Selbstbestimmtes Schlafen | Gastbeitrag von Jenni

26. Februar 2016 7 Von Lisa

Kein Thema ist unter Eltern so brisant wie das Thema Schlafen 😉

Wann schläft es durch?
Wann muss es ins Bett?
Wo soll es schlafen?

Ihr fragt Euch sicherlich was „selbstbestimmtes schlafen “ ist. Habt wohlmöglich noch nie etwas davon gehört, weil die meisten Kinder, welche ihr kennt, zu bestimmten und festen Uhrzeiten ins Bett müssen.

Eigentlich ist die Erklärung ganz einfach. Abzuleiten aus dem Wort „selbstbestimmt“
Die Definition von Selbstbestimmt lautet „nach eigenem Willen“

Wir praktizieren selbstbestimmtes Schlafen seit meine Tochter ( die inzwischen 3,5Jahre alt ist) auf der Welt ist.

Ihr fragt Euch jetzt mit Sicherheit ob ein Kind nicht feste Schlafenszeiten braucht,oder?
Ich kann eindeutig sagen N E I N!
Ihr fragt Euch wieso nicht?
Das ist eigentlich ganz einfach zu Erklären. Was brauchen wir um überhaupt schlafen zu können? Brauchen wir nicht vertrauen? Bedeutet schlafen gehen nicht auch los lassen? Müssen wir nicht auch Müde sein? Sind wir immer zur selben Zeit müde?

Ich persönlich bin nie zur selben Zeit müde.
Mal bin ich um 20uhr so müde, dass ich mit meiner Tochter zusammen im Bett einschlafe und mal habe ich Abende, da bin ich um 23Uhr noch so wach, dass ein einschlafen nicht möglich ist. Weil ich einfach noch nicht müde bin, weil ich den Tag Revue  passieren lassen oder einfach aus irgendeinen mir unbekannten Grund. Demzufolge liege ich noch nicht im Bett,weil ich weiß, dass ich mich nur von links nach rechts und von rechts nach links drehen würde.So würde es über Stunden hinaus gehen, bis ich irgendwann eingeschlafen bin.

Möchte ich so einschlafen? Ist das ein angenehmes einschlafen?
Ich persönlich finde N E I N.
Was kann ich jetzt machen? Jeden Abend das Prozerde vom neuen Beginnen oder aber ich sage mir “ hey, wieso liegst du im Bett,versuchst auf Krampf einzuschlafen,obwohl du noch gar nicht müde bist“ Oder aber ich sage mir “ ich gehe dann ins Bett, wenn ich müde bin“ Dann, wenn ich den Anschein habe,dass mir die Augen zufallen,dass mein Körper und mein Geist bereit sind zu schlafen.

Die Frage wäre jetzt: Wieso machen wir Erwachsenen das genau so, aber unsere Kinder „müssen/sollen“ feste Schlafenszeiten haben?
Wir Erwachsenen wissen doch was für ein unschönes Gefühl es ist , im Bett rumzuwälzen, obwohl wir nicht schlafen können.
Wieso schenken Wir unseren Kindern nicht das Vertrauen entgegen, Ihre Schlafenszeiten selbst zu bestimmen? Wieso wird das Schlafverhalten des Kindes so manipuliert? Wieso dürfen Eltern über das Schlafverhalten Ihres Kindes bestimmen,obwohl das Kind ein eigenes Individuum ist? Wieso muss ein Baby/Kleinkind zu bestimmten Zeit ins Bett und ein Teenager z.b. darf selbst Entscheiden wann es ins Bett gehen will?

Behindere Ich nicht sogar die Selbstregulation meines Kindes, wenn mein Kind schlafen soll,wenn ich es will?
Bringe ich mein Kind nicht sogar in eine Art Abhängigkeit, wenn es schlafen soll, wenn ich es will?

In den meisten Köpfen werden jetzt bestimmt Gedanken kommen Wie

dann ist das Kind ja bis 23uhr wach“

„dann ist das Kind ja morgens immer müde“

„aber das Kind braucht doch xy Stunden zum schlafen

Fangen wir mit dem ersten Gedanken an “ dann ist das Kind ja bis 23uhr wach“

Ja, das kann natürlich gut möglich sein, dass das Kind dann Abends mal länger wach ist. Gerade dann, wenn es z.b. Nachmittags seine 3 Stunden geschlafen hat, weil es einfach müde war, weil der Tag anstrengend war.
Wieso sollte ich mich diesbezüglich gestört fühlen? Was stört mich genau daran? Weil ich Abends einfach mal meine Zeit für mich haben möchte? Oder aber Zeit mit meinem Partner verbringen möchte? Das Kind muss doch Abends nicht mehr groß bespaßt werden. Wenn meine Tochter Abends länger wach ist, weil sie Tagsüber geschlafen hat oder länger geschlafen hat,dann laufen bei uns die Abende ganz ruhig ab.
Meistens malt sie noch etwas, spielt mit ihren Tieren,schaut sich Bücher an, wir machen gemeinsam etwas im Haushalt, sie sortiert etwas herum o.ä.  Es gibt auch Abende da liegen wir beide im Bett und hören dabei eine CD und entspannen. Es gibt Abende,da lümmeln wir alle gemeinsam auf der Couch und albern herum. Ihre Müdigkeit kann ich als Mama natürlich deuten. Wenn sie ins Bett möchte, weil Sie den Eindruck hat“ jetzt bin ich wirklich müde“ gehen wir gemeinsam ins Bett. Natürlich gibt es auch Situationen, da stellt Sie nach bestimmter Zeit fest, dass sie doch noch nicht müde genug ist. Sie steht dann wieder auf und sucht sich eine Beschäftigung. In der Zeit bleibe ich meistens im Bett liegen. Nach guten 5-10Minuten kommt Sie wieder ins Bett und dann wird geschlafen.  Also eigentlich, für mich jedenfalls, entspannt.

Weiter geht es mit dem nächsten Punkt “ dann ist das Kind ja morgens immer müde“
Wer ist morgens nicht müde, wenn er aufwacht? Meine Tochter wacht morgens immer von alleine auf – Eigentlich musste ich sie in den letzten 3,5Jahren morgens so gut  wie nie wecken. Inzwischen geht meine Tochter in den Kindergarten und auch damit klappt es wunderbar.Die Zeiten wann Sie morgens wach wird variieren. Mal ist es 5:30uhr und mal ist es gegen 7:15uhr. Es bleibt also morgens immer noch genug Zeit um in Ruhe wach zu werden, um in Ruhe in den Tag zu starten,um in Ruhe etwas zu spielen und etwas zu Essen. Natürlich ist es manchmal blöd aus dem warmen Bett aufzustehen 😉 Aber ich denke, dass betrifft auch jedes Kind, welches nach festen Zeiten ins Bett muss/soll.

Der nächste Punkt betrifft “  aber das Kind braucht doch xy Stunden zum schlafen „
Schlaft ihr immer gleich viele Stunden? Ich für meinen Teil tue das nicht. Mal komme ich mit weniger Stunden Schlaf aus und mal brauche ich ein paar Stunden mehr. Ich vertraue da voll und ganz meinem Körper. Mein Körper signalisiert mir wie viel Stunden Schlaf er braucht.
Und genau das selbe macht auch der Körper meiner Tochter. Und genau dieses Vertrauen bringe ich Ihr entgegene, in dem sie Schlafen darf, wann sie möchte.

Der Vorteil des Selbstbestimmten Schlafens ist bei uns auch der Punkt, dass meine Tochter überall schläft. Sie schläft im Bett,auf der Couch,im Buzzidil, auf dem Arm,auf dem Fußboden etc. Sie muss nicht zwingend im Bett einschlafen.

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Ich persönlich bin auch jemand der sich gegen “ das Wecken“ wehrt. Ich finde das Wecken ganz furchtbar. Ich selber mag es auch absolut gar nicht, wenn ich geweckt werde. Ich bin danach so knatschig und unausgeglichen, dass eigentlich alles schief geht und ich wirklich lange brauche bis ich einigermaßen „normal“ bin. Das ich so bin wie ich bin 😉
Aus dem Grund, wird meine Tochter nur dann geweckt, wenn es zwingend sein muss. Wenn es um Termine geht, die sich einfach nicht verschieben lassen oder die einfach wichtig sind.
Ich würde sie nie wecken, damit sie z.b. Abends früher ins Bett geht. Das würde ja bedeuten, dass ich meine Tochter wecke,damit ich Abends meine Ruhe habe?Liest sich natürlich sehr direkt und der eine oder andere fühlt sich natürlich vor den Kopf gestoßen. Aber bevor ich das machen würde, würde ich mir viel mehr Freiraum suchen, in dem ich meinen Partner mit einbeziehe.

Ich für meinen Teil kann eigentlich nichts negatives am Selbstbestimmten Schlafen finden. Je mehr ich auch nachdenke,ich finde einfach nichts.Wohlmöglich liegt es auch daran, weil es für mich das natürlichste der Welt ist,zu schlafen,wenn ich müde bin und nicht dann, wenn ich es soll.

Ich stelle mir das sehr anstrengend vor, wenn ein Kind um Uhrzeit xy ins Bett soll, weil es xy spät ist und nicht schlafen kann, weil´s noch nicht müde ist. Ich kann mir wirklich vorstellen, dass eine Art Machtkampf entsteht, das die Eltern irgendwann erschöpft sind, weil das Kind einfach noch nicht schlafen will.

Wieso tut ihr Euch das an? Wovor habt ihr Angst? Was sind Eure Befürchtungen?

Übrigens wird hier gerade seit 18:30Uhr geschlafen. Wir haben sogar Tage, da liegt meine Tochter bereits um 17:30/18:00Uhr im Bett und schläft. Mir persönlich gefällt diese Zeit gar nicht,aber was soll ich machen? Sie ist müde und möchte schlafen. Müdigkeit und Schlafen ist ein völlig natürliches Bedürfnis.Ihr wollt wissen weshalb mir diese Zeit nicht gefällt? Weil der Papa sogesehen weniger Zeit mit ihr zur Verfügung hat, als an den Tagen, wo sie eben erst um 19/20/21 Uhr ins Bett geht.

Ihr denkt jetzt “ nein, das ist nichts für mich?“ Okay, das ist völlig legitim und Eure freie Entscheidung. Aber eine Frage hätte ich dort an Euch. Woher wisst ihr, dass es nichts für Euch ist? Habt ihr es schon ausprobiert? Wenn nein, dann probiert es einfach mal aus. Nicht nur ein Tag, sondern wirklich mal gut 14 Tage. Verabschiedet Euch von dem Gedanken “ Ja,du musst aber ins Bett,weil es schon 19uhr ist“

Vertraut Eurem Kind, dass es sich den Schlaf holt den es braucht.
Das es dann schläft, wenn es müde ist,ganz egal wie spät es auch ist. Wahrscheinlich werdet ihr am Anfang lange wach bleiben und ihr hinterfragt Euch, ob all das eine gute Idee war. Das ist normal, gerade dann, wenn der Mensch ein Gewohnheitstier ist. Aber ihr werdet mit der Zeit feststellen, dass es eigentlich gar nicht so problematisch ist, wie Ihr es Euch am Anfang vorgestellt habt.

Wenn ihr es schon einmal probiert habt und Ihr festgestellt habt, dass es wirklich nichts für Euch ist,dann hinterfragt Euch ,weshalb es nichts für Euch ist. Schaut eventuell einmal, woran es „gescheitert“ ist.

Und vergesst bitte N I E M A L S , vertraut Euren Kindern. Denn Euer Kind vertraut auch Euch. Lasst Euch von eurem Kind leiten und begleitet Euer Kind bei all seinen Schritten.

Dankeschön, dass Ihr meinen Text gelesen habt.

Liebste Grüße, Eure Jenni