Wieso wir Erwachsene nicht ändern und was du ändern kannst

Wieso wir Erwachsene nicht ändern und was du ändern kannst

13. Juni 2016 4 Von Lisa

Ich saß eben an der Nähmaschine um ein Oberteil für meine Tochter fertig zu nähen. Beim Nähen kann ich gut abschalten – dachte ich und habe die ganze Zeit über eine Diskussion nachgedacht – dazu kommt noch ein zusätzlicher Beitrag.

Kennt ihr diesen Spruch: Du kannst andere nicht verändern, sondern nur dich selbst. (oder so Sinngemäß.)

Ghandi sagte auch : Verändere dich selbst

Du musst die Veränderung sein die du in der Welt sehen willst.

Als Menschen liegt unsere Grösse nicht in dem wie wir die Welt erneuern können, das ist ein Mythos des Atomzeitalters, sondern in dem wir uns selber erneuern.

Wenn man sich selbst verändert dann verändert man die Welt. Wenn du dein Denken veränderst dann veränderst du wie du reagierst und wie du handelst. So wird sich auch die Welt um dich herum verändern. Nicht nur weil du die Umwelt mit anderen Augen ansiehst, sondern weil die Veränderung dir ermöglicht Handlungen zu vollbringen die vorher nicht möglich waren, oder an die du nie gedacht hast, solange du in dem alten Verhaltensmuster steckst.

Wenn du die Welt um dich veränderst ohne dich selber zu verändern, dann bleibst du immer noch der selbe wenn du die Veränderungen erzielt hast. Du wirst immer noch die gleichen Fehler haben, wie Zorn, negatives Denken, den Hang zur Selbstzerstörung usw. Also wirst du in der neuen Situation nicht das finden was du dir erhofft hast, da du immer noch voll negativen Gedanken bist.

Ein Ortswechsel um die Problem zu entgehen wird dir nichts bringen, da die Probleme in dir mit dir gehen. Verändere dich selber zuerst, behebe deine charakterlichen Schwächen. Wenn du nicht willst das die Menschen egoistisch sind dann sei selber kein Egoist, wenn du Grosszügigkeit verlangst dann sei selber grosszügig, wenn du Toleranz erwartest dann sei selber tolerant. (Quelle: http://alles-schallundrauch.blogspot.de/2009/10/gandhis-10-weisheiten-um-die-welt-zu.html )

Eben ist mir auf jeden Fall der obige Satz in den Sinn gekommen. Und es stimmt – ich kann nur mich selbst ändern, wenn ich es denn möchte. Der andere ist für sich und seine Handlungen und Gefühle selbst verantwortlich und kann es nur selbst ändern.

Wieso verändern wir dann unsere Kinder?
Mit voller Absicht. Gewollt. Und weil es jeder so macht.

ändern

Häufig wird der oben genannte Satz bei Erwachsenen genutzt.

Beispiel: Ein Paar streitet sich immer wieder wegen des Haushalts. Sie ist genervt von ihm und spricht mit einer Freundin darüber. Sie sagt letztendlich , dass sie ihn ja nicht ändern kann und er so ist, wie er nun mal ist. Sie sagt, sie muss es bzw IHN entweder akzeptieren oder sich selbst ändern, wenn sie mit ihm zusammen bleiben möchte.

Wieso nehmen wir Erwachsene so wie sie sind

Aber verändern Kinder?

Das frage ich mich zur Zeit sehr häufig. Andauernd wird gesagt, dass man den Gegenüber akzeptieren muss , so wie er/sie ist. Und ja, es stimmt – ich muss es akzeptieren, vor allem dann, wenn ich die Gegenwart mit diesem Menschen teilen möchte.

Warum wird dann versucht ein Kind zu verändern? Wieso soll sich ein Kind anpassen?

Es ist doch genauso wie ein Erwachsener – nur die Erfahrung und das Alter ist unterschiedlich.
Sollte man nicht schon mit Geburt eines neuen Menschen eben diesen Menschen so akzeptieren wie er/sie ist?!

Jeder hat Ecken und Kanten – Das macht uns Menschen aus.

Jeder ist auf seine Art und Weise gut so wie er ist. Das braucht man nicht verändern. Auch nicht bei Kindern.

Kindern gehört viel mehr Respekt

Denn Kinder sind so leicht zu (ver)ändern.
Es macht mich eigentlich schon traurig – denn mit jeder Handlung ändern wir z.B. Verhaltensweisen unserer Kinder. So einfach geht’s. Schrecklich.

Wir sollten mehr Respekt vor unseren Kindern haben. Respekt davor, wie sie nun mal sind. Wie ein Mensch nun mal ist. Und wir sollten uns in Erinnerung rufen, dass wir uns dieses Kind gewünscht (oder auch ungeplant gewünscht) haben. Wir haben dieses Kind bekommen mit dem Gedanken, dass es das beste und perfekteste Kind auf der Welt sein wird. Wir haben für dieses Kind unsere persönliche Welt verändert. Wir wollten, dass es gut in diese Welt kommt, dass jeder sieht, wie perfekt unser Kind doch ist. Wir haben dieses Kind bekommen. Wir haben es so genommen , wie es ist. Wir haben ein neues Leben erschaffen.

Und über diese Macht über das Erschaffen eines Menschen, über die Kontrolle eines Menschen , sollten wir uns bewusst werden. Wir sollten diese Macht nicht ausnutzen.

Denkt dran: Ihr habt ein perfektes Kind bekommen. Ein perfektes Kind braucht man nicht ändern. Ein perfektes Kind braucht sich nicht anpassen. Ein perfektes Kind lässt sich im Erwachsenenalter auch nicht mehr ändern.

Schlechte Gewohnheiten

Nehmen wir mal an – und oft ist es ja auch noch so – das ein Kind ’standardmäßig ‚ erzogen wird.
Damit meine ich : Kein oder wenig fernsehen, Essen nur am Essenstisch, Zimmer muss immer ordentlich sein, Schuhe werden an der Tür ausgezogen (ich könnte die Liste noch weiter führen..).

Was denkt ihr, passiert dann mit diesem Kind, wenn es das erwachsenen Alter erreicht und bei seinen Eltern auszieht?

Richtig: Es wird sich ‚austoben‘ , das Kind kommt raus. Das Kind, welches nicht so sein durfte , wie es eigentlich wollte. Ordnung? Macht doch noch gar keinen richtigen Sinn, und endlich ist der Zwang weg. Essen? Kann man doch überall. Am besten auf der Couch. Schuhe? Warum soll ich die ausziehen, wenn ich sie anbehalten kann?

Unsere Kinder werden sich verändern. Sie werden sich von sich aus ändern und dann wird man sie nicht mehr verändern (können) und auch nicht mehr wollen – weil : sie sind ja erwachsen und sind nun mal so , wie sie sind.

Sie sind, wie sie sind.

Genau. Das sind sie. Auch schon als Kinder. Auch schon als Fötus im Mutterleib. Sie sind perfekt. Perfekt unperfekt. Sie sind, wie sie sind. Toll sind sie.

Was du ändern kannst?

Vieles. 

Hinterfrage deine Handlungen.
Musste dieses ‚Nein‘ wirklich sein? Ginge es nicht auch anders? Wieso geht kein ‚Ja‘? Fällt es dir schwer ‚ja‘ zu sagen, weil du vielleicht in deiner eigenen Kindheit oft ein ‚Nein‘ gehört hast?
Und fandest du es als Kind nicht auch echt beschissen andauernd Verbote und Maßregelungen zu hören zu bekommen? Und jetzt denkst du, dass es ja ‚ so sein muss‘ ? Ändere deine Gedanken. Deinem eigenen inneren Kind zu liebe.

Du kannst deine Kindheit und die verbundenen Verbote nicht ändern. Du kannst dich ändern und für eine bessere Kindheit deines Kindes/deiner Kinder sorgen. 

Denke daran : Du würdest nicht auf die Idee kommen einen erwachsenen Menschen zu ändern : warum willst du es dann bei deinem Kind? Ist dein Kind nicht schon gut so wie es ist?

Schaffe den  ‚Ein Kind braucht doch Erziehung‚-Gedanken beiseite und konzentriere dich auf dein Kind und dich. Auf euch. Auf eure Beziehung. Lebt – denn das tut ihr nur einmal.