Warum es keine liebevolle Erziehung gibt

Warum es keine liebevolle Erziehung gibt

17. November 2016 3 Von Lisa

Liebevolle Erziehung soll zu glücklichen Kindern führen, so versprechen es viele Artikel.
Doch, was bedeutet ‚liebevoll‘ im Zusammenhang mit Erziehung? Was bedeutet überhaupt Erziehung?

Der Erziehungswissenschaftler Wolfgang Brezinka formuliert:

„Unter Erziehung werden Handlungen verstanden, durch die Menschen versuchen, das Gefüge der psychischen Dispositionen anderer Menschen in irgendeiner Hinsicht dauerhaft zu verbessern oder seine als wertvoll beurteilten Bestandteile zu erhalten oder die Entstehung von Dispositionen, die als schlecht bewertet werden, zu verhüten“ (Quelle: Wikipedia)

Ich habe hier schon einmal ausführlicher darüber geschrieben, was Erziehung ist und bedeutet.

Liebevoll als weitere Methode?!

Liebevolle Erziehung bedeutet also Methoden, logische Konsequenzen etc schön zu verpacken.
Denn als erziehendes Elternteil habe ich gewisse Erwartungen an mein Kind. Gewisse Pläne für die Zukunft meines Kindes.

„Ich will doch nur das Beste für mein Kind.“

„Ich möchte es doch nur auf die Zukunft vorbereiten.“

„Lieber ich erziehe mein Kind, als dass es in der Zukunft von jemandem erzogen wird (werden muss).“

„Ich muss meinem Kind etwas beibringen, ansonsten lernt es XY ja nicht und hat in der Zukunft arge Probleme.“

All diese Sätze sind ‚liebevoll‘ verpackt um Erziehung zu rechtfertigen.

Doch es gibt keine ‚liebevolle‘ Erziehung. 

Liebevoll einen Menschen so formen, wie die Eltern es wollen – das geht nicht. Formen, Machtausübung, Grenzüberschreitung – all das kann und wird nicht liebevoll sein.

Erziehung formt. Erziehung lässt einen Menschen nicht so , wie er ist, dieser Mensch wird manipuliert, damit er so ist, wie andere es für richtig halten.
Viele Eltern bezeichnen ihre Erziehung auch als liebevolle Erziehung, wenn z.B. Lange gestillt wird, es ein Familienbett gibt und/oder getragen wird.

Tatsächlich haben diese Dinge nichts mit Erziehung zutun , sondern mit der Lebenseinstellung .

Außer natürlich, ich lasse die Kinder nur im Familienbett schlafen um zu erreichen, dass die Kinder sehr früh schlafen – also um ein Ziel mit einer Handlung zu erreichen.

Es gibt kein ‚liebevolles‘ ausschimpfen, kein ‚liebevolles‘ nachäffen, weil das Kind undeutlich gesprochen hat. 
Es gibt keine liebevollen , absolut logischen Konsequenzen, kein liebevolles manipulieren, kein liebevolles aufzwingen.
Es gibt keine liebevollen, willkürlichen Grenzen, keine liebevolle Gewalt, keine liebevollen Machtkämpfe.

Was es gibt sind liebevolle Handlungen , liebevolle Kommunikation, liebevolles Miteinander. Liebe.

Ob liebevoll, streng, konsequent..

… es ist und bleibt das gleiche: Erziehung.

Und dabei ist es egal, ob ich sonst ganz liebevoll reagiere oder mich selbst als streng und konsequent betitel – bei (willkürlicher) „Grenzüberschreitung“ und Regelverstößen reagieren erziehende Eltern nicht liebevoll. Es gibt Strafen, ‚logische‘ Konsequenzen, strenge, (physische und/oder psychische) Gewalt, persönliche Grenzen werden überschritten, Machtkämpfe werden ausgeübt, das Kind wird erniedrigt etc.

„Man muss das Kind beim Namen nennen“

Wenn mich jemand fragt, wie sich mein ‚Erziehungsstil‘ nennt, antworte ich, dass wir unerzogen leben, es kein ‚Stil‘ ist sondern eine Lebenshaltung.

Würde ich erziehen, würde ich es genau so sagen: „Ich erziehe.“ Es macht für den Menschen keinen Unterschied, ob nun noch „streng, liebevoll, inkonsequent, konsequent“ oder sonstiges ranzuhängen. Es hört sich zwar mit positiven Adjektiven direkt besser an – jedoch macht es Erziehung nicht besser. Erziehung bleibt gleich.

Genau wie ein Geschenk auch das gleiche bleibt, egal ob ihr es in hochwertiges, hübsches Geschenkpapier einpackt oder in einfaches, braunes Packpapier. Es macht es interessanter, aufregender – aber nicht besser oder anders.


Ich möchte damit nicht sagen, dass erziehende Eltern ihre Kinder nicht lieben oder nicht „das Beste“ für ihre Kinder wollen – das ist etwas komplett anderes und steht auch gar nicht zur Debatte. 


Eure Lisa