„Nichts passiert!“ – warum eben doch etwas passiert ist und was du ändern kannst

Wir sehen tagtäglich Kinder. Mit ihren Eltern, mit Großeltern, mit anderen Verwandten oder auch mit Freunden.

Wir sehen ein weinendes Kind – es ist gerade hingefallen und hat sich erschreckt.

„Ach, ist doch gar nichts passiert! Tut doch gar nicht weh. Komm, steh wieder auf.“

Ist doch nichts passiert und tut doch gar nicht weh?
Für viele sind solche Sätze normal. Sie sind schnell dahergesagt und beruhigen einen selbst mehr als das Kind.

Wenn wir mal drüber nachdenken, ergibt das alles doch aber gar keinen Sinn.

  • Wir haben genau gesehen, dass das Kind hingefallen ist. Es IST also was passiert.
  • Woher sollen wir wissen, dass es nicht weh tut? Wir können doch nicht fühlen, was jemand anderes fühlt!

Wieso sagen wir sowas? Ist es wirklich nur ein schnell gesagter Satz? Aber da gibt es doch auch bessere Alternativen!

Viele wollen ihr Kind nicht schmerzerfüllt dasitzen sehen. Wer will das schon?
Aber der Schmerz wird nicht einfach weggespült, wenn wir ihn uns einfach wegdenken, wenn wir diese Gefühle nicht zulassen.

Es ist was passiert. Ich bin hingefallen! Ich bin über diesen blöden Stein da gestolpert! Und jetzt tut mein Knie weh! Und ich bin auch noch traurig, dass du meine Gefühle nicht siehst! Wieso tröstest du mich nicht? Wieso nimmst du mich nicht in den Arm und gibst mir einen Kuss auf mein Knie? Hast du mich nicht mehr lieb?

Wir sagen einen Satz, der unseren Kindern wahrscheinlich mehr weh tut, als das blaue Knie vom Sturz.
Wir sagen einen Satz, der unser Gewissen reinwaschen will, der unsere Sorgen verschwinden lässt.

Einen Satz, der nicht stimmt und niemals stimmen wird. Einen Satz, den ich aus meinem Sprachgebrauch verbannt habe – etwas zu sagen, was ich weder fühlen noch wissen kann, ist für mich schlichtweg falsch.

Trösten und begleiten – mehr ist es nicht

„AUA!“, höre ich meine Tochter rufen.
Ich bin verdutzt, ich weiß nicht was passiert ist und frage nach, wo sie sich weh getan hat.

Sie zeigt auf ihren Fuß. Ich sehe da nichts. Gar nichts.
Ich frage nochmal nach ob ihr Fuß weh tut. Sie nickt und guckt traurig.

„Soll ich pusten?“, frage ich. Wieder nickt sie.
Ich puste ihren Fuß, gebe noch einen Kuss drauf und umarme sie.

Sofort spielt sie weiter – als wäre nichts gewesen.

Vielleicht war ja auch nichts. Wer weiß das schon, außer sie selbst!?

Ich bin für sie da. Immer. Egal ob sie sich weh getan hat oder vielleicht einfach gerade eine Umarmung braucht. Ich bin da.

Kein „Ist doch nichts passiert.“ , kein „Nun stell dich nicht so an, tut doch gar nicht weh.“ .

Meiner Tochter geht’s nicht gut, lässt sie mich verstehen. Dafür braucht es keine offenen Wunden, Blutlachen oder gebrochene Knochen. Ich bin immer für sie da und nicht nur, wenn sie ins Krankenhaus muss. Ich bin für sie da und das soll sie wissen.

Fehlende Empathie?

Ob wirklich einige Menschen empathielos sind, wenn sie so einen Satz sagen wage ich zu bezweifeln. Ausgeschlossen werden kann es natürlich nicht.

Es liegt an unserer eigenen Erziehung . Und die Erziehung unserer Großeltern. Und die Erziehung von allen vor uns.

Es hat sich so weit normalisiert zu sagen, dass nichts passiert sei, und jetzt ist es hier in unsere Generation durchgedrungen. Ein Satz, den wir für normal halten und uns nicht hinterfragen ob es wirklich so normal ist, sein eigenes Gewissen zu beruhigen anstatt liebevolle, Aufmerksamkeit schenkende Worte unseren Kindern zu widmen.

Wieso sagen wir sowas nicht anderen Erwachsenen?

Euer Partner oder sonst jemand ist gerade gestürzt. Würdet ihr dann sagen „Ist nichts passiert.“?
Ihr habt ja gesehen, dass etwas passiert ist. Und sagt dann eher „Oh, ist alles gut bei dir?“ .

Habt ihr euch schon mal gefragt, warum wir so sehr differenzieren?

Warum wir unseren Kinder nicht eingestehen, dass sie eigene, echte Gefühle haben?
Warum wir den Gefühlen eines Erwachsenen mehr Aufmerksamkeit und Bedeutung schenken als die, eines Kindes?

Ein Erwachsener wird ja wissen ob er schmerzen hat. Da kann man dann ja nachfragen.

(‚Oh , ist alles gut bei dir? ‚)

Ein Kind hat dieses Wissen anscheinend noch nicht – also müssen wir sagen, dass nichts passiert ist und alles gut ist. Auch wenn es vielleicht anders ist.

(‚Nichts passiert, steh wieder auf.‘)

Wir brauchen die Gefühle und Wahrnehmungen für unsere Kinder nicht übernehmen – mal davon abgesehen, dass es auch rein psychologisch gar nicht geht!

Sätze, die du stattdessen sagen kannst:

  • Oh, ich sehe , du hast dir weh getan. Willst du eine Umarmung?
  • Autsch, tat das doll weh?
  • Wo hast du dir weh getan?
  • Wollen wir zusammen pusten?

An all diese Sätzle sollte auch eine Handlung erfolgen – wie z.B. Ein Kühlpack holen, auf die betroffene Stelle einen Kuss geben, Umarmen, Pusten oder oder oder.

ABER: 

Wenn euer Kind das nicht möchte, was durchaus vorkommen kann, dann lasst es. Ihr könnt es dann nochmal anbieten oder einfach weiter für euer Kind da sein. Versuchen einen Dialog anzufangen.

Aus unseren Kindern werden keine verweichlichten Erwachsene

Auch wenn das immer noch in einigen Köpfen steckt.
Das was viel zu vielen Menschen fehlt ist die richtige Portion Empathie.

Und es gibt so viele Sachen, die dazu führen, dass Menschen ihre eigenen Gefühle und die der anderen gar nicht mehr richtig wahrnehmen. Unter anderem der Satz „Ist nichts passiert. “

Wisst ihr was ich immer gesagt habe als ich gestürzt bin oder mir anderweitig weh getan habe?

„Nichts passsiiiiiert!“ 

Und eigentlich ist doch was passiert. Ich bin die halbe Treppe (weitesgehend unversehrt) runtergesaust und bin ziemlich unsanft auf meinem Steiß aufgekommen. Nichts passiert? Was sag ich da?

Schmerzen verdrängen , Gefühle zurückhalten. Das ist nicht stark. Wir haben nur ein Leben. Gebt euch und euren Kindern die Chance, alle Emotionen zeigen und wahrnehmen zu dürfen.

30 Kommentare

  1. „Soll ich pusten?“ – So was finde ich schrecklich; wer einen Unsinn glaubt („Pusten hilft gegen den Schmerz“), der glaubt jeden Unsinn, inklusive Homöopathie und Religion.

    1. Hallo Uwe.
      Ich finde es ziemlich schade, dass du all das als Unsinn betitelst – aber gut, es ist wohl deine Meinung.

      Trotz allem muss ich widersprechen. Pusten lindert. Denn pusten ist Kühlung – gerade auf einem aufgeschlagenen Bzw mit Schürfwunden verzierten Knie , welches sicher brennt/zwiebelt, ist eine Brise kühlen Atems/Wind ganz angenehm. Natürlich nimmt es den Schmerz nicht weg , soll es doch auch nicht. Man ist für das Kind oder den Menschen da. Das wäre ja so wie ‚Ne, bekommst keine Umarmung, tut dir ja trotzdem weh“ .

    2. Es geht doch nicht um eine Wunderheilung in diesem Satz. Dein Verstand ist Unsinn weil du den Text nicht Verstanden hast!!!!!!!!!! Ich habe selber 2 Kinder und verstehe worauf die Verfasser hinaus wollen.
      Es geht darum das du dem Kind zeigst das du für es da bist. Der Satz soll ausdrücken ich kümmere mich um dich auch wenn augenscheinlich nichts zu sehen ist. Dieses Puste Verfahren hat noch niemand geheilt aber es ist seid Jahrzehnten in unseren Köpfen. Je nach dem wie alt dein Kind sind kann es schmerzen nicht richtig deuten wenn es welche hat. Mein kleinster ist 4 er hat ne dicke Mandelentzündung und das hat er mir nicht gesagt!!!!!!!! Er hat gesagt er hat was im Hals stecken und das macht Aua. Denk mal drüber nach was du so von dir gibst

    3. Komisch.. bei uns hat 2 monate nichts gegen soor geholfen… nach C1000 Sulfur gabs die erstverschlimmerung und danach eine stetige heilung.
      Mein Baby konnte noch nicht dran glauben.. ich finds ziemlich abwertend was du da behauptest. Aber sowas sagt ja bekanntlich mehr über einen selbst aus als über due sache an sich 😉

  2. Hallo Uwe,
    Es geht ja nicht darum,das das pusten den Schmerz völlig ausblenden soll.
    Natürlich ist der Schmerz noch da nach dem pusten.
    Der wesentliche Unterschied ist aber der,das wir:
    1. Den Schmerz des Kindes sehen und annehmen
    2. Das Kind trösten und für es da sind
    3. Dem Kind spüren lassen , das sein eigenes Schmerzenpfinden so wahrgenommen wird,wie es ist.

    All das ist nicht gegeben,wenn Ausdrücke kommen wie :

    1. Stell dich nicht so an
    2. Ist doch nichts passiert
    3. Ein Indianer kennt kein Schmerz.

    Lg

  3. Ich krieg die Krise, wenn andere behaupten, es sei nichts passiert, es tue nicht weh…Woher wollen die das wissen?

    Pusten hilft übrigens sehr wohl, es kühlt nämlich und nimmt dadurch den Schmerz. Nicht so gut wie ein Kühlpack, aber wer, außer Helikoptereltern, hat schon ständig ein Kühlpack zur Hand?

  4. Hallo,

    sehr schön geschrieben. Ich habe als Kind schon nicht verstanden wenn so etwas gesagt wurde. Mein Opa und mein Vater hatten den Spruch, ein Indianer kennt keinen Schmerz, gut drauf. Aber sie haben nicht verstanden, dass ich kein Indianer war, sondern ein kleines Mädchen was sich nun mal verletzt hatte.

    Vielen Dank für den tollen Artikel.
    Liebe Grüße Melanie

  5. Wer diesen Unsinn glaubt, glaubt jeden Unsinn…Homöopathie und Religion sind Unsinn? Uwe, ich fond deine Aussagen sehr abwertend und auch respektlos. Würde mich nicht wundern, wenn du deinen Kindern sagst, es sei nix passiert, es solle sich nicht so anstellen.

    Ich kann jedenfalls nur unterschreiben, was im.Artikel steht…ich sage auch immer sowas wie “Hoppla, was ist passiert?“ oder “Ist alles ok“ – allerdings mit einer Einschränkung. Ich hab mir angewöhnt mich etwas zurückhalten und erst mal zu gucken, bevor ich aktiv reagiere. Manchmalnehmen die Kleinen etwas nämlich wirklich gar nicht wahr, weil fpr sie wirklich nichts passiert ist…und spielen einfach weiter.

  6. Mir kommen jetzt spontan 2 Dinge nach Lesen des Beitrags in den Kopf. das erste ist ein Zitat aus einem Lied:
    „Ob ich Empathie habe, neee ich bin geimpft“ – Alligatoah aus dem Lied „Vor Gericht“

    Und die zweite ist eine Stelle aus Vera F. Birkenbihls Vorträgen:
    https://www.youtube.com/watch?v=LgwMeykxYCQ (geht über Das Potenzial, die Erziehung und die Normalität)

  7. Dann hoffe ich mal ganz diskret, dass der Uwe keine Kinder hat und haben wird…gruselig, was manche Menschen von sich geben. Der macht ja jede Hoffnung und jedes Bedürfnis eines Kindes zu nichte.
    Homöopathie ist übrigens keine Glaubensfrage. Es hilft optimal bei Tieren und Säuglingen. Die bekommen noch nicht mal mit, dass man gerade was ins Essen gemixt hat. Und können demnach auch nicht an die Medikamente glauben, die sie gerade zu sich nehmen. Vorsicht mit deinen Behauptungen.
    Zum „pusten“ wurde hier schon groß und breit erklärt, warum es wichtig ist.
    Und zum Thema Religion: seinem Kind zu vermitteln, es lohnt sich nicht, an etwas zu glauben, ist geradezu grausam! Keiner weiß, was es gibt und was es nicht gibt, aber lass es das Kind selber rausfinden.
    Ich hoffe weiterhin, dass du deinen Kran nicht an einem Kind auslässt!

  8. https://www.youtube.com/watch?v=Sl7Ou1Dci6E Ein bisschen Weiterbildung 🙂

    Danke für diesen wunderbaren Artikel. Ich merke selber, wie diese alten Muster in mir hochkommen und ich manchmal davor bin, unserer Tochter zu sagen „is´nich schlimm, aufstehen“ oder „alles is gut“. Nix da! Nix ist gut!

    Dass es eine gesellschaftliche Frage ist, merke ich v.a. daran, dass ich mir manchmal sogar beobachtet oder blöd vorkomme, wenn ich sie tröste und andere auf mich schauen.

    Aber dann erinnere ich mich wieder an Gandhis wichtigen Satz: „Sei Du selbst die Veränderung, die Du Dir wünschst für diese Welt!“

    Sollen sie doch reden…

  9. Wir alle brauchen Liebe, suchen danach und hoffen, diese irgendwann mal zu finden… Jedoch verlernen wir dabei, ein Kind zu sein, ja das Kind in uns selbst zu lieben… Das ist die Quintessenz der Gesellschaft auf dem Weg… hoffentlich zu der Liebe!

  10. Ich finde es ist irgendwie beides: sich liebevoll kümmern, pusten, ein Kühlpad holen, in den Arm nehmen und gleichzeitig vermitteln, dass nichts schlimmes passiert ist. Ich finde das kann auch Sicherheit geben. Aber es ist meine Meinung, ich kann genauso andere Meinungen verstehen.

  11. Danke für den netten Artikel.
    Mir ist beim Lesen aufgefallen, dass ich zu meinem Kleinen auch öfters mal sage, „Ist doch nichts passiert.“, allerdings mit dem Unterschied, dass ich ihn auf den Arm nehme und drücke, wenn ich das Gefühl habe, dass er es braucht.

    Ich habe mir aber vorgenommen diesen Satz durch Empathischere zu ersetzen, damit sich mein Kind auch ernst genommen fühlt, wenn mal was passiert. =)

  12. Ich zeige meiner 7-jährigen Tochter sehr oft wie sehr ich sie liebe. Wenn sie sich weh tut, drücke ich sie und puste auch. Und ja, manchmal sag ich ihr auch, dass sie sich auch mal zusammen reißen muss. Sie ist allerdings auch äußerst wehleidig im Vergleich zu anderen Kindern und weigert sich vehement beim Zahnarzt den Mund aufzumachen oder Medizin zu nehmen. Ich finde, dass es generell in der heutigen Zeit einen Trend gibt, unnötig zu dramatisieren. Die kalte Erziehung unserer Altvorderen wünscht man heute keinem Kind mehr, aber diese übertriebene Fürsorge die ich teilweise in meinem Freundeskreis sehe, stimmt mich teilweise auch nachdenklich. Die Wahrheit liegt wohl, wie so oft, in der Mitte.

    1. Mich stimmt die Aussage über deine Tochter sehr traurig. Niemand außer sie kann fühlen ob es ihr ein bisschen oder sehr weh tut. Es gibt Menschen, die sind sehr schmerzempfindlich und es gibt welche, die sind es kaum. Die Angst vor dem Zahnarzt kommt evt daher, dass sie dazu gezwungen wird den Mund aufzumachen (?) , genauso wie die Angst vor Spritzen, weil ‚es sein muss‘ .
      Ich denke das beste was man als Elternteil machen kann, ist, sein Kind ernst zu nehmen und nicht zu (ver)urteilen ob etwas nun schlimm oder nicht schlimm ist – denn das liegt, wie so vieles anderes auch, im Auge des Betrachters, oder im ‚Fühlenden‘.

    2. Das muss dich nicht traurig stimmen. Meine Tochter ist ein sehr glückliches und geliebtes Kind. Natürlich kann ich nicht empfinden, was sie empfindet. Da ich jedoch selbst ein eher ängstlicher Mensch bin, kann ich es mir ungefähr vorstellen. Angst ist oft irrational und manchmal muss man seine Angst überwinden, um zu sehen, dass Erwartung und Realität nicht übereinstimmen. Sie wurde noch nie beim Zahnarzt gezwungen den Mund aufzumachen. Auch lass ich mir nicht unterstellen, ich würde mein Kind nicht Ernst nehmen. Meine Familie belächelt es teilweise wie sehr ich mein Kind in Entscheidungen mit einbeziehe. Als sie kleiner war, hatte sie zwei Blasenentzündungen. Wir MUSSTEN ihr antibiotischen Saft einflößen, damit sie keine Nierenbeckenentzündung bekommt. Es war die Hölle. Wir haben jeden Tag stundenlang auf sie eingeredet, gebettelt, versprochen, aber sie hat den Mund nicht aufgemacht. Keiner konnte uns helfen, auch nicht die Ärzte oder Psychotherapeuten die ich sogar gefragt habe. Wir mussten sie am Ende zwingen es zu nehmen, um sie selbst vor Schlimmerem zu bewahren. Wir haben uns wie Vergewaltiger gefühlt, aber es ging nicht anders. Es ist immer einfach schnelle Urteile zu fällen, wenn man selbst von sowas nicht betroffen ist. Unsere Familien wollten uns dann einreden, dass wir zu lasch mit ihr umgehen würden und zu sehr auf sie eingehen würden und sie sich deshalb so verhalten würde. Das ist natürlich auch totaler Schwachsinn. Es ist aber nicht immer alles schwarz oder weiss und empfinde in diesem Zusammenhang deine Haltung zum Teil einseitig.

  13. Es kommt immer auf die Situation an. Meine Meinung. Wenn meine kleine beim knien oder sitzen üben umkippt erschreckt sie sich meist nur, ohne sich irgendwas anzuschlagen. Dann sage ich auch : hoppla, nix passiert. Wenn sie später draußen hinfällt werde ich wie bei ihren Brüdern sagen. Komm steh auf und komm her. Das nimmt meist erstmal den ersten Schreck, danach wird natürlich gepustet und auch mal ein Pflaster drauf gemacht. Und ja ihr könnt mich steinigen, aber meine Söhne lieben mich. Sagen dies auch und können auch anderweitig ihre Gefühle zum Ausdruck bringen.

  14. Ich, bald 65, habe eine Freundin, 36, die mir von genau dieser Situation als Kind berichtete. Sie ist heute noch nicht durch damit, dass ihr Vater, als er mit ihr im Krankenhaus war, gesagt hat „siehste, ist doch gar nichts passiert“. Sie hat heute noch die Szene vor Augen, wie sehr sie dieser abschwächende Kommentar ihres Vater sie damals verletzt hat, viel mehr als der vorangegangene Sturz. Er glaubte sich damit in ihren Augen von seinem Tröstungsauftrag als Vater befreit. Jetzt konnte man, ohne sich weiter um das Kind zu kümmern, nachhause fahren. Aber meine Freundin fühlte sich allein gelassen, nicht beachtet, nicht wahrgenommen.
    Es geht doch beim Pusten oder Trösten, beim in den Arm nehmen nicht darum, den Schmerz zu heilen.- Es geht darum, das kleine Menschlein zu beachten, seine Gefühle wahrzunehmen, ihm nach einem Schrecken einen kleinen Moment der Geborgenheit zu geben. Natürlich nicht bei jedem Umkippen des Babys in großes Lamento auszubrechen, darum geht es nicht. Aber um ein kleines „hoppala, bist du umgefallen, so, setz dich wieder hin“ oder ähnlich, ab und zu. Und übrigens, mir hilft Homöopathie und auch Schüssler Salze 😉

    1. Genau so ❤️ ich mache auch kein Drama drauß oder springe sofort , aber ich lasse sie wissen dass ich gesehen habe, dass sie gestürzt ist und das ich da bin falls Sie mich braucht. Sie dürfen ja auch schmerzen fühlen – ist nicht schön, und wünschen tue ich es niemandem – aber das im Stich lassen , runter spielen etc. tut viel mehr weh als das eigentliche Geschehene .

      Vielen Dank für diesen Kommentar ❤️

  15. So ein wichtiges Thema, schön dass du es aufgegriffen hast! Leider bekomme ich auch sehr oft mit, dass das Kleinreden von kindlichem Schmerz nach wie vor Usus ist. Meinen Weg da durchzusetzen, war sogar innerhalb der Familie nicht ohne Verwunderung und diversen skeptischen Kommentaren möglich. :-/ aber wir haben weiter gemacht, getröstet und begleitet. Und meine Tochter ist nicht „wehleidig“ und keine „Mimose“, sondern sehr „tapfer“, wenn es um ihre Schmerzwahrnehmung geht! 🙂 Ich habe über das Thema auch getippt – der beliebteste Artikel am Blog.

    1. Hallo liebe Jeannine 🙂
      Ja hier ist es auch leider immer noch so.
      Ein weiterer (ähnlicher) Artikel kommt morgen – dieser ist glaube ich auch der beliebteste Artikel bei mir – wichtiges Thema ❤

      Liebe Grüße
      Lisa

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