Wieso dein Kind ganz genau weiß, was ihm gut tut.

Gut tut

Ich lese oft, dass vor allem Kindergärten für viel Struktur und starre Regeln sind.
Vor allem was das Kind betrifft: Essen, Schlafen, Bewegung etc

Heute geht es mal speziell ums Thema Essen.

Viele – wenn nicht sogar die meisten – Erwachsenen sind sich einig: ein Kind muss probieren, ein Kind muss sitzen bleiben, ein Kind muss still sitzen, ein Kind muss aufessen. Und was für viele das allerwichtigste ist: ein Kind muss zu geregelten, also festen, Zeiten essen.

Es fängt schon im Babyalter an, dass gesagt wird, dass ein Rhythmus von vier Stunden optimal ist. Und da auf der Brust keine Messlatte ist, gibt das Füttern per Flasche nochmal mehr Kontrolle.

Weiter geht es dann im Kleinkindalter, wenn das Kind drei große Mahlzeiten und zwei Zwischenmahlzeiten zu sich nehmen soll. Wenn es zum Essen keinen Hunger hat, wird es entweder gezwungen oder es muss warten, bis es die nächste Mahlzeit gibt.

Das natürliche Hungergefühl wird durch diese Methoden abtrainiert – und auch das Sättigungsgefühl kann dadurch geschädigt werden. Vor allem Menschen, welche gezwungen wurden aufzuessen, leiden heute noch darunter, dass sie kein natürliches Sättigungsgefühl mehr haben, oder es erst dann eintritt, wenn es eigentlich schon ‚zu spät‘ ist und Bauchschmerzen sich ankündigen.

Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser

Dieses Sprichwort, oder was es auch immer ist, kennt doch sicherlich jeder. Und auch im Bezug zum Essen wird den Kindern nicht vertraut, dass sie dann essen, wenn sie Hunger haben.

Natürlich sollte unbedingt nach einer Ursache geschaut werden, sollte ein Kind über längerem Zeitraum keinen Hunger haben – Stress (durch Zwang und Druck von außen) kann eine Ursache sein oder aber auch eine Erkrankung. Beobachtung sollte also hier angebracht sein.

Ein Kind isst kleinere Mengen als ein Erwachsener – der Magen ist natürlich dem kindlichen Körper angepasst. Auch isst ein Kind noch ganz nach seinen (körperlichen) Bedürfnissen. Z.B. hat der Körper ein „System“ der sagt „Eisen fehlt“, und das verleitet dann zum essen von eisenhaltigen Lebensmitteln. Dies ist bei vielen Lebensmitteln so, wo es uns Erwachsene innerlich schüttelt – Eltern berichten von ihren Kindern, welche pure Butter essen etc.

Kinder holen sich also genau das, was sie brauchen.

Bitterrezeptoren sollen warnen

Wer kennt es nicht? Kinder wollen einfach kein Gemüse essen – jedenfalls etwas bitteres , meist grünes Gemüse.
Woher kommt das? Ganz einfach: Bitterrezeptoren können vor dem Verzehr warnen , dass etwas giftig ist. Menschen essen also von Natur aus eher süße Speisen, denn die Gefahr, dass etwas süßes giftig ist, ist gering(er).

Menschen verhungern nicht vor der gefüllten Buffet

Kein Mensch wird jemals vor einem gefüllten Buffet verhungern – auch hier wieder: ja natürlich kann es Gründe haben, warum und wieso jemand tatsächlich nichts isst! – und genauso wird auch kein Kleinkind verhungern, wenn immer etwas greifbar ist bzw immer angeboten wird. Es liegt nicht in der Natur des Menschen, dass jemand (ohne Erkrankung) daran erinnert und dazu gezwungen werden muss, Nahrung zu sich zu nehmen. Es ist ein ganz natürliches , angeborenes und überlebenswichtiges Bedürfnis, dass der Mensch etwas isst. Und auch Babys, Kleinkinder, etc haben dieses Gefühl dafür, wann sie Hunger haben und wann sie satt sind.

Dazu braucht es keine Belehrungen von Erwachsenen und auch keinen Zeitplan – all das geschieht von ganz alleine.

Gut zu beobachten ist es bei Säuglingen, welche nach Bedarf gestillt bzw gefüttert werden – sie machen sich von selbst bemerkbar (winden, später auch schreien und weinen) , sobald sie Hunger haben. Wird immer dann auch reagiert und das Bedürfnis gestillt, dann wird sich das Baby genau das und auch genau die perfekte Menge holen, die es braucht. Und das ist mal öfter am Tag und mal etwas weniger.

Füttert man das Baby nach der Uhrzeit , dann lernt das Baby, dass es sein Hungergefühl ignorieren muss, da es sowieso noch nichts bekommt. Das zieht sich dann auch durch die Kleinkindzeit, in der es auch um bestimmte Uhrzeiten etwas zu Essen bekommt. Mit der Zeit wird das Kind nicht mehr wissen, wann es wirklich Hunger hat , sondern isst weiterhin nach vorgegeben Zeiten – zur Not „hungert“ es bis zu nächsten Mahlzeit, da es noch keine „Essenszeit“ ist.

Nächtliche Nahrungsaufnahme ist normal und wichtig

Wie ich auch schon in dem Artikel über das Schlafverhalten von Babys und Kleinkindern schrieb, ist es normal und sogar sehr wichtig, dass Babys und Kleinkinder auch Nachts Nahrung in Form von Muttermilch oder Pre (oder halt andere Nahrungsmittel) zu sich nimmt.

Vor allem Nachts arbeitet das Hirn eines Menschen sehr stark – es wächst, verarbeitet, der Körper wächst. Der ganze Reifungsprozess eines Babys/Kleinkindes findet vor allem Nachts statt. Das benötigt Energie und Energie holt sich ein Mensch nicht nur durch Ruhe, sondern auch durch die Nahrungsaufnahme.

Wem also gesagt wird, dass das Baby/Kleinkind Nachts ab sofort nichts mehr zu trinken (außer Wasser) bekommen soll, sollte auf diesen „gut gemeinten Ratschlag“ lieber verzichten. Es mag anstrengend sein , dass das Kind nicht durchschläft und Nachts etwas zu trinken/essen fordert, doch es ist für die (Gehirn)Entwicklung unglaublich wichtig, dass das Kind mit Nahrung versorgt wird.

Vertrau deinem Kind

Vertraue deinem Kind. Und wenn du Angst hast: Lass die Blutwerte kontrollieren. Stelle viel abwechslungsreiches Essen zur Verfügung, biete vor allem Sachen an, wo du weißt, dass dein Kind es gerne isst.

Lasse deinem Kind das natürliche Hunger- und Sättigungsgefühl und vertraue darauf, dass sich dein Kind das holt, was es gerade braucht.

Denn es ist viel wichtiger, dass deinem Kind diese natürlichen Gefühle beibehalten bleiben, als das jemand sagt, wann dein Kind Hunger haben muss und wie viel es von was gegessen hat. Es geht letzten Endes nämlich um das Wohlbefinden deines Kindes und nicht um die Komfortzone eines anderen Menschen – im übrigen entscheiden genau diese Menschen (Kinderärzte, Erzieher etc) ganz alleine wann sie etwas essen, und würden sicherlich nicht absichtlich Hungern, wenn es noch 2-3 Stunden bis zur nächsten Mahlzeit ist – und wenn sie das ehrlich tun, dann ist es einfach reichlich dumm *sorry not sorry* seine Bedürfnisse so komplett zu ignorieren und seinem Körper, seinem eigenen Wohlbefinden so zu schaden.


Quellen:

http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-7394-2007-11-15.html

4 Kommentare

  1. Ich erlebe das so gar nicht. Bei uns im Kindergarten wird ermutigt zu probieren, aber nie gezwungen. Keiner muss aufessen, was ja auch total unsinnig wäre, wie Du auch beschreibst. Nehmen sich die Kinder selbst auf, wird darauf geachtet, dass sie sich nicht viel zu viel auf den Teller nehmen, was sie nicht essen würden. Verschwendung von Lebensmitteln soll vermieden werden, was ich einen wichtigen Punkt finde.

    Wir genießen Essen hier zuhause als gemeinsame Familienzeit. Während die Kinder essen, bleiben sie auch sitzen. Wenn sie fertig sind, dürfen sie gerne aufstehen – oder wollen manchmal noch bei uns sitzen bleiben und sich weiter mit uns unterhalten. Mittlerweile haben sie natürlich ganz automatisch einen gewissen Rhythmus bei den Mahlzeiten; nicht so bei den „Zwischenmahlzeiten“, wozu auch? Klar ist manches auch einfach von äußeren Faktoren abhängig, aber sie sind weder Babies noch Kleinkinder mehr. Sie sind eben Kindergartenkinder und bald ist eine sogar Schulkind.

    Ich finde es einen Unterschied, ob man von Babies und Kleinkindern oder von Kindergartenkindern spricht und die hier den Kindergärten zugeschriebenen negativen Punkte habe ich noch nie mitbekommen – weder bei uns noch im Freundes- und Bekanntenkreis.

    • Mit drei Jahren ist auch ein Kindergartenkind ein Kleinkind. Und es geht mir auch nicht speziell um den Kindergarten – aber vor allem lese ich von strengen Kindergärten, die es so handhaben – sondern halt um die Haltung gegenüber dem Essen im allgemeinen . Wenn es nicht probieren möchte, sollte es akzeptiert werden. Wenn es nicht aufessen möchte ebenso.

      Es gibt halt nicht nur tolle und nicht nur schlechte Kindergärten – und ersetze Kindergarten durch Krippe . Das sind tatsächlich auch noch Babys und Kleinkinder.

      Ich wollte mit dem Beitrag nicht sagen: nehmt eure Kinder aus dem Kindergarten

      Sondern: gebt den Kindern die Zeit die sie brauchen um neue Sachen zu probieren, lasst sie essen, was ihnen schmeckt und zwingt sie nicht .

  2. Ich hab das so echt nich von keinem Kindergarten gehört, das wäre ja krass. Bezog mich nur darauf, weil Du gleich am Anfang schreibst „vor allem Kindergärten“. Das irritiert mich einfach.

    • Ja ich höre es sehr oft . Und kenne es auch selbst noch aus meiner Kindergartenzeit bzw allgemeinen Kindheit .

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