Selbstbestimmung ist kein Feind!

Mein Artikel über Selbstbestimmung, AP und Unerzogen macht gerade die Runde – Danke Ruth fürs teilen. ❤

Und immer und über all ist dieses große Wort „Selbstbestimmung“ – der Feind aller Eltern.

Wie viel Selbstbestimmung ist gut? Wie viel Fremdbestimmung muss es sein? Und ab wann muss mehr Selbstbestimmung und weniger Fremdbestimmung sein?

Und laufen unsere Kinder wirklich mit der Bierflasche und Kippe in der Hand über eine viel befahrene Straße , weil sie von der Glotze viereckige Augen haben?

Ein Mensch hat Grundbedürfnisse – Essen, Trinken, Schlafen, Nähe, Toilette/Hygiene..

Alles andere ist sozusagen Luxus – braucht kein Mensch, haben wir trotzdem.

Streitthemen sind immer wieder Fernsehen, Schlafen, Stillen, Essen.

Ich hoffe , dass mittlerweile viele oder am besten jeder, weiß, dass gezwungene Mahlzeiten absolut ungesund sind. Das Recht Nahrung aufzunehmen , sollte jeder zu jeder Zeit haben. Hungern lassen oder Essen aufzwingen weil „Essenszeit“ ist, oder halt auch nicht, ist absolut Menschenunwürdig. Darauf gehe ich hier auch nicht weiter ein , denn ich denke ihr stimmt mir zu.

Beim Schlafen ist es wieder ein sehr kritisches Thema – können Kinder selbstbestimmt schlafen gehen? Sind sie kompetent genug um zu verstehen, dass jetzt Schlafenszeit ist? Wissen sie, dass sie eigentlich schon müde sein sollten?

Lustigerweise lassen wir Babys auch selbstbestimmt schlafen – die schlafen ja sowieso sehr viel , die könnten wir nicht wachhalten.

Doch sobald sie aktiver werden, krabbeln, laufen usw – da muss dann ja die Notbremse gezogen werden und dem Kind wird ein Rhythmus aufgezwungen – und meistens nur, damit ich als Elternteil Zeit für mich habe. Oder weil ich ja weiß, das mein Kind müde ist – nur es selber erkennt es einfach nicht.

Genauso wie ein Baby sich den Schlaf holt, den es braucht und auch dann schläft , wenn es müde ist , so machen es auch ältere Kinder. Oder sogar auch Erwachsene.

Dann das Streitthema schlechthin : Fernsehen.

Es gibt absolut nichts was so schlimm ist für unter Dreijährige wie der Fernseher. Es ist, als würden Aliens in dem Teil hausen, die nach und nach die Kinderseele durch den Bildschirm in ihr UFO ziehen. Und was übrig bleibt ist eine leere Körperhülle, die Tagelang nichts anderes macht als vor der Glotze zu hängen – sogar wenn das Teil ausgeschaltet ist!

Mal ehrlich – ernsthaft?

„Kinder brauchen keinen Fernseher“

Dem stimme ich zu. Genauso wie niemand einen Fernseher braucht. Oder ein Handy. Bücher, Zeitschriften, Schokolade, Kaffee, Deko, Stühle, Toiletten, Möbel, Spielzeug…

Das sind alles Luxusartikel. Kein Mensch braucht sowas. Wieso besitzen wir sie dann?

Weil wir es können – und weil wir es wollen.

Wenn ich nicht möchte, dass mein Kind irgendwelche Strahlen abbekommt – dann kaufe ich solche Sachen nicht. Denn eigentlich ist es ziemlich egal ob ich mein Kind mit 2 Jahren Fernsehen lasse oder mit 15. die Strahlen oder die Kinderseelen-stehlenden-Aliens werden so oder so auf den Menschen treffen.

Was also tun? Fernseher steht nun also im Wohnzimmer, darf aber nicht benutzt werden – ziemlich beknackt eigentlich. Wieso kaufe ich Sachen, die niemand – außer natürlich die Erwachsenen – benutzen darf?

Klar, es gibt Sachen, die dürfen auch meine Kinder nicht haben. Rasierer zum Beispiel.

Auch selbstbestimmtes Fernseh gucken klappt bei unter Dreijährigen (ich weiß ehrlich nicht mal wieso die Zahl drei?! Ist das Kind ab da urplötzlich irgendwie fähiger ? Mehr Mensch?)

Es ist jedem selbst zu überlassen ob man dem Kind Selbstbestimmtheit zugesteht oder nicht. Aber seht das Kind doch nicht als inkompetent und „auf jeden Fall verdummt“ wenn es Fernsehen schauen darf!

Ein Kind hat einen Bewegungsdrang und will Sachen erforschen und will ganz sicher nicht nur vor der „Glotze“ hängen. Natürlich gibt es Menschen , die ‚parken‘ ihre Kinder vor den Tv damit sie ihre Ruhe haben und auch nichts unternehmen müssen – aber dass das nicht damit zu vergleichen ist, dass ein Kind sich selbstregulieren kann und neben dem Tv schauen noch zig andere Aktivitäten hat, ist doch hoffentlich klar.

Nicht die Selbstbestimmung ist unser Feind – sondern das mangelnde Vertrauen in unsere Kinder, weil wir (wahrscheinlich) selbst auch zu wenig Vertrauen von unseren Eltern bekommen haben.

Dies ist jetzt eher ein kleiner Rant gewesen – aber dennoch auch ein Appell an Eltern. Fernsehen ist genau der Luxus wie ein Bilderbuch oder (Plastik) Spielsachen – jeder muss für sich entscheiden, was er seinen Kindern geben oder nicht geben möchte.

9 Kommentare

  1. Ich weiß auch nicht, warum die magische Zahl drei immer überall rumschwirrt. Steht aber z.B. auch auf fast allen Wimmelbüchern, die mein Kleiner mit Freude durchblättert 😉

    • Weil manche Menschen einfach einen Grund brauchen um an etwas festhalten zu können. Das Alter ist doch perfekt dafür.

      Ich nehme es keinem Übel – genauso wie ich es keinem Übel nehme, wenn er/sie nicht selbstbestimmt leben will. Aber es zu verteufeln finde ich einfach daneben – da stecken einfach zu viele Glaubenssätze drin , falsche Theorien etc. Das verbreitet dann immer nur Unsicherheiten

  2. Ich stimme dir zu. Aaaaber meine 4-jährige guckt seit 40 Minuten selbstbestimmt TV und ich vermute sie tut das bis zum Abendessen. Ich mag dieses „selbstbestimmt“, glaube aber nicht, dass es für jedes Kind in jedem Bereich geeignet ist und das bestätigen meine Kinder immer wieder. Irgendwann muss ich abschalten, sie würde das nämlich nicht tun. Wir haben das unzählige Male probiert. Und sie wird sonst nie vor der Glotze geparkt, sondern bastelt, spielt, hört Musik. Ich hab nichts dagegen mal vor dem TV zu entspannen, so wie wir Erwachsene das ja auch nutzen, wenn wir k.o. sind und keine Lust auf etwas anderes haben, aber eben nicht den ganzen Tag.

    • Aber eigentlich ist es dann ja deine Erwartung dass sie das von alleine beenden. Genau dann tun sie es nämlich auch nicht .

      Und sowieso zu erwarten „ich lasse mein Kind selbstbestimmt XY machen damit es aber nach 20 min selbstbestimmt aufhört“ das sind Erwartungen die werden halt nie erfüllt. Selbstbestimmt heißt halt nicht, dass ein Mensch es nur eine gewisse Zeit macht. Selbstbestimmt bedeutet, dass es das solange macht, bis es nicht mehr will. Und das ist ja auch von Tag zu Tag anders. 🙂

      Aber dass einige oder viele damit nicht umgehen können – weil sie vielleicht auch ein Stück weit Kontrolle haben wollen – dann ist das für diese Familie halt das richtige . Ich kenne solche Tage, wo ich mich frage „Muss es jetzt die ganze Zeit sein?!“ Aber da habe ich halt ein Problem mit mir selbst und nicht mit meinem Kind oder dem Fernsehen ..

      • Ja genau, denn es ist hinterher auch mein Problem, wenn das Kind aufgrund von nur TV unausgeglichen ist. Und jeden Tag so lang TV hat definitiv Auswirkungen, wie Studien belegt haben. Und ich geb meinem Kind ja auch nicht uneingeschränkt Süssigkeiten oder Cola, weil es auf Dauer nicht gut ist. Am Ende tragen nämlich wir Erwachsenen die Verantwortung dafür (weil mein Kind z.B. die 2000Fr. für eine Zahnbehandlung mit Narkose nicht bezahlen kann). Selbstbestimmt hat seine Grenzen, denn oft überschreitet es dann nämlich meine. Und natürlich ist das mein Problem. In einer Gemeinschaft können nicht alle machen, wie es für sie gut ist, sondern man muss ab und zu auch auf andere Rücksicht nehmen oder eben deren Grenzen wahren, sonst wird es schnell ätzend. Wir sind einfach häufig fremdbestimmt, sonst könnten wir nicht arbeiten oder Geld verdienen, Termine wahrnehmen usw. Das hat für mich nichts mit Kontrolle zu tun, die ich dann gern über mein Kind hätte oder die ich ungern abgebe.

        • Liebe Barbara – mein Kommentar hat leider zu viel Interpretationsspielraum gelassen. Ich habe es nicht auf dich bezogen. Ich kenne dich ja nicht, somit möchte ich mir nicht anmaßen zu behaupten du willst die Kontrolle haben 😉
          Entschuldige, falls dich das aufgebracht hat – ich werde mich in Zukunft hoffentlich besser ausdrücken können.

          • Du hast mich doch nicht aufgebracht, sorry, wenn es so klang. Man kann den Ton leider nicht mitlesen, ich bin absolut ruhig und freundlich.
            Ich weiss du möchtest zum nachdenken anregen. Ich habe das dann halt getan und mich gefragt, warum es nicht funktioniert bei uns.
            Ich glaube Dinge, die in der eigenen Familie funktionieren, funktionieren bei anderen nicht. Familien sind so verschieden wie ihre Mitglieder es sind. Und im Grunde finde ich Selbstbestimmtheit keine schlechte Idee, aber sie würde mich an meine Grenzen und darüber hinaus bringen, weil Kleinkinder nur bedingt Rücksicht nehmen können. Und irgendwann ist niemand mehr zufrieden. Ich finde Partizipation schöner gesagt, die Kinder dürfen mitbestimmen, aber irgendwo ist bei jedem Menschen eine Grenze erreicht.
            Vielleicht hast du ja mal Lust so einen Tagesablauf von euch aufzuschreiben, damit man sieht wie weit und wo ihr das im Alltag so umsetzen könnt. Vielleicht denke ich einfach irgendwie zu weit oder stelle mir da was völlig falsches drunter vor.

  3. Das würde ich auch gern mal lesen. Manche Dinge auf deinem Blog finde ich interessant, bei diesem Thema hier kann ich Baraba´s Kommentar absolut teilen. Ich empfinde Selbstbestimmung bei Kindern als ein Muss, damit sie wie der Name sagt, mitbestimmen dürfen, ihre Persönlichkeit entfalten können, Selbstbewusstsein entwickeln, merken, dass sie auch etwas bewegen können, zu sagen haben. Wie die Erwachsenen. Das nicht immer über sie bestimmt wird. Aber dieses sollte Grenzen haben, denn auch meine Tochter-und jede Mutter kennt sein Kind am besten-würde bestimmt 2-3 Stunden gucken, wenn ich den Fernseher nicht nach einer gewissen Zeit abschalten würde. Es sind nicht umsonst Kinder, denn sie lernen noch, sammeln Lebenserfahrungen. Wenn sie allerdings 2-3 Stunden Fernsehen, ist es erwiesen dass das nicht gut ist und dennoch würde sich zunächst keine negative Konsequenz für die Kinder darstellen, was ihnen zeigen würde, ok das ist vielleicht nicht so gut gewesen. Hier sind die Erwachsenen gefragt, die dem Kind einen „Spielraum“ geben, aus dem Wissen heraus, das zuviel Fernsehen für Kinder nicht gut ist.(siehe Studien).

    Ich denke im Übrigen nicht, dass das Fernweh-Wollen sich jeden Tag signifikant unterscheiden würde, meine Tochter würde gern jeden Tag mindestens einen ganzen Film und dann noch ein paar Sendungen gucken, wenn sie könnte.

    Dass es schon einen Unterschied macht, ob ich das Kind mit 2 oder mit 15 Jahren fernsehen lasse, ist klar, mit 15 ist ein Mensch und seine Sinne viel weiter entwickelt und kann Reize natürlich ganz anderes aufnehmen. Die Bildfolge ist für viele Kleinkinder zu schnell, als das sie diese überhaupt verarbeiten können.

    Insgesamt aber ein sehr gutes Thema, mit dem man sich auseinandersetzen sollte.

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