Über das Müssen & Sollen und warum Mögen viel wichtiger ist.

Über das Müssen & Sollen und warum Mögen viel wichtiger ist.

2. Oktober 2016 3 Von Lisa

In den letzten Tagen (und auch durch ein langes Gespräch mit einer Freundin) habe ich viel über das ‚müssen‚ und ‚sollen‚ in unserer Kommunikation und unseren Anforderungen und Erwartungen an andere Menschen nachgedacht.

Wer hat denn nicht schon einmal den Satz „Ja, da muss man dann halt mal durch.“ oder auch „Weil man das halt muss.“ gehört?

Noch immer bin ich auf der Suche nach ‚man‚ – wer soll das denn sein? Die Gesellschaft?

Aber ist nicht jeder Mensch individuell und somit sollte doch gar nicht verallgemeinert werden. Was für den einen gut ist, ist für einen anderen vielleicht sehr schädlich.

Lernen ist ein Muss?!

Kinder lernen von Natur aus gerne – und sehr viel.

Kinder lernen sitzen, krabbeln, laufen, sprechen. Und wisst ihr was? Das ganz ohne unsere Hilfe – niemand der sagt „Mensch, du mit deinen zwei Monaten sollst jetzt endlich laufen!

Aber wieso sagt das niemand? Weil wir wissen, dass dieser kleine Mensch es in einiger Zeit von selbst lernen wird. Weil ein Mensch sich weiterentwickelt.

Letztens wurde gesagt, dass meine Kinder doch lernen müssen, dass sie keine Angst vor Hunden haben brauchen.

Nur so unter uns – meine Kinder sind beide unter einem Meter groß, nun stellt euch mal vor, es kommt ein zwei Meter Hund bellend auf euch zu gerannt. Hättet ihr Angst? ICH JA!

Und genau so ist es natürlich auch für Kinder – und durch diese negative Erfahrung (bzw die Angst vor bellenden, großen Hunden) bezieht sich dann auf jegliche bellende Hunde. Lautes Bellen soll ja auch gefährlich klingen. Also ist die Reaktion unserer Kinder doch genau richtig!

Es scheint gefährlich zu sein/werden, also fangen sie an zu weinen und laufen zu uns Eltern – denn sie vertrauen uns, dass wir sie beschützen.

Natürlich gibt es die bravsten Hunde – doch muss mein Kind von vornherein wissen, dass Hund 1 friedlich ist und Hund 2 gerne kleine Kinder beißt?

Geduld und Vertrauen – irgendwann werden meine Kinder Hunde mögen. Irgendwann, wenn sie durch all mein Vertrauen , selbst Vertrauen aufbauen können – nämlich zu einem Tier. (Wahlweise könnt ihr hier auch eine andere Person einfügen – denn ist es nicht auch oft in Familien so , dass gesagt wird „XY muss nun aber auch mal lernen, bei jemand anderem auf dem Arm zu sein!“ ?)

Kinder lernen gerne

Eigentlich ist die Überschrift nur die halbe Wahrheit.

‚Menschen lernen gerne‘ – ist doch so, oder nicht?

Erinnert ihr euch noch an eure Schulzeit? Meistens gab es vier bis fünf absolute Hassfächer, doch ein kleines Fach hat sich zu eurem Lieblingsfach entpuppt.

Ihr hattet Spaß in diesem Fach, konntet euch zu diesen Themen Sachen wie durch Zauberhand merken und brauchtet einfach nie dafür lernen.

Seht ihr nun eine Verbindung dazwischen, dass vieles vergessen wird, weil der Mensch lernen musste und das ein Mensch mit viel Spaß, Freude, Leichtigkeit und Engagement freiwillig lernt?

Warum muss ich, wenn ich nicht will?

Viele schreien jetzt „einige Sachen müssen halt sein!“ – Ja zum Beispiel ‚muss‚ ich auf die Toilette , doch könnte ich genauso sagen, dass ich auf die Toilette möchte, weil ich mich entleeren möchte.

Solche Beispiele lese ich immer und immer wieder in hitzigen Diskussionen zwischen erziehenden und unerzogenen Eltern.

Die Sache mit dem Muss.

Es gibt unglaublich viele Dinge, die (vor allem) Kinder angeblich machen müssen und sollen :

  • Früh durchschlafen
  • Ordentlich sein
  • Immer ‚ordnungsgemäß‘ angezogen sein 
  • Gehorchen
  • Nicht widersprechen 
  • Am besten keinen eigenen Willen haben
  • Leise sein
  • Es gibt noch unendlich viele Sachen ..

Was muss ich wirklich und was kann ich eigentlich in meinem Leben alles selbstbestimmt machen, wenn doch eigentlich alles ein muss ist?

Ich kann mir doch mein Leben so gestalten , wie ich es möchte – solange ich dafür keine anderen Menschen bzw Lebewesen gefährde.

Es gibt zu allem eine Alternative um sich das Leben zu schaffen, dass man gerne führen möchte und nicht, welches man führen soll.

Ich möchte ein Leben führen, welches sich für mich lohnt zu leben. Welches mich glücklich macht (und meine Kinder natürlich auch). Ich lebe nicht dafür, um andere glücklich zu machen . Ich lebe nicht, um mich allen und allem anzupassen. Ich lebe um der Mensch zu sein, der ich sein möchte. 

Und genauso wie ich nicht möchte, dass mir jemand sagt , was ich machen soll und muss , versuche ich genauso zu anderen zu sein. 

Es ist ein langer Prozess , viele alte Glaubenssätze und eine Menge Selbstreflexion. Doch dieser Prozess verschafft meinen Kindern und mir ein Leben, mit welchem wir glücklich sind. Frei. Ohne müssen und sollen – sondern leben wollen.
Wie seht ihr das? 

Eure Lisa