Zähne putzen sollte niemals Zwang sein (& unser erster Zahnarztbesuch)

Zähne putzen sollte niemals Zwang sein (& unser erster Zahnarztbesuch)

5. Juli 2017 5 Von Lisa

In einer Apotheken Zeitschrift kursiert ein Artikel , in dem dazu geraten wird, (Klein-)Kinder ‚liebevoll‘ zu fixieren und gegen den Willen die Zähne zu putzen – denn: „Zähne putzen ist ein absolutes MUSS“, so sagen es die „Expertinnen“ in diesem Artikel.

Warum ich davon absolut nichts halte, wie unsere Zahnputz-Routine ist und wie unser erster Zahnarztbesuch vor einigen Wochen war, möchte ich euch heute erzählen.

Zähne putzen

Zahnpasta mit Xylit. Lavera ohne und Nenedent mit Fluorid.

Muss Zähne putzen – ohne wenn und aber – wirklich sein?

Nein!

Wenn ein Kind deutlich zeigt , dass es dies nicht möchte (und jegliche spielerische Überredungskünste haben versagt), dann ist dies zu akzeptieren.
Ein Nein eines Kindes sollte immer ernst genommen werden!

Viele sagen immer „Es ist aber wichtig, dass die Zähne gesund bleiben, daher benötigt es die Zahnpflege!“

An sich ein ganz logischer Einwand – aber, was ist , wenn das Kind trotz täglichem Zähne putzens Karies oder anderes bekommt?

Gehen wir also mal davon aus, dass ein Mensch schon zu kariogenen Zähnen neigt, nun kommen die Eltern und fixieren das Kind (Kind hat dadurch natürlich schon Angst, versteift, schreit, weint, versucht sich zu wehren) und putzen gegen den Willen des Kindes die ohnehin schon kaputten Zähne (damit möchte ich nicht sagen, dass erkrankte Zähne nicht geputzt werden sollten!).

Was wird dabei dem Kind signalisiert?

  • Dein Nein ist nichts wert
  • Wir sind immer stärker als du
  • Du darfst dich nicht wehren

Wer jetzt einen Schritt weiter geht, wird die Konsequenzen dieser Handlung sehen können:

  • Das Kind wird sich nicht mehr (oder weniger) wehren, wenn es das sollte (Gefahrensituation)
  • Dem Kind wird signalisiert, dass es weniger wert ist und hat dadurch für das weitere Leben mit dem Selbstwertgefühl zu kämpfen
  • Dem Kind wird vorgelebt, dass es in Ordnung ist, gegen den Willen, Gegenstände in den Mund (oder auch andere Körperöffnungen) zu stecken (und wird ggf sich nicht zur Wehr setzen, da es gelernt hat, dass die Anderen stärker sind)

Es sind alles Möglichkeiten und keine in Stein gemeißelte Fakten, die auf jeden einzelnen Menschen genau so zutreffen werden – aber(!) , alleine diese Möglichkeiten sind so ernst zu nehmen, um sie nicht erst herauszufordern.

Kein Mensch der Welt, sollte so etwas erfahren müssen (Gegenstände in den Mund oä gesteckt bekommen) „nur“ weil jemand anderes meint, die Zähne könnten etwas sauberer sein.
Kein Mensch der Welt, sollte sich so ausgeliefert , Machtlos, Wertlos und Schwach fühlen, weil jemand anderes meint, er könne die Macht über einen anderen Körper erlangen!

Die heutige (Zahn)Medizin ist so weit, dass es „ein Klacks“ ist, die Zähne zu heilen – dies wird mit Sicherheit auch günstiger, als eine Therapie , die meist erst später im Erwachsenenalter in Anspruch genommen wird, da der Mensch erst dann merkt, dass diese Handlungen nicht „normal“ waren und tiefe Wunden in der Psyche hinterlassen haben. (Auch hier wieder: ein kann, kein muss. Viele Erwachsene merken auch gar nicht, dass es nicht richtig war, was ihnen geschehen ist, da ihnen ja etwas anderes eingetrichtert wurde. Ich möchte hiermit sagen: NEIN! Es ist niemals normal, einen anderen Menschen zu irgendetwas zu zwingen, ihn gewaltsam festzuhalten, ihm irgendwas in Körperöffnungen zu stecken!)

Können Menschen Karies oder ähnliches nur bekommen, wenn unregelmäßig , oder gar nie, geputzt wird?

Nein!

Ich kenne sehr viele Menschen, die absolut regelmäßig putzen, auf ihre Ernährung achten, Zahnseide, Zahnspülung und sonst was nutzen, und immer wieder Probleme mit Zahn und Zahnfleisch haben.
Es ist auch eine Sache der genetischen Veranlagung, und kann auch einfach durch einen kleineren Unfall geschehen.

Meine Tochter hat einen Zahnschmelzdefekt und hat dadurch ein erhöhtes Risiko Karies zu bekommen.

Dieser Zahnschmelzdefekt kam nicht nur zu weniges putzen, zu säurehaltige Lebensmittel, sondern ganz simpel: sie fiel hin, auf ihre gerade herauskommenden Schneidezähne. Zahnschmelz kaputt, Schneide Zähne bröckeln ab.

Ist scheiße, ist passiert, wir versuchen das Beste draus zu machen.

Und das ist: sie putzen zu lassen, nachputzen lassen will sie nicht (unangenehm) und wenn sie keinen Bock hat, dann bekommt sie einen Löffel Xylit und dann war das unsere „Zahnputzroutine“ für sie.

Was sagt der Zahnarzt dazu?

Vor einigen Wochen waren wir bei unserem ersten Zahnarztbesuch.

Ich habe vorher erklärt wohin wir gehen, was gemacht wird (Arzt möchte die Zähne zählen, das machen wir oft zusammen) und dadurch lief wirklich alles sehr entspannt ab. Und das obwohl meine Kinder bei Ärzten bzw fremden Menschen absolut unkooperativ sind.

Arzt hat uns nichts neues gesagt als wir ohnehin schon wussten: Zahnschmelzdefekt.

Nun hatte ich natürlich doch bedenken ob das wenige Zähne putzen weiteren Schaden angerichtet hat – absolutes Gegenteil. Beide Kinder haben wunderbare Milchzähne und selbst beim Zahnschmelzdefekt (den es nun seit etwa 1,5 Jahren gibt) ist kein Karies.
Auch zu erwähnen ist, dass ich meine Tochter noch stille, womit ich auch nochmal sagen möchte, dass Muttermilch nicht kariogen ist – wobei dieses Thema gar nicht aufkam beim Zahnarzt.

Natürlich kann es bei Mensch XY ganz anders ausfallen. Natürlich kann ein anderes Kind mit Zahnschmelzdefekt super schnell Karies bekommen obwohl jeden Tag drei Minuten geputzt wird.

Das „kann“ war mir aber niemals so wichtig die Integrität meines Kindes zu verletzen und meine Macht zu missbrauchen damit meine „Angst“ eventuell niemals ernst wird. Denn wer verspricht mir, dass durch ständig geputzte Zähne niemals Karies oder andere Zahnerkrankungen entstehen?

Ist Zähne putzen wichtig?

Ja. Aber niemals so wichtig, um die Würde eines anderen Menschen zu verachten. Nicht so wichtig, einem anderen Menschen Gewalt anzutun. Nicht so wichtig, einen anderen Menschen zu etwas zu zwingen. Nicht so wichtig, ein Nein eines anderen Menschen zu ignorieren.

Zähne lassen sich heilen – zur Not gibt es Prothesen.

Doch gibt es das auch für die Seele?

Möglichkeiten um die Zähne zu putzen/Karies vorzubeugen

  • Mit dem Kind vor dem Spiegel Zähne putzen
  • Gegenseitig Zähne putzen
  • Das Kind selbst putzen lassen
  • Xylit * pur geben (Teelöffel) , Xylit ist Kariesvorbeugend und steckt auch in einigen Zahnpasten
  • Lustige Lieder singen (Milchmonster-Lied ausdenken)
  • Kind selbst putzen lassen und fragen(!) ob nachgeputzt werden darf
  • Zahnbürste selbst aussuchen lassen
  • verschiedene Zahnpasten ausprobieren, ggf liegt es am Geschmack

Ich persönlich(!) würde dem Kind nicht im Schlaf die Zähne putzen – denn was das Kind im wachen Zustand nicht möchte, sollte nicht in einem Zustand gemacht werden, wo der Mensch noch hilfloser ist als ohnehin schon. Aber das entscheidet, wie alles andere auch , jedes Elternteil für sich.