einen Löffel Xylit und dann war das unsere „Zahnputzroutine“ für sie.

Was sagt der Zahnarzt dazu?

Vor einigen Wochen waren wir bei unserem ersten Zahnarztbesuch.

Ich habe vorher erklärt wohin wir gehen, was gemacht wird (Arzt möchte die Zähne zählen, das machen wir oft zusammen) und dadurch lief wirklich alles sehr entspannt ab. Und das obwohl meine Kinder bei Ärzten bzw fremden Menschen absolut unkooperativ sind.

Arzt hat uns nichts neues gesagt als wir ohnehin schon wussten: Zahnschmelzdefekt.

Nun hatte ich natürlich doch bedenken ob das wenige Zähne putzen weiteren Schaden angerichtet hat – absolutes Gegenteil. Beide Kinder haben wunderbare Milchzähne und selbst beim Zahnschmelzdefekt (den es nun seit etwa 1,5 Jahren gibt) ist kein Karies.
Auch zu erwähnen ist, dass ich meine Tochter noch stille, womit ich auch nochmal sagen möchte, dass Muttermilch nicht kariogen ist – wobei dieses Thema gar nicht aufkam beim Zahnarzt.

Natürlich kann es bei Mensch XY ganz anders ausfallen. Natürlich kann ein anderes Kind mit Zahnschmelzdefekt super schnell Karies bekommen obwohl jeden Tag drei Minuten geputzt wird.

Das „kann“ war mir aber niemals so wichtig die Integrität meines Kindes zu verletzen und meine Macht zu missbrauchen damit meine „Angst“ eventuell niemals ernst wird. Denn wer verspricht mir, dass durch ständig geputzte Zähne niemals Karies oder andere Zahnerkrankungen entstehen?

Ist Zähne putzen wichtig?

Ja. Aber niemals so wichtig, um die Würde eines anderen Menschen zu verachten. Nicht so wichtig, einem anderen Menschen Gewalt anzutun. Nicht so wichtig, einen anderen Menschen zu etwas zu zwingen. Nicht so wichtig, ein Nein eines anderen Menschen zu ignorieren.

Zähne lassen sich heilen – zur Not gibt es Prothesen.

Doch gibt es das auch für die Seele?

Möglichkeiten um die Zähne zu putzen/Karies vorzubeugen

  • Mit dem Kind vor dem Spiegel Zähne putzen
  • Gegenseitig Zähne putzen
  • Das Kind selbst putzen lassen
  • Xylit * pur geben (Teelöffel) , Xylit ist Kariesvorbeugend und steckt auch in einigen Zahnpasten
  • Lustige Lieder singen (Milchmonster-Lied ausdenken)
  • Kind selbst putzen lassen und fragen(!) ob nachgeputzt werden darf
  • Zahnbürste selbst aussuchen lassen
  • verschiedene Zahnpasten ausprobieren, ggf liegt es am Geschmack

Ich persönlich(!) würde dem Kind nicht im Schlaf die Zähne putzen – denn was das Kind im wachen Zustand nicht möchte, sollte nicht in einem Zustand gemacht werden, wo der Mensch noch hilfloser ist als ohnehin schon. Aber das entscheidet, wie alles andere auch , jedes Elternteil für sich.

5 Kommentare

  1. Hallo Du!

    Erst einmal, dein Blog gefällt mir sehr gut! Habe ihn erst „frisch“ entdeckt und in vielen Dingen bin ich total bei Dir.
    Allerdings hört die Selbstbestimmung bei allem was die Gesundheit betrifft, bei mir auf. Und da gehört für mich das Zähneputzen einfach dazu.
    Ich komme nun aus dem med. Bereich und habe einfach schon so viele schlimme Sachen bei Kindern gesehen, die einfach nicht sein müssten. Gerade in Bezug auf die Zähne! Wie erklärt man denn einer zweijährigen, das man eine Spritze geben muß, Kavitäten ausbohren muss etc.? Klar, man kann auch alles unter Anästhesie machen, aber was ist das für ein heftiger Eingriff??
    Zumal man nicht nur Zähne putzt, um die Zähne zu schützen, sondern auch, um den Zahnhalteapparat zu schützen. Ich habe z.B. 8-10 jährige Kinder gesehen, bei denen sich zwar keine Karies gebildet hat, aber der Knochen so weit zurückgezogen war, das man im Grunde schon ausrechnen konnte, das im Teenageralter durchaus die ersten Zähne verloren gehen werden. Ich habe leider auch miterlebt, das Kinder auf dem Behandlungsstuhl festgehalten wurden (von den Eltern) weil die Kinder sich nicht behandeln lassen wollten ( was ich durchaus verstehen kann!!), die Eltern sich aber auch keine Narkose leisten konnten.
    Und das finde ich ehrlich gesagt tausendmal schlimmer, als zu üben, das Zähneputzen einfach sein muss………

    Ich weiß, da gibt es tausend Meinungen zu. Wollte meine nur einfach mal kundtun und hoffe, das du es nicht als persönliche Kritik auffasst!!

    Ganz liebe Grüße, Nana

    P.S. die gDiaper ist neben der Charlie Banana unsere absolute Lieblingswindel 😉

    • Huhu!
      Ich sage in meinem Beitrag nicht „Ach, wenn euer Kind nicht will, dann schmeißt die Zahnbürste weg, wird schon irgendwie gut ausgehen, und wenn nicht, naja dann ist das halt so“

      Sondern: Zähne putzen jeden Tag anbieten(!), aber halt ohne Zwang. Wenn das Kind erstmal eine negative Verknüpfung hat, dann wird das Zähne putzen die nächsten Monate , wenn nicht sogar Jahre, zu einer Qual – für Eltern und Kind. Und daraus resultierend natürlich auch jegliche Zahnarztbesuche.

      Daher: anbieten, immer wieder. Zähne putzen vor dem Kind. Verschiedene Alternativen anbieten. Etc pp.

      Zähne putzen ist wichtig JA – aber ich habe dafür Sorge zu tragen, dass es ohne Zwang und Gewalt abläuft. Denn das ist (zum Glück) im deutschen Gesetz verankert, dass Gewalt an Kindern verboten ist. Und wenn ich mir erstmal den Druck rausnehmen muss damit ich mit dem Thema besser umgehen kann und mehr Empathie fürs Kind entwickeln kann, dann ist das so.

      Ich hoffe du verstehst mich? 🙂

      Liebe Grüße
      Lisa

  2. Hach jaaaa,
    Wir haben da leider auch so unsere Probleme :-/ meine Tochter putzt sich vielleicht 20 Sekunden lang die Zähne und möchte dann nicht mehr.. seit Monaten!!! Sie liebt es meine Zähne zu putzen, doch wir dürfen bei ihr absolut nicht ran..
    sie sucht sich von Bürste bis Paste alles selbst aus (ok ich achte drauf, dass kein fluorid drin ist), wir lachen, tanzen, singen Lieder.. leider merke ich Selbst, dass ich bei dem Thema angespannter werde und wirklich gern möchte, dass es endlich besser klappt 🙁
    Beim Papa klappt es besser als bei mir!!! Er darf manchmal nachputzen, leider klappt es arbeitstechnisch oft nicht mit unseren Zeiten überein..
    Ich hab leider selber immerzu irgendwas mit den Zähnen, genau wie meine Mutter.. aber nie einfach nur Löcher, immer gleich irgendwelche dicken Dinger 😅 Daher mache ich mir noch mehr Gedanken..

  3. Ich habe meinen Kinder die Zähne nicht mit Gewalt geputzt und lasse sie schon sehr lange alleine Putzen und putz regelmäßig mit Singen nach. Das geht ganz gut. Allergins hatte mein Sohn letztes Jahr mit 5 insgesamt 7 (!) Löcher und jetzt einen „Piratenzahn“… Aber es ist vermutlich wirklich veranlagung. Meinem SChwager ging’s wohl ähnlich als Kind, mein Mann hat auch sehr schlechte Zähne, trotz regemäßigem Putzen (viel mehr als ich), wohingegen ich mit meinen 35 Jahren 1 (!) Füllung habe…!

  4. Also ich muss sagen das ich ab einem bestimmten Alter auch ein Zahnbürstenverweigerer war.
    Irgendwann hatten wir den passenden Zahnarzt gefunden der mit viel Humor und Spaß mir die Angst vorm Zahnarzt und auch das Zähneputzen beigebracht hat.

    Also es nicht gleich immer Hopfen und Malz verloren.

    lg
    Sandro

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