Die Angst vor Selbstbestimmung

Die Angst vor Selbstbestimmung

10. Dezember 2016 7 Von Lisa

Meine Kinder dürfen selbstbestimmt fernseh gucken, Süßigkeiten essen und schlafen gehen.

Und gerade überlegte ich, warum so viele Eltern ,oder auch nicht-Eltern , etwas gegen diese Art von Selbstbestimmung haben.

Die letzten Tage oder eigentlich Wochen, schaut meine knapp 2,5 jährige viel TV. Oft so viel, dass ich an meiner Einstellung zu diesem Thema zweifle – doch wie eben erwähnt, habe ich nachgedacht.

Selbstbestimmt fern schauen , das ist doch gar nichts schlimmes.

Es wäre doch wie: selbstbestimmt spielen, malen, basteln , lesen, klettern , Quatsch machen, lachen, weinen, wasauchimmer.

Wenn selbstbestimmtes Fernseh gucken schlecht ist – was ist dann am bestimmten malen, basteln etc. gut?

Wieso sind all die Sachen gut, die wir wollen , dass sie unsere Kinder machen?

Wieso soll mein Kind malen – damit wir sagen können „Toll, du malst ja!“ ?

„Fernsehen verblödet. Die Kinder sitzen ja nur davor und machen nichts.“

Stimmt nicht.

Das Gehirn arbeitet durchgehend – auch beim malen, lachen, toben etc.

Natürlich ist es einfacher gesagt, dass Kinder etwas lernen, wenn man selbst dann auch ein Ergebnis (z.B. ein buntes Bild) sieht. Doch müssen alle Aktivitäten , die mein Kind hat, einen Nutzen bringen? Muss mein Kind dauerhaft etwas lernen und Ergebnisse dessen vorzeigen können – oder darf es auch einfach Mensch sein und mal vor der Glotze hängen, wie Muddi und Vaddi es Abends auch machen?

Viele Menschen – wenn auch nicht alle – sind dafür, dass die Kinder nicht extra gefördert werden brauchen. Und ja, da geh ich voll mit!

Doch wieso müssen sie dann in den Augen der Eltern nur pädagogisch wertvolle Aktivitäten machen? Wieso wird so hartnäckig auf dieses „Es soll ein Kind bleiben“ gepocht? Ist mein Kind nur ein Kind, wenn es draußen und drinnen spielt, läuft , malt, lacht, bastelt , badet, Unsinn macht?!

Mein Kind ist auch ein Kind, wenn es wie zig andere Menschen mal vor dem Fernseher hängt als über einem Buch oder einem leeren Blatt  Papier.

Mein Kind wird noch genügend leere Blätter mit Farbe füllen, noch genug Experimente in der Natur oder in Mamas Küche vollbringen – doch mein Kind darf nicht nur Kind sein, sondern auch Mensch. Und in unserer jetzigen Zeit gibt es auch den Fernseher,Tablets, Handys und ich weiß nicht was noch.

Ein Kind braucht nicht nur pädagogisch wertvolle Dinge machen. Wo bleibt der Spielraum zwischen Kind zu sein und Kind sein zu müssen?

Wenn in mir die Aussage aufkommt: „Kinder sollten keinen TV schauen“ – dann frag ich mich, wieso denn nicht?

Wieso sagen wir einerseits, dass Kinder gleichwürdig behandeln werden sollen, aber andererseits dürfen sie nur Kind sein?

Wieso sind die o.g. Dinge nur Kindgerecht? Darf ein Kind nur diese Sachen machen um den Status „Kind“ zu tragen?

Ist es nicht viel wichtiger, dass wir unser Kind nichts als Kind, sondern als Menschen sehen? Meine Kinder tragen den Status „Mensch“ und brauchen nicht „Kind sein“ – es erfreut mich, wenn sie einfach Mensch-sind. Wenn sie leben. Wenn sie gleichwürdig behandelt werden – in allem und nicht nur in pädagogisch Wertvollem.

Wovor haben wir Angst? Das unser Kind „dumm“ wird? Das unser Kind nicht mehr malen will – so wie wir es gerne hätten – sondern das tut, was es gerade möchte, nämlich Fernsehen schauen?

Es ist für mich so kontrovers , wenn gesagt wird, dass wir unser Kind gut so finden , wie es ist – und andererseits wollen wir es so formen , wie wir denken, das ein Kind so sein muss. Verspielt, kreativ, von morgens bis abends in Bewegung – da passt der Fernseher natürlich nicht mit ins Bild.

Doch ich bin der Meinung, dass ein gleichwürdiges Zusammenleben nur funktioniert, wenn wir unseren Kindern diese Gleichwürdigkeit in allen Bereichen des Lebens zusprechen – und nicht nur in den Bereichen, die wir für das Kind-sein als ideal empfinden.

Was meint ihr denn? Teilt ihr meine Ansicht zu diesem Thema?